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Smartphones: Nutzen statt besitzen

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

Viel Schatten, ein bisschen Licht

Nachhaltigkeit ist bei Smartphones und Co. eine Ausnahme. Jedoch lassen sich laut DUH in der ITK-Branche auch positiv zu beurteilende Ansätze und Geschäftsmodelle feststellen. So setzen einige Smartphone-Hersteller bereits bewusst auf ein modulares Design, um eine bessere Austauschbarkeit von verschlissenen oder kaputten Geräteteilen zu ermöglichen. Während bei Festnetztelefonen der Akku in der Regel problemlos ausgetauscht werden kann, ist dies bei Smartphones noch nicht weit verbreitet: So lässt sich dieser bei jeweils sechs von 20 Smartphone-Modellen bei Samsung, 25 Modellen bei Lenovo und 50 Modellen bei Huawei, die zwischen April 2015 und März 2017 auf den deutschen Markt gebracht wurden, bei zwölf Modellen von Doro sowie den Geräten von Fairphone und Shift durch den Nutzer wechseln. Im Bereich Reparatur hebt die Studie Unternehmen wie Asus, Unify und Zyxel – im Smartphone-Umfeld Fairphone, Samsung und Shift – hervor, die Ersatzteile für Reparaturbetriebe und die Nutzer bereitstellen. Erwähnt sei jedoch noch, dass gerade mit wasserabweisenden Geräten häufig ein erhöhter Reparaturaufwand einhergeht. Darüber hinaus werden Unternehmen gelobt, die auch gebrauchte Geräte verkaufen. Demnach bieten in Deutschland bereits Congstar (Telekom), Fairphone und Shift gebrauchte Mobiltelefone direkt an. In den USA sind das Apple und Samsung.

Auch das Update-Management hat erheblichen Einfluss auf die Nutzungsdauer eines Gerätes: Beispielsweise haben 30 Prozent der Verbraucher schon einmal elektronische Geräte wegen Software-Problemen ersetzt. Für die Langlebigkeit der Geräte ist es daher wesentlich, dass App- und Geräte-Hersteller Software-Updates für die erwartete Lebensdauer der Geräte zur Verfügung stellen. Apple bietet das aktuelle Betriebssystem iOS 11 kostenlos für alle iPhone-Modelle ab dem iPhone 5s an. Fairphone und Samsung bieten Updates in der Regel für zwei Jahre nach Produktionsende an, während andere Mobiltelefonhersteller zur Update-Verfügbarkeit keine Aussagen treffen.

Auch bei untersuchten Umweltaspekten wie „Zubehör“, „Umwelt-datenblätter“ oder „Umweltzeichen“ konnten besonders vielversprechende Ansätze festgestellt werden. Insbesondere einige Nischenanbieter, aber auch große Unternehmen, integrieren Umweltaspekte bereits in ihr Marketing. Die DUH konstatiert allerdings auch, dass bisher nur in wenigen Fällen mit Umweltvorteilen geworben wird oder Verbraucher zu einem umweltfreundlichen Handeln angeregt werden. Durch Stärkung von Nachhaltigkeitsaspekten im Marketing könnten, so die DUH-Empfehlung, ökonomische und ökologische Vorteile gemeinsam realisiert werden, indem sich zum Beispiel durch ein langlebiges Design das Markenimage verbessert. Wesentlich für die Glaubwürdigkeit sei jedoch eine auf Fakten und tatsächlichen Umweltvorteilen beruhende Kommunikation, wie sie beispielsweise durch die Anwendung seriöser Umweltzeichen erreicht werden könne. In Deutschland ist der „Blaue Engel“ eines der bekanntesten seriösen Umweltzeichen, welches beispielsweise an das Fairphone vergeben wurde.

Was getan werden kann
Die Liste der Forderungen ist lang. Um einen Kaufanreiz zu schaffen, sollte die Politik beispielsweise umweltfreundliche und gebrauchte Produkte niedriger besteuern lassen. Unternehmen fordert die DUH dazu auf, einen Reparaturservice sowie kostenfreie Reparaturanleitungen und Explosionszeichnungen sowie Software-Updates für die erwartete Gerätelebensdauer, zumindest jedoch für sieben Jahre, zur Verfügung zu stellen. Und auch die Anbieter von Handyverträgen sollen aus Werbezwecken oder im Sinne der Kundenbindung nicht permanent mit neuen Geräten locken. Für den Endverbraucher gilt es grundsätzlich, das eigene Konsumverhalten in Frage zu stellen: „Muss ich jedem Hype hinterherjagen und immer das neueste Modell in den Händen halten?“. Mit dem Ausdruck „Nutzen statt Besitzen“ lässt sich dieser Ansatz, der eine Umwandlung unserer Wirtschaftsweise von einer Verbrauchs- zu einer Gebrauchsgesellschaft vorantreibt, am besten beschreiben. Die DUH empfiehlt zudem, beim Gerätekauf auf seriöse Siegel wie „Blauer Engel“ zu achten. Auch sollte man defekte Geräte reparieren und beim Kauf gebrauchte Modelle vorziehen. Und: Alte Smartphones auf keinen Fall im Hausmüll entsorgen, denn dann sind sie für Weiterverwertung und Recycling verloren.