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Versteigerung der 5G-Frequenzen: Vodafone will Nachbesserungen bei Frequenzvergabe

In wenigen Tagen sollen die Rahmenbedingungen für die Versteigerung der 5G-Frequenzen in Deutschland festgezurrt werden - und die interessierten Seiten bringen sich lautstark in Stellung. Aus der Wirtschaft kommt unterdessen der Ruf nach guter Infrastruktur.

Vodafone Mobilfunkmast Bildquelle: © Vodafone

Vodafone baut Narrowband IoT aus.

Vodafone fordert Nachbesserungen bei den Bedingungen für die Versteigerung der Frequenzen des künftigen 5G-Datenfunks und will mehr Investitionssicherheit. “Das Papier braucht eine Reparatur”, sagte Vodafone-Deutschlandchef Hannes Ametsreiter der Deutschen Presse-Agentur. “Einige Formulierungen, die man heute findet, erschrecken uns.” Dabei geht es unter anderem um den Teil des Frequenzspektrums, der für regionale Nutzung vorbehalten bleiben soll, statt an Netzbetreiber zu gehen. Die Bedingungen dafür seien nicht ausreichend ausformuliert.

“Wenn das regionale Spektrum eine Hintertür wird für einen vierten Netzbetreiber, der kaum investieren muss, dann wäre das eine Fehlentwicklung, weil es die Investitionen der anderen komplett entwertet”, sagte Ametsreiter. Ohne entsprechende Einschränkungen könne man sich eine Situation vorstellen, in der zum Beispiel Finanzinvestoren sich lokales Spektrum günstig sichern und dann mehrere Regionen zusammenschalten.

Unterdessen bekräftigten mehr als zwei Dutzend Führungskräfte aus der deutschen Industrie, dass Deutschland dringend eine bessere Infrastruktur brauche, um den Anschluss nicht zu verlieren. “Eine rasche und möglichst flächendeckende Bereitstellung von 5G als schnelles, breitbandiges und zuverlässiges mobiles Datennetzwerk ist für die Zukunft in der Automobilindustrie ein Faktor von zentraler Bedeutung”, erklärte etwa Helmut Matschi vom Autozulieferer Continental im “Handelsblatt”. Commerzbank-Vorstand Martin Zielke warnte: “Andere Länder gehen entschlossen voran, Deutschland droht zurückzufallen.”

Die Netzbetreiber wiesen bisher die Forderung nach einer raschen flächendeckenden 5G-Versorgung als wirtschaftlich unrentabel und nicht notwendig zurück.

Ametsreiter sagte, Vodafone sei bereit, über Auflagen zu diskutieren. “Sie müssen sinnvoll und physikalisch machbar sein”, schränkte er ein. “Aber eines ist auch klar: Auflagen sind nur dann zu akzeptieren, wenn man Investitionssicherheit hat. Wenn man die nicht hat, dann kann man nicht auch noch eine erhöhte Auflage akzeptieren.” Zugleich warnte der Vodafone-Manager vor zu hohen Preisvorstellungen bei der Auktion: “Geld kann man nur einmal ausgeben. Das steckt man entweder in Lizenzkosten oder in den Ausbau.”

Bevor die Bundesnetzagentur voraussichtlich am 24. September die Weichen für die Vergabe der 5G-Lizenzen stellt, melden sich die Markt-Akteure aktuell auf der Zielgeraden verstärkt zu Wort. So fordert der Chef des Online-Konzerns United Internet, Ralph Dommermuth, dass die Konditionen freundlicher für Neueinsteiger gestaltet werden sollten. Dazu könne ein sogenanntes nationales Roaming gehören, bei dem ein Anbieter in Regionen, wo er selbst schwach aufgestellt ist, auf das Netz eines Konkurrenten zugreifen kann.

Diese Idee lehnen die heutigen Netzbetreiber unter Hinweis auf ihre Milliardeninvestitionen ab. “Wenn zugelassen wird, dass es verpflichtendes nationales Roaming gibt - was jetzt ja ausgeschlossen ist -, oder regionale Spektrumsnutzung ein Investment untergraben kann, und ein quasi nationaler Spieler mit minimalen Investitionen entstehen kann, dann ist eine rote Linie überschritten”, sagte Ametsreiter. Der Vodafone-Deutschlandchef machte zugleich keine Angaben dazu, unter welchen Umständen der britische Konzern auf eine Teilnahme an der Auktion verzichten könnte. 

Die Bundesnetzagentur sieht in den bisher bekanntgewordenen Eckpunkten weder ein nationales Roaming vor, noch eine Verpflichtung für die Netzbetreiber, Mobilfunk-Anbietern ohne eigenes Netz Zugang zu ihrer Infrastruktur zu gewähren. Auch diese Idee stößt bei Ametsreiter auf Ablehnung. “Wenn man von vornherein eine Verpflichtung hat, dann ist das investitionsfeindlich. Ich verlasse mich da lieber auf echte Marktwirtschaft und Marktdynamik, als gezwungen zu werden.”