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Smartphones: Nutzen statt besitzen

Kurzlebige Geräte, unnötig schnelle Produktzyklen, Umweltschäden, schlechte Arbeitsbedingungen – wenn es um die Produktion von Smartphones geht, ist die Kritik groß. Ein verantwortungsvolleres Bewusstsein ist gefordert. Eine Studie der DUH widmet sich dem Thema Nachhaltigkeit eingehender.

Smartphone Mobilfunk Bildquelle: © fotolia / Africa Studio

Endgeräte werden in immer kürzeren Produktzyklen auf den Markt gebracht. Der Drang für den Verbraucher, stets das neueste Modell zu besitzen, wird immer stärker – und durch Mobilfunkanbieter und -hersteller gefördert. Eine Reparatur ist meist teurer als der Kauf eines neuen Produkts und häufig stehen keine Ersatzteile oder Updates mehr zur Verfügung. So werden Smartphones im Schnitt nur noch zwei bis drei Jahre genutzt, bevor sie durch neuere ersetzt werden. Etwa 24 Millionen Smartphones kaufen die Deutschen in diesem Zusammenhang laut DUH jährlich. Hierfür werden jedes Jahr etwa 720 kg Gold, 264 kg Palladium, 7.320 kg Silber, 396 Tonnen Kupfer und 1.531 Tonnen Kunststoffe verbraucht. Die Folge: Der Ressourcenverbrauch steigt, der Berg an Elektroschrott wird größer. So sind nach Einschätzung der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) im Jahr 2016 weltweit 44,7 Millionen Tonnen angefallen, bis 2021 werden es 52,2 Millionen Tonnen sein. Damit verbunden sind wachsende Umwelt- und Gesundheitsrisiken wegen der oft fahrlässigen und falschen Deponierung. Nur 20 Prozent des Abfalls aus ausrangierten Handys, Laptops, Fernsehern und Kühlschränken würden aktuell wiederverwertet. Dabei seien die Bestandteile der Elektronikgeräte äußerst wertvoll. Der Wert von Gold, Silber, Kupfer, Platin und Palladium aus den Geräten summiert sich laut ITU schätzungsweise auf 55 Milliarden Dollar (46,8 Milliarden Euro), was mehr als dem Bruttoinlandsprodukt der meisten Staaten der Welt entspricht.

Immerhin gäbe es Fortschritte bei der Gesetzgebung in Sachen Elektroschrott: 67 Staaten hätten nun Vorschriften zum Umgang mit dieser Art Müll. Das sei ein Plus von 44 Prozent gegenüber 2014. Allerdings beurteilt die Deutsche Umwelthilfe (DUH) die Situation in Deutschland kritisch. Die EU-Vorgabe einer Sammelquote von 45 Prozent für 2016 werde wohl mit 40 Prozent verfehlt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die EU-Vorgabe von 65 Prozent für das Jahr 2019 eingehalten wird, ist äußerst gering. Es droht ein Vertragsverletzungsverfahren der EU, das von der Umwelthilfe auch selbst angestrengt werde. Diese Entwicklungen hat die DUH zum Anlass für ihre aktuelle Studie „Nachhaltigkeit von Geschäftsmodellen in der Informations- und Kommunikationstechnik – Analyse und Empfehlungen am Beispiel von Smartphone, Telefon und Router“ genommen. Zielsetzung: Produktlebenszyklen wieder verlängern und damit den Ressourcenverbrauch und schädliche Umwelteffekte reduzieren. Dafür braucht es allerdings laut DUH neben der Entwicklung langlebiger und nachhaltiger Geräte auch eine strategische Umwandlung der Unternehmen hin zu ökologischen Geschäftsmodellen. Um die strategische Neuausrichtung der ITK-Branche konstruktiv zu unterstützen, hat die Deutsche Umwelthilfe die Marketingstrategien, das Produkt- und Vertragsangebot, den Support sowie Entsorgungslösungen von Geräteherstellern und Vertragsanbietern im Bereich der Telefon- und Internetnutzung untersucht, wobei dieser Beitrag nur einen Bruchteil der Ergebnisse mit Blick auf den Smartphone-Markt wiedergibt.