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Over-the-top-Dienste: Wertschöpfungskiller OTT?

Fortsetzung des Artikels von Teil 3.

Expertenkommentar: Marktmacht OTT-Anbieter: Wenn du Deine Feinde nicht besiegen kannst, umarme sie!

Franz Schulze Sprakel, Geschäftsführer MPC Mobilservice Bildquelle: © MPC Mobilservice

Franz Schulze Sprakel, Geschäftsführer MPC Mobilservice

Franz Schulze Sprakel, Geschäftsführer MPC Mobilservice: "Over-the-top-Anbieter (OTT) fordern mit ihrer Marktmacht von Milliarden von Kunden weltweit die klassischen TK-Unternehmen heraus. Dank der steigenden Nachfrage nach Smartphones und dem Wunsch der User, so günstig und einfach wie möglich zu kommunizieren sowie Musik und Filme zu laden, ist der Trend zur Nutzung IP-basierter Sprach-, Video- und Musik-Dienste ungebrochen. Der Anbietermarkt für Netzleistungen ist mittlerweile zum reinen Verdrängungsmarkt geworden: Netzleistung an sich wird immer austauschbarer – die Infrastruktur zur „Commodity“. Festnetz- wie Mobilfunkbetreiber fragen sich, wie sie Kunden überhaupt noch binden können und befürchten, zum bloßen Infrastruktur-Lieferanten degradiert zu werden. Der Konflikt zwischen OTT-Anbietern und TK-Unternehmen wird sich dabei am Umgang mit zwei Themen entscheiden, die die wichtigste Rolle bei der tiefgreifendsten Umwälzung der TK-Branche seit Erfindung des Internets einnehmen: Bandbreite und Netzneutralität.

Mit der zunehmenden Nutzung von Sprach-, Messaging- und Streaming-Diensten und im Aufwind befindlichen Entwicklungen wie IP-TV und Car-Connectivity wird Bandbreite zum knappen Gut. Aktuellen Einschätzungen zufolge stellen Streamingdienste für bewegte Bilder (Youtube, Entertain, etc.) heute bereits die Hälfte des globalen Datenvolumens. Eine spannende Frage in diesem Zusammenhang lautet daher: Welcher Carrier vermag den wachsenden Datenhunger der Anwender zu stillen? Der weltweite Ausbau der Infrastruktur und die Investition in Hochgeschwindigkeitsnetze werden hier zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil – auch in Hinblick auf potenzielle OTT-Partner, die ihren Kunden eine schnelle und störungsfreie Übertragung bieten wollen.

In puncto Netzneutralität bleibt abzuwarten, wie sich die Pläne der EU-Kommission, die Gleichbehandlung von Daten aufzuheben oder auch das jüngste Urteil eines US-Gerichts auswirken, das dem Netzbetreiber Verizon das Recht zur Priorisierung von Internetinhalten einräumt. In Deutschland war das Thema hochgekocht, als die Telekom angekündigt hatte, das Übertragungstempo bei Überschreiten eines bestimmten Datenvolumens zu drosseln – der eigene Video-Dienst Spotify davon jedoch ausgenommen werden sollte.

Klar ist: Festnetz- und Mobilfunkanbieter möchten nicht nur investieren, sondern am Erfolg der OTT-Unternehmen teilhaben. Dass eine Blockierung von OTT-Services, Zusatzkosten oder Qualitätseinschränkungen keine Lösung sind, haben die meisten TK-Dienstleister eingesehen. Der  Versuch, eigene OTT-Services anzubieten, gestaltet sich schwierig – dies beweist nicht zuletzt die bisher wenig erfolgreiche Einführung des Messaging-Standards „Joyn“. Der einzige Ausweg scheint, über Kooperationen nachzudenken und dem als „Trittbrettfahrer“ empfundenen OTT-Player auf Augenhöhe zu begegnen – nach dem Motto: Wenn du deine Feinde nicht besiegen kannst, umarme sie! Wie diese „Umarmung“ konkret aussehen kann – Sponsoring,  Margen-Sharing oder Bezahlung von Geschwindigkeit – müssen die Beteiligten nun verhandeln."