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Produktpiraterie: Milliarden-Verluste durch Verkauf gefälschter Smartphones

Einer aktuellen Untersuchung zufolge wurden 2015 in der EU 14 Millionen gefälschte Smartphones verkauft. Der Branche soll dadurch ein Schaden von 4,2 Milliarden Euro entstanden sein.

Geldverlust Bildquelle: © Сергей Тряпицын - 123RF

Von Produktpiraten verkaufte Smartphone-Fälschungen verursachen jährlich einen Schaden von mehreren Milliarden Euro. Das geht aus einer Analyse des Amtes der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) und der Internationalen Fernmeldeunion (ITU) hervor. Diese hatten die offiziellen Smartphone-Verkaufszahlen für das Jahr 2015 unter anderem mit der Entwicklung der Anzahl von SIM-Karten und länderspezifischen Erfahrungswerten, wie viele Nutzer ihre Karten nach einem Gerätewechsel weiternutzen, abgeglichen. Das Ergebnis: Weltweit wurden im vorvergangenen Jahr 184 Millionen Fälschungen verkauft. Dadurch sollen der Branche 12,9 Prozent ihrer Umsätze verloren gegangen sein – das entspricht 45,3 Milliarden Euro.

Die größten Umsatzverluste gab es der Studie zufolge in China zu verzeichnen, wo der Branche mehr als 16,3 Milliarden Euro entgingen – ein Drittel der weltweiten Einbußen. Auf die EU entfielen 4,2 Milliarden Euro. Hier wurden 2015 nach den Schätzungen von EUIPO und ITU etwa 14 Millionen Fälschungen verkauft – knapp 10 Prozent der offiziell 150 Millionen abgesetzten Geräte. Deutschland lag mit Einnahmeverlusten von 5,7 Prozent deutlich unter dem EU-Schnitt von 8,3 Prozent. Da der deutsche Markt einer der größten in der Europäischen Union ist, kamen allerdings 564 Millionen Euro zusammen. Mehr waren es nur in Italien (885 Millionen) und Großbritannien (660 Millionen). Lediglich in den Niederlanden und den skandinavischen Ländern lag der prozentuale Schaden, den die Branche durch gefälschte Smartphones erlitt, niedriger als in Deutschland.

Die größten Einbußen innerhalb der EU gab es in Bulgarien und Rumänien mit 17,2 beziehungsweise 19,1 Prozent. Übertroffen wurden beide aber noch von Nicht-EU-Staaten wie Russland, Weißrussland und der Ukraine.

Fälschungen als Gesundheitsrisiko

Es sei der erste Bericht dieser Art, der die Auswirkungen von Produktpiraterie für eine Branche sowohl innerhalb als auch außerhalb der EU untersuche, betonte António Campinos, Exekutivdirektor des EUIPO. »Seine Schätzung, dass im Jahr 2015 12,9 Prozent der weltweiten legalen Umsatzerlöse von Smartphones verloren gingen, kann für politische Entscheidungsträger und alle, die an der weltweiten Bekämpfung von Fälschungen beteiligt sind, eine wichtige Botschaft sein.«

Brahima Sanou, Direktor der Abteilung Telekommunikationsentwicklung der ITU, ergänzte, Fälschungen würden nicht nur das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen, sondern auch die Gesundheit der Verbraucher. Zwar wurden für die Studie keine gefälschten Geräte untersucht, allerdings weisen die Autoren darauf hin, dass in der Billigproduktion oft minderwertige Komponenten mit giftigen Substanzen zum Einsatz kommen, die in vielen Ländern verboten sind. Auch auf andere nicht-wirtschaftliche Auswirkungen wird hingewiesen, etwa die Störung von Mobilfunkverbindungen oder die erhöhte Gefahr von IT-Sicherheitslecks.