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Mobilfunk: 5G: Neuer Schwung für das IoT?

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Eine neue Dimension der Zuverlässigkeit

Hohe Verfügbarkeit und geringe Latenzzeiten sind die Hauptmerkmale von Ultra Reliable and Low Latency Communications (uRLLC). Dieser auch als Critical MTC bezeichnete Anwendungsbereich umfasst kritische Anwendungen in Echtzeit. Typische Anwendungsbeispiele sind die visuelle Fernsteuerung von Robotern am Bau oder in der Telemedizin, ferngelenkte Fahr- und Flugzeuge, das Monitoring von Vitaldaten oder Smart Manufacturing. Die technische Basis dafür liefern die Kapazitätsfrequenzen im 3,6-GHz-Band, die aktuell durch die Bundesnetzagentur versteigert werden. Sie ermöglichen Latenzzeiten von weniger als einer Millisekunde. Gleichzeitig steht uRLLC für eine Verfügbarkeit von 99,9999 Prozent und unterbrechungsfreie Verbindungen in Hochgeschwindigkeitsfahrzeugen.

Durch das sogenannte Network Slicing wird die verfügbare Netzkapazität virtuell segmentiert. Damit lassen sich Datenraten und Quality of Services flexibel an die konkreten Bedürfnisse anpassen und durch die logische Trennung auch unterschiedliche Sicherheitsbereiche einrichten, etwa für die Kommunikation von Fahrzeugen untereinander und mit ihrer Umgebung (Vehicle to X, V2X). Es ermöglicht darüber hinaus, regional oder auch lokal eigenständige private 5G-Netze für Kunden aufzubauen. Gleichzeitig sinken die Betriebskosten der Netze, weil der Energiebedarf flexibel steuerbar ist.

Industrie im Fokus
Die Anwendungsszenarien zeigen: 5G hat das Potenzial, eine wichtige Rolle im Ökosystem IoT zu spielen. Doch allein durch den Aufbau von 5G-Netzen wird noch kein Fahrzeug autonom fahren und keine Milchkanne ihren Füllstand melden. Die 5G-Netzinfrastruktur ist bei allen IoT-Szenarien nur ein Teil der Lösung. Sie ist die Basis, auf der spezialisierte M2M-Serviceprovider ihre Plattformen für Smart Metering, Smart Health oder Smart Parking bereitstellen können. Telkos fokussieren sich aktuell noch zu stark auf den Consumer-Bereich. Die Chance auf signifikantes Wachstum mit 5G haben sie vor allem im Industriesegment. Das Umfeld ist allerdings technisch komplexer und die Anforderungen an die Kommunikationslösungen liegen deutlich höher.

IoT-Business entsteht durch Co-Creation
Um sich ihren Anteil an der Wertschöpfung im IoT zu sichern, kommt es für alle Beteiligten darauf an, frühzeitig zu überlegen, welche Aufgaben sie in einem IoT-Szenario übernehmen können. Dabei ist klar: Vernetzte Geschäftsmodelle sind nur gemeinsam mit anderen erfolgreich zu gestalten. Co-Creation ist gefragt. Welche Partner mit welchen Ressourcen können uns helfen, IoT-Prozesse erfolgreich umzusetzen? Wo finden wir diese Partner? Wie können wir die Zusammenarbeit so gestalten, dass ein verteilter Benefit für alle Beteiligten entsteht? Wer diese Fragen jetzt angeht, kann vom IoT auch schon vor Einführung von 5G-Technologie profitieren. Jetzt heißt es: Neue Formen der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Playern im Wertschöpfungsprozess finden.

Ragnar Wachter, SVP, Head of Telecommunication, Transport & Services, NTT Data