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Mobilfunk-Messtechnik: GSM - Die Geburt eines Weltstandards

Fortsetzung des Artikels von Teil 2.

R&S von Anfang an dabei

Rohde & Schwarz hat das neue Mobilfunkzeitalter von Anfang an auf messtechnischer Seite mitgestaltet. Das Unternehmen bekam in der internationalen Ausschreibung den Zuschlag für die Entwicklung eines Signalsimulators. Mit diesem Gerät mussten alle Mobiltelefone ihre Standardkonformität nachweisen, um eine Zulassung für den Markt zu erhalten. Mit 16 Mitarbeitern startete die Entwicklung des Simulators. Diese Kerntruppe wurde in den Folgejahren um mehr als 100 Entwicklungsingenieure aufgestockt. Gemäß den Ausschreibungsbedingungen suchte sich Rohde & Schwarz zusätzlich Partner in Frankreich und England. Es begann eine heiße Phase in der Entwicklung. In monatlichen Treffen überprüften die Mitglieder des GSM-Gremiums den Stand der Entwicklungen und besserten nach Bedarf die Spezifikationen nach. Das Entwicklungslabor bei Rohde & Schwarz übertrug in der Zwischenzeit die Änderungen in ihre Geräte und führte erneut alle Tests durch. Besonders auf der Seite der Mobiltelefon-Hersteller herrschte große Nervosität. Nahezu alle Hersteller der Branche waren vertreten, darunter Nokia, Ericsson, Siemens, Bosch, Motorola, Orbitel, Alcatel, Sagem, Philips und AEG. Sie entwickelten unabhängig voneinander Prototypen. Jeder wollte zum Start der Netze mit eigenen Geräten auf dem Markt vertreten sein.

Ein Machtwort aus der Politik
Als Starttermin für das GSM-Netz war der 1. Juli 1991 vorgesehen. Schnell zeigte sich jedoch, dass der Termin nicht eingehalten werden konnte. Zu sehr hatte sich die Entwicklung der GSM-Spezifikationen verzögert. Schließlich gab es in der Umsetzungsphase drei bis fünf Modifikationen des GSM-Standards pro Woche. "Das hatte zum Teil dramatische Änderungen der Hardware des Simulators zur Folge", erinnert sich ein damaliges Mitglied der Geschäftsführung von Rohde & Schwarz: "Noch ein Mess-Sender, noch ein Empfänger, noch ein Filter musste integriert werden. Das heißt, der Simulator wurde und wurde nicht fertig."

1992 kam es in Bonn zur Aussprache unter der Leitung des Postministers Christian Schwarz-Schilling. Vertreter aller relevanten Hersteller sowie der Post waren anwesend, darunter der damalige Bereichsleiter Messtechnik von Rohde & Schwarz. Er stellte eine "Änderungskurve" sowie die Geschwindigkeit, mit der die Änderungen jeweils im Simulator umgesetzt worden waren, vor und forderte Schwarz-Schilling auf, keine weiteren Änderungen zuzulassen. Schwarz-Schilling akzeptierte trotz der Bedenken der Hersteller und fragte: "Wann können sie liefern, wenn wir heute einfrieren?" "In 14 Tagen", antworteten die Vertreter von Rohde & Schwarz. Die Änderungen wurden zum 1. April 1992 eingefroren. Die Münchner lieferten pünktlich nach 14 Tagen.