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Gastkommentar: Der Beginn der Post-App-Ära

In kurzer Zeit hat das Smartphone einen Punkt erreicht, an dem viele Verbraucher denken, dass es sich nicht noch weiter verbessern kann. Das setzt die Hersteller unter Druck, permanent neue Innovationen in die Geräte zu bringen. Was hält also die Zukunft des Smartphones für den Verbraucher bereit?

Mann nutzt Spracherkennungssoftware Siri auf seinem Smartphone Bildquelle: © dpa

Künftige KI-Fähigkeiten, einschließlich natürlicher Sprachverarbeitung, werden Smartphones die Möglichkeit geben, Probleme für Nutzer zu lösen indem sie lernen und planen.

Gartner prognostiziert, dass bis 2022 80 Prozent der ausgelieferten Smartphones über Künstliche Intelligenz als On-Device-Fähigkeit verfügen werden, gegenüber 10 Prozent im Jahr 2017. KI-Anwendungsfälle befinden sich auf den heutigen Smartphones zwar noch in einem  frühen Stadium, das heißt, dass die häufigsten Anwendungsfälle singuläre KI-Fähigkeiten haben. In drei bis fünf Jahren erwarten wir dann, dass eine größere von Anwendungsfällen auf einer Kombination von zwei-drei verschiedenen KI-Technologien basieren. Künftige KI-Fähigkeiten, einschließlich natürlicher Sprachverarbeitung werden Smartphones die Möglichkeit geben, Probleme für Nutzer zu lösen indem sie lernen und planen. Dabei geht es nicht nur darum, das Smartphone intelligenter zu machen, die Hersteller wollen auch die kognitive Belastung der Nutzer reduzieren.

Künstliche Intelligenz
Es besteht kein Zweifel, dass Investitionen in KI Smartphone-Herstellern helfen werden, ihre Produkte und Dienstleistungen zu differenzieren. Für den Benutzer bedeutet das, dass sich die Art und Weise, wie wir mit unseren persönlichsten Geräten (Smartphones und Wearables) umgehen, in den nächsten Jahren ändern wird: Die Interaktionen werden zunehmend intuitiver und auch effizienter. Virtual Personal Assistants werden leistungsfähiger und sich in intelligente Systeme verwandeln, die schließlich im Namen des Benutzers handeln.

VPAs verändern die Art und Weise, wie Nutzer mit elektronischen Geräten interagieren. Sie sind inzwischen auf fast allen modernen Plattformen verfügbar, darunter iOS-, Windows- und Android-Geräte sowie Tablets, PCs, Wearables und Smart-Home-Lautsprecher. Wir prognostizieren, dass bis 2020 40 Prozent der mobilen Interaktionen durch intelligente Agenten erleichtert werden – ein klares Zeichen für die Post-App-Ära. Bereits heute nutzen 74 Prozent der Smartphone-Nutzer VPAs häufig, darunter 39 Prozent mindestens einmal pro Tag und 36 Prozent mehrmals pro Woche.

Anette Zimmermann, Gartner Bildquelle: © Gartner

Annette Zimmermann, Research Vice President, Gartner: "Der Smartphone-Markt ist mit zunehmender Reife und Kommerzialisierung komplexer und dynamischer geworden."

Die Verbreitung von VPAs und anderen KI-basierten Technologien für Konversationssysteme treibt auch die Entwicklung künstlicher emotionaler Intelligenz erheblich voran. Nicht alle, aber viele dieser Systeme basieren dabei auf Machine Learning (ML). In Zukunft werden immer mehr intelligente Geräte in der Lage sein, menschliche Emotionen und Stimmungen mit Hilfe von Kameras und Stimmaufnahmen zu erfassen und darauf entsprechend reagieren.

Security
Künftig werden auch neue Sicherheitstechnologien ML, Biometrie und Analysen des Benutzerverhaltens kombinieren. Das macht sie benutzerfreundlicher, vereinfacht die Bedienung und ermöglicht eine reibungslose Authentifizierung. Denn passwortbasierte, einfache Authentifizierung wird zu komplex, da Nutzer dazu angehalten werden, sich komplexe Passwörter auszudenken und diese auch noch regelmäßig zu ändern. Dies führt  zu schwacher Sicherheit, negativer User Experience und hohen Betriebskosten. Sicherheitstechnologie kombiniert mit ML, Biometrie und Nutzerverhalten wird in Zukunft die Benutzerfreundlichkeit und Selbstbedienung deutlich verbessern. Zum Beispiel können die Sensoren in Smartphones das Verhalten eines Benutzers erfassen und lernen, welche Charakteristiken er beim Gehen oder auch beim Tippen und Wischen auf dem Bildschirm aufweist, ohne dass Passwörter oder aktive Authentifizierungen erforderlich sind. Aktuell erforschen die Hersteller dafür neue Methoden der biometrischen Authentifizierung. Innerhalb der nächsten fünf Jahre werden Big Data und passive biometrische Modi kombiniert werden und den Zugang zum Smartphone ermöglichen, ohne dass eine aktive Authentifizierung durch den Benutzer erforderlich ist. So können Nutzer plattformübergreifend auf Dienste wie Mobile Payment und Online-Shopping zugreifen, die Authentifizierung läuft als "versteckter" Hintergrundprozess. Die neue Sicherheitstechnologie kann den Benutzer identifizieren, Betrug verhindern und, was noch wichtiger ist, Bedrohungen wie Malware, Trojaner und bösartige Bots erkennen.

Diese Entwicklung ergibt Sinn, denn ein Alltag ohne Smartphone ist kaum mehr vorstellbar: Wir verbringen immer mehr Zeit mit unseren persönlichen Geräten – und das sowohl am Arbeitsplatz als auch zu Hause. Eine unserer Umfragen ergab, dass der durchschnittliche Millennial rund 86 Mal pro Tag mit seinem Mobiltelefon interagiert: Tendenz steigend.