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funkschau Interview Katek/Rainer Koppitz: "Das Thema IoT kommt aus der Spielecke raus"

Deutschland ist laut Katek-CEO Rainer Koppitz hervorragend für das Internet of Things aufgestellt, soll sich in diesem Feld selbst mit den USA und China messen können. Doch gerade die hiesige Mobilfunkversorgung könnte zukünftig noch zum Hemmschuh werden – denn die sei "hochgradig peinlich".

Rainer Koppitz Katek SE Bildquelle: © Katek SE

Rainer Koppitz ist ausgewiesener IT- und Telekommunikationsexperte. Er war in leitenden Positionen für Unternehmen wie Unify, Atos, Dell, BT, B2X und Nfon tätig. Seit knapp einem halben Jahr ist er CEO der Katek SE Group. Der Elektronikdienstleister mit rund 1.750 Mitarbeitern entwickelt und fertigt kundenspezifische elektronische Komponenten und Systeme für alle Branchen. IoT sowie die zunehmende Vernetzung der Devices sind dabei entscheidende Schwerpunkte.

funkschau: Um das Internet of Things wurde in den vergangenen Jahren ein enormer Hype generiert, die Zahl der tatsächlichen Projekte scheint jedoch hinter den hohen Erwartungen zurückzubleiben. Wie ist Ihre Einschätzung, Herr Koppitz?

Rainer Koppitz: IoT ist meiner Meinung nach einer der wenigen gehypten Märkte, der das einlöst, was die Marktauguren prognostiziert haben. Im Gegensatz beispielsweise zu Themen wie Augmented Reality, Connected Car oder auch Cloud-Telefonie, die sicherlich hinter den hohen Erwartungen zurückgeblieben sind. IoT ist hingegen schon verhältnismäßig weit, der Markt hat massiv an Fahrt gewonnen. Heute sprechen wir schon von 25 Milliarden vernetzten IoT-Devices und diese Entwicklung wird sich noch beschleunigen.

funkschau: Haben alle Branchen und Bereiche diesen Entwicklungsstand erreicht?

Koppitz: Wir haben aktuell im Markt ein gewisses Definitionsproblem. Jeder denkt bei IoT an bestimmte Geräte, Smartphones, Wearables oder Smartwatches. Letztlich haben daher die meisten auf den Consumer-Markt geschaut. Richtig interessant wird es aber erst in den kommenden Jahren, dann kommt das ganze Thema aus der Spielecke raus. Ein vernetzter Küchenherd ist noch eine Spielerei, wir werden aber immer mehr ernsthafte Anwendungen sehen. Interessant ist beispielsweise der Einsatz von Robotern in Fabriken oder die Vernetzung von LKWs oder Paletten in der Logistik. Die große Zukunft kommt erst noch, es findet aber bereits eine Professionalisierung und Industrialisierung des IoT-Marktes statt.

funkschau: Also hat die Entwicklung im Unternehmensumfeld doch etwas länger gebraucht als oftmals prognostiziert?  

Koppitz: Das Thema IoT wurde in den vergangenen Jahren aus dem amerikanischen Raum heraus besonders im Consumer-Bereich sehr gehypt. Der richtige Reifegrad im professionellen Umfeld ist aber erst jetzt erreicht. Denn hier probiert niemand etwas aus, nur weil es gerade angesagt ist. Da muss ein konkreter Business Case dahinter stehen. Darüber hinaus müssen Unternehmen bei IoT-Lösungen nicht nur punktuell vorgehen, sondern über einzelne Wertschöpfungsketten hinaus denken. Dieser komplexe Prozess dauert einfach.

funkschau: Und wer muss diesen Prozess vorantreiben? Gerätehersteller, Netzbetreiber, Anwenderunternehmen?

Koppitz: Nicht die Netzbetreiber. Die bauen zwar aktuell alle entsprechende Business Units auf – sind aber bereits reihenweise gescheitert. Sie haben die falschen Kunden und verstehen die jeweiligen Branchen nicht. Es sind aber auch nicht die Device-Hersteller. Diese denken vor allem in Stückzahlen und nicht in Kundennutzen.

Der Impuls kommt also zum einen vom Endkunden selber. Von innovativen Mittelständlern, die ihre Lieferanten mit neuen Ideen challengen. Daraus entwickeln sich dann oftmals interessante Lösungen. Zum anderen gibt es aber auch immer mehr Anbieter, die komplexe Systemlösungen entwickeln. Fest steht: Die Stunde von IoT hat hierzulande geschlagen. Denn der gehobene Mittelstand und komplexe Systemanbieter sind schwerpunktmäßig in Europa, und zu großen Teilen in Deutschland. Daher werden die Amerikaner massiv an Boden verlieren.

funkschau: Gilt dies auch für den Mittelstand? Sicherlich gibt es noch einige kleine oder mittlere Unternehmen, die sich aktuell kaum mit dem Thema IoT auseinandergesetzt oder keine konkrete Vorstellung haben, wie sie eigene Projekte und Lösungen angehen können.

Koppitz: Hier braucht es unbedingt einen Generationenwechsel, in diesen Unternehmen muss an den richtigen Stellen eine Verjüngung stattfinden, mit der oft auch ein anderes Verständnis für digitale Themen einhergeht. Aber prinzipiell sind viele Familienunternehmen sehr begeisterungsfähig, schnell und flexibel in der Umsetzung. Wichtig sind daher konkrete Use Cases, um über Beispiele aus den jeweiligen Branchen in den Unternehmen eigene Ideen anzustoßen. Wenn es konkret wird, dann greifen die Leute zu. Man muss IoT für den Mittelstand anfassbar machen. Es braucht also mehr Bodenständigkeit in der Diskussion um das Internet of Things.