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Interview mit Raycap: Das Skelett des Netzwerkkörpers

Wenn es um Mobilfunk geht, erwarten die meisten Menschen eine gute Netzabdeckung und kompetenten Service – haben also meist die aktive Funktechnologie im Sinn. Auf der anderen Seite soll die Netzwerkinfrastruktur aber möglichst unauffällig sein. Hier kommt die passive IT-Infrastruktur ins Spiel.

Mobilfunkantennen Bildquelle: © Eletkronik

funkschau: Herr Lange, was ist unter passiver Telekommunikationsinfrastruktur genau zu verstehen?

Volker Lange: Der Telekommunikationsmarkt ist bei der Wertschöpfung strukturell in drei Stufen gegliedert: die passive Infrastruktur, der aktive Netzbetrieb und die eigentlichen Dienste oder Services. Angebot und Zugang zu Breitband-Services fallen in die Stufe drei, die damit verbundenen Leistungen bilden das sogenannte Triple Play aus Internet, TV und Telefonie. Unter den aktiven Netzbetrieb fallen Komponenten, die mit eigener Stromversorgung die eigentliche Datenübermittlung vornehmen; denken Sie zum Beispiel an Switches und Router, aber auch Satelliten. Unter passiver Infrastruktur versteht man in der Regel die Basiskomponenten wie Leerrohre, Kabel, Gehäuse etc. bis hin zu Gebäuden.

Volker Lange von Raycap Bildquelle: © Raycap

Volker Lange ist als Vice President EMEA bei Raycap verantwortlich für den Unternehmensbereich Telekommunikation.

funkschau: Welche Bedeutung kommt der passiven Telekommunikationsinfrastruktur generell bei der Planung und Realisierung von Netzwerken zu?

Lange: Sie stellt bildlich gesprochen das Skelett des Netzwerkkörpers dar. Auf den ersten Blick mag dieses unscheinbar sein, aber wie auch beim menschlichen Knochenbau ist bei näherer Betrachtung viel Know-how notwendig, um wirklich gute Produkte und Lösungen zu etablieren. Wie diffizil so ein Kniegelenk ist, merkt man, wenn es nicht mehr funktioniert. Wir bei Raycap haben uns bei der passiven Infrastruktur unter anderem auf Gehäuse oder auch Verteilerschränke spezialisiert, die zur Aufnahme passiver oder aktiver Komponenten geeignet sind. Auch hier ist es nicht so, dass man einfach ein Stück Blech nimmt und dieses zu einem Gehäuse montiert – ja selbst die Materialwahl ist schon entscheidend: Abgesehen von der Tatsache, dass ein Metallgehäuse wiederverwertbar und umweltfreundlicher ist, sehen wir Kunststoff nicht als Lösung und ziehen Metall als favorisierten Werkstoff vor. Metallgehäuse haben eine hohe Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse und Vandalismus in Verbindung mit sehr guten Entwärmungs- und Kondensationseigenschaften, was für den Einsatz in sicherheitsrelevanten Bereichen, wie zum Beispiel Anbindung von 5G Antennenstandorten, sehr wichtig ist. Besonders in Innenstädten ist der Einsatz von Metallgehäusen zu favorisieren, da Kunststoffgehäuse schlechter zu reinigen sind und mit der Zeit durch Schmutz und Regen zu einem unansehnlichen Objekt in einer modernen Cityumgebung werden. Ein gutdurchdachtes, funktionelles Design ist sowohl für die Klimatisierung der Aktivtechnik wichtig als auch für einen weiteren, zukünftigen Netzausbau. Dies zeigen unsere neuen Verteilergehäuse für die FTTH und VDSL-Technik – schnelle Anpassungen bei Netzerweiterungen und unterbrechungsfreier Serviceeinsatz garantieren den Carriern eine hohe Netzverfügbarkeit.

funkschau: Raycap ist als internationaler Lösungsanbieter und Hersteller in Europa und Nordamerika vertreten. Was sind speziell die Herausforderungen eines Lösungsanbieters für passive Telekommunikationsinfrastruktur am deutschen Markt – vor allem im Vergleich zum US-amerikanischen?

Lange: Diese Frage ist leider nicht einfach zu beantworten. So spielen zum Beispiel klimatische Bedingungen eine Rolle, aber durch die schiere Größe der Vereinigten Staaten gibt es dort ja auch recht unterschiedliche Klimazonen. In Las Vegas ist das Wetter schon anders als in Minneapolis. Die Zahl der Standorte und damit die Stückzahlen sind ebenfalls ein entscheidender Faktor, wobei wir in vielen Fällen genau maßgeschneiderte Lösungen, selbst bei kleineren Losgrößen, liefern können. Was erwähnenswert ist: Bisweilen wird manchen Ländern, etwa den USA oder Japan oder auch Südkorea, ein gewisser Vorsprung in Telekommunikation unterstellt, wie etwa auch im Bereich 5G. Das ist aber eigentlich gar nicht so gravierend, zumal die Standards ja noch gar nicht endgültig verabschiedet sind. Die Dynamik ist also nicht wesentlich anders. Natürlich gibt es auch unterschiedliche technologische Anforderungen, aber das ist weniger regional- sondern eher anwenderspezifisch zu sehen.

funkschau: Ob 5G, Smart City oder WiFi 6 – den Breitbandmarkt treiben derzeit viele spannende Entwicklungen, die unter anderem auf der Anga Com Anfang Juni aufgegriffen werden. Was sind Ihrer Meinung nach derzeit die stärksten Treiber des Marktes im Allgemeinen – und im Speziellen mit Blick auf das Feld der passiven Telekommunikationsinfrastruktur?

Lange: Der vermehrte Bedarf an breitbandigen Angeboten im Zuge immer neuer digitaler Geschäftsmodelle ist natürlich ein entscheidender Faktor. Es gilt allerdings auch zu bedenken, dass viele dieser besagten Geschäftsmodelle noch nicht ertragreich oder überhaupt am Markt verfügbar sind. Das ist ein ganz normaler Vorgang, mit dem Siegeszug des Internet gab es auch viel Euphorie und danach an der ein oder anderen Stelle ein böses Erwachen. Nicht jedes neue Unternehmen, nicht jede Idee wird überleben. Viel ist noch nicht etabliert. Aber egal, was sich durchsetzen wird: Die Nachfrage nach Bandbreite wird zunehmen. Dafür wird ein leistungsstarkes Angebot an Services erforderlich sein.