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Autonomes Fahren: Der Zweifel fährt mit

Während der autonom fahrende Wagen über die Straßen gleitet, lehnt sich der Fahrer entspannt zurück, erledigt Korrespondenzen mit dem Tablet oder macht einfach ein Nickerchen. Die überwiegende Mehrheit vertraut dem Autopiloten – gleichwohl gibt es Bedenken in Sachen Cybersecurity.

Autonomes Fahrzeug auf der Autobahn Bildquelle: © Daniel Naupold | dpa

Die Cybersecurity-Bedenken hinsichtlich des autonomen Fahrens gibt es zu Recht, wie das Experiment eines Forscherteams demonstriert. Die Wissenschaftler drangen in die Elektronik eines Jeeps ein und konnten das Auto per Fernzugriff beschleunigen, abbremsen sowie Sicherheits- und Schutzsysteme wie Airbags, ABS und Türverriegelung lahmlegen. Dafür nutzten sie eine Schwachstelle der Software-Update-Funktion und kaperten das SUV per Mobilfunk.

Wie repräsentative Studien von TÜV Rheinland belegen, ist gerade beim autonomen Fahren die Angst vor Cyperattacken ausgeprägt. Zwar können sich drei von vier Autofahrern in Deutschland vorstellen, sich autonom chauffieren zu lassen, doch bei rund 60 Prozent dominiert die Furcht vor dem Verlust der Kontrolle des Fahrzeugs durch Hacker. Das „Entscheidungsverhalten autonomer Fahrzeuge bei der Auswahl von Alternativen im Falle unvermeidbarer Unfälle“ spielt für die Autofahrer eine ebenso entscheidende Rolle wie die „Beherrschbarkeit komplexer Verkehrssituationen“ und die Absicherung der Daten. Für die überwiegende Mehrheit der Befragten ist es daher wichtig, dass unabhängige Institutionen autonome Fahrzeuge testen sowie den Datenschutz und die Datensicherheit überwachen. Dabei stehen Fahrzeugtests zur Zuverlässigkeit der Automatisierung vor Auslieferung autonomer Autos an erster Stelle (mehr als 91 Prozent).

Ähnliches gilt für die wichtigen Märkte USA und China. Damit sie künftig autonomen Fahrzeugen vertrauen können, wünschen sich Autofahrer auch dort die Gewährleistung des Datenschutzes, die Sicherung des Fahrzeugs vor Cyberangriffen und die zu jedem Zeitpunkt freie Entscheidung, selbständig oder autonom fahren zu können. Die meisten Kunden finden es gut, dass die Systeme künftiger Autos regelmäßig automatisch aktualisiert werden, um die Sicherheit im Straßenverkehr und gegen Fremdangriffe von außen zu gewährleisten. In China befürworten solche sogenannten Over-the-Air-Updates 80 Prozent, in den USA 68 Prozent und in Deutschland 64 Prozent. Darüber hinaus ist den Verbrauchern der Schutz vor Cyberattacken in allen drei Ländern so wichtig, dass die Mehrheit die Automarke, in einem Fall von bekannt gewordenen Hackerangriffen, wechseln würde. 

Grundsätzlich kommt autonomes Fahren bei den Befragten gut an. Gleichwohl nehmen sie Probleme wahr, die eine Akzeptanz beeinträchtigen können und wesentliche Hindernisse für die Verbreitung autonomer Fahrzeuge darstellen. An erster Stelle der wichtigsten Rahmenbedingungen von Politik und Industrie steht bei den Deutschen die Möglichkeit, selbst fahren zu können, gefolgt von der Klärung der Rechtslage und der Gewährleistung des Datenschutzes. Bei den Amerikanern hat die Möglichkeit, selbst das Steuer übernehmen zu können, ebenfalls eine hohe Priorität. Auf Platz zwei rangiert mit geringem Abstand der Nachweis der funktionalen Sicherheit durch Tests. Auf Platz drei folgt die Sicherung des Autos vor Fremdzugriff. Für die Chinesen ist die Sicherung der persönlichen Daten besonders wichtig, noch vor Gewährleistung des Datenschutzes und Sicherung des Fahrzeugs vor Fremdzugriff.

Die Cloud als Einfallstor
„Interessante Angriffsziele für Cyberpiraten sind beispielsweise aus dem Internet erreichbare Clouddienste, die unter anderem direkt mit Fahrzeugen kommunizieren. Theoretisch kann jedoch jede extern verfügbare Kommunikationsschnittstelle einen Einstiegspunkt für einen Angreifer darstellen. Dies können das bordeigene WLAN, Telematikdienste sowie Infotainment-, Navigations- und Assistenzsysteme sein“, sagt Benedikt Westermann, Lead Security Analyst von TÜV Rheinland.

Die Bedeutung der Cybersecurity hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Außerdem belegen die Auswirkungen einiger prominenter Angriffe, wie wichtig das Thema für die heutige Gesellschaft und Wirtschaft geworden ist. Das zeigen auch die Cybersecurity-Trends 2018 von TÜV Rheinland. Die Attacken machen zugleich die Verwundbarkeit der persönlichen Daten deutlich. Bereits im April 2017 tauchten über die bisher anonyme Gruppe „Shadow Brokers“ eine Reihe von Hacking-Tools auf, die im Verdacht stehen, der US-amerikanischen National Security Agency zu gehören. Im Juli 2017 stahlen Angreifer die Daten von 145 Millionen Menschen des Finanzdienstleisters Equifax. Das Windows- Schadprogramm WannaCry und der Erpressungstrojaner NotPetya folgten und verbreiteten sich in über 150 Ländern. Das führte zu Lösegeldzahlungen von mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Das Kurier- und Logistikunternehmen FedEx schrieb allein dem NotPetya-Angriff einen Verlust von 300 Millionen US-Dollar zu. Bei einigen namhaften Automobilherstellern führte dies sogar zum Produktionsstopps. Diese beiden berüchtigten Ransomware-Angriffe nutzten den von Shadow Brokers durchgesickerte Schwachpunkt aus. Und die potenziellen Schlupflöcher werden mit jeder Schnittstelle zahlreicher.

Es scheint inzwischen einfacher denn je, Erpresser- und Schadstoffprogramme auf dem Schwarzmarkt oder im Darknet zu kaufen und damit auch Zugang zu sensiblen Daten zu erhalten. Während Unternehmen ihre Digitale Transformation fortsetzen und Anwender „intelligente” Geräte in ihr tägliches Leben integrieren, wächst die Cyberkriminalität.