Industrial-IoT-Befragung in Deutschland

Wenige Vorreiter und viele Nachzügler beim IIoT

30. Mai 2022, 10:26 Uhr | Autorin: Anna Molder | Kommentar(e)
IIoT-Befragung
© IDC

Für das Industrial Internet of Things (IIoT) gibt es in Deutschland nur wenige Vorreiter und viele Nachzügler. Das zeigt eine aktuelle IDC-Befragung von 250 IT- und Fachverantwortlichen aus 250 deutschen Unternehmen, die unter anderem Cisco gesponsert hat.

Zehn Prozent der Industrieunternehmen führen umfassende IIoT-Projekte durch, weitere zehn Prozent in begrenztem Ausmaß. Die meisten Firmen sind derzeit noch mit Recherche (20 Prozent), Evaluierung (30 Prozent), Planung (20 Prozent) und Pilotprojekten (neun Prozent) beschäftigt. 

Die IIoT-Nutzung bleibt in der deutschen Industrie seit rund zwei Jahren auf niedrigem Niveau. Dadurch verpassen viele Unternehmen die Chance, besser auf Probleme in Liefer- und Wertschöpfungsketten reagieren zu können, so Cisco. Dabei wäre der Bedarf für die Industrie in Deutschland enorm: von steigenden Energie- und hohen Frachtkosten über gestörte Lieferketten bis hin zu einem Krieg mitten in Europa. Gerade in volatilen Zeiten sind verlässliche Informationen und flexible Unternehmensprozesse notwendig.

Trotzdem setzt sich das IIoT in Deutschland nur langsam durch. Das liegt zum Teil an der von Krisen geprägten wirtschaftlichen Lage der letzten Jahre. So sind betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie Gewinn und Kosten (40 Prozent), Produktivität (38 Prozent) und Kundenbindung (29 Prozent) für das Business in den Fokus gerückt. Die Gründe für die geringe IIoT-Adaption liegen jedoch weniger am mangelnden Willen oder Interesse, sondern viel mehr in den Herausforderungen bei der Umsetzung selbst. Skepsis, fehlendes Know-how und veraltete Techniken stehen dabei im Vordergrund. Diese Herausforderungen lassen sich aus Cisco-Sicht mit Hilfe der folgenden Empfehlungen überwinden:

Ganzheitliche Daten- und Analytics-Strategie entwickeln: Nur gut jedes zehnte deutsche Industrie-Unternehmen hat bereits eine ganzheitliche Daten- und Analytics-Strategie zur Integration sämtlicher IIoT-Projekte erstellt. Bei 58 Prozent sind die Daten- und Analyseziele auf eine kurzfristige Business-Strategie abgestimmt. Knapp ein Viertel konzentriert sich auf isolierte Projekte. Eine umfassende Strategie ist jedoch zentral für den Erfolg der digitalen Transformation in der Industrie.

IT/OT-Integration auf allen Ebenen forcieren: Das IIoT reicht vom Sensor am oder im industriellen Gerät bis in die zentralen Rechenzentren und Cloud-Umgebungen der IT. Daher müssen die IT- und OT-Teams zusammenarbeiten, um die Umsetzung von IIoT-Anwendungen in der geforderten Qualität sicherzustellen. Doch aktuell sind in 28 Prozent der deutschen Industrieunternehmen die Teams für IT und OT noch immer komplett getrennt. Immerhin soll dieser Anteil innerhalb von zwölf Monaten auf fünf Prozent sinken und der Anteil der Firmen mit enger Zusammenarbeit zwischen OT und IT von 17 auf 33 Prozent steigen.

Verantwortungen für Cybersecurity festlegen: Ein zentrales Thema bei der IT/OT-Integration ist die Cybersecurity. Die häufigste Sorge bildet hier für 28 Prozent der Befragten die mangelnde Kommunikation zwischen IT und OT über gemeinsame Gefahren. Entsprechend wird der Anteil der Unternehmen, bei denen IT und OT gemeinsam Verantwortung für die Cybersecurity tragen, von derzeit zwölf Prozent auf 29 Prozent in zwölf Monaten steigen. Richtig umgesetzt kann IIoT ein Gewinn für die OT-Sicherheit sein: Sie erhöht die Transparenz und entdeckt unbefugte Zugriffe.

Ziele definieren, Erfolge messen, Entscheidungsregeln etablieren: Von den Unternehmen, die mindestens IIoT-Pilotprojekte umsetzen, misst derzeit nur ein Drittel Erfolgsmetriken. Weitere 22 Prozent von ihnen evaluieren immerhin erste Kennzahlen und deren Eignung.

Synergien durch Kombination von IIoT und Nachhaltigkeit realisieren: Durch Nachhaltigkeit profitieren Unternehmen nicht nur von einem besseren Ruf und weniger Risiken, sondern auch von unmittelbaren Einsparungen.

Zuerst erschienen auf lanline.de.


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