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Start-up-Porträt: Angetriggert

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Perfektionismus ablegen

Auf die Frage, was sie eventuell anders machen würden, würden sie heute nochmal ein Start-up gründen, kommt Wolf auf das Thema Perfektionismus zu sprechen: „Wir haben jahrelang für große Unternehmen wie Deutsche Post und Energiebörsen Software entwickelt. Das heißt, Qualität war für uns immer das oberste Ziel. Heutzutage, wenn man ein Produkt auf den Markt bringen will, spielt aber die Qualität gar nicht mehr eine so große Rolle – sondern die Geschwindigkeit. Ich glaube, im Nachhinein wäre es besser gewesen, das eine oder andere Feature nicht ganz so penibel durchzudenken.“ Auf der anderen Seite gereicht Wingu genau dieser Perfektionismus nun zum Vorteil, denn die Plattform ist von Anfang an offen und unbegrenzt gedacht, sodass beispielsweise auch Großkunden von der Skalierbarkeit profitieren können.

Wolf rät potenziellen Start-up-Gründern: „Man muss den Perfektionismus ein Stück weit aufgeben. Als Unternehmer hat man eine Vision, wie das Produkt auszusehen hat – der Kunde allerdings noch gar keine.“ Manchmal reiche es, den Kunden nur die Hälfte des Weges voranzubringen, damit er eine Ahnung davon bekommt, was er von der Lösung hat. Dann sei für den Kunden schon unfassbar viel dazugewonnen. „Ansonsten hat uns die Agilität immer gut getan“, so Wolf. „Zu sagen, wir haben etwa falsch gemacht und drehen jetzt alles auf links, hilft ungemein in der Entwicklung. Man muss auch lernen, bestimmte Dinge loszulassen.“

So funktioniert der Werkzeugkasten für jedermann
Wie unterschiedlich die Plattform von Wingu angewandt werden kann, zeigen drei Beispiele aus dem eigenen Portfolio. Bei der Salzburg AG geht es ums Marketing, dabei werden Kunden in den Läden auf Produkte hingewiesen. Bei den Robinson-Hotels der TUI steht die Informationsübermittlung im Vordergrund, zum Beispiel, wann welche Einrichtungen wofür zur Verfügung stehen. Vattenfall schließlich nutzt die Technologie für die Mitarbeiterkommunikation und optimiert mit ihr Arbeitsabläufe. Diese Use Cases verdeutlichen auch, dass sich die Lösung von Wingu nicht auf eine Branche eingrenzen lässt: „Wir schaffen nicht eine Lösung für eine Branche, sondern wir schaffen einen Werkzeugkasten, den jeder nutzen kann“, bringt es CEO Michael Wolf auf den Punkt. Wingu setzt dabei auf einen Mix aus Triggern, sogenannten Auslösern, der Kunden zur Verfügung gestellt wird – ein Alleinstellungsmerkmal des Anbieters. Die Software funktioniert mit bestehenden Apps oder man baut sich mit dem Software Development Kit (SDK) seine eigene App. „Was wir außerdem anbieten, ist ein sogenanntes White Label für die Kunden, die eigentlich nur einen kleinen Case haben“, ergänzt Wolf. „Unser Kernprodukt ist aber die Plattform.“ Für wen die Lösung in Frage kommt, dem steht ein Starterpaket mit drei Beacons für iBeacon und Eddystone (voreingestellt auf 25 Meter Reichweite) zur Verfügung, deren Kauf jeoch nicht verpflichtend ist. Kunden können auch ihre eigenen Beacons verwenden oder andere Trigger. Kosten: 49,90 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer inklusive Rabattcode für das erste potenzielle Wingu-Abo.

Was die Konzeption von Anwendungsszenarien angeht, gibt Wingu Unternehmen Hilfestellung: So kann man das Start-up zum Beispiel für einen Workshop buchen, um Use Cases besser zu definieren und um Vor- und Nachteile der Technologie zu erörtern. In die Content Creation ist das Unternehmen jedoch nicht involviert. Hier kämen eher Digitalagenturen und Beratungsfirmen zum Zuge. „Bisher haben wir uns darauf konzentriert Content auszuspielen“, ergänzt Wolf. „Nun legen wir den Fokus zusätzlich darauf, abhängig vom Standort, Input auch wieder entgegenzunehmen – zum Beispiel bei einer Formularerstellung oder dergleichen.“ Hinzu kommt, dass Wingu sich derzeit gezielt in Drittsysteme integriere wie Wordpress oder Magento Shops, um die Lösung noch besser in bestehende Infrastrukturen einbinden zu können.