funkschau Serie Digitalpioniere

„Virtuelle Zusammenarbeit funktioniert tatsächlich“

9. August 2021, 7:00 Uhr | Interview: Diana Künstler | Kommentar(e)
Rail Solutions, Hellmann, Logistik
© Hellmann

Diese und weitere wichtige Erkenntnisse der letzten Monate teilt Stefan Borggreve, CDO beim deutschen Transport- und Logistikunternehmen Hellmann.

Wie sieht Digitalisierung in Ihrem Unternehmen konkret aus?

Stefan Borggreve: Bei Hellmann Worldwide Logistics findet die Digitalisierung in allen Unternehmensbereichen statt: angefangen bei digitalen Arbeitsplätzen über digitale Kundenerfahrungen auf der ganzen Welt und die Weiterentwicklung unserer Prozesse in den 263 Niederlassungen bis hin zum Neudenken von digitalen Geschäftsmodellen. So haben wir bereits im Jahr 2019 ein firmenweites Programm gestartet, um die Digitale Transformation bei Hellmann gemeinsam global und ganzheitlich voranzutreiben. Denn wir sind davon überzeugt, dass die Digitalisierung für uns als Full-Service-Dienstleister im weiten Feld der Logistik die zentrale Säule ist, um nachhaltig am Markt agieren zu können und unsere Kunden erfolgreich zu bedienen.

Stefan Borggreve, Hellmann
Stefan Borggreve ist Chief Digital Officer (CDO) beim deutschen Transport- und Logistikunternehmen Hellmann. Seit seiner Gründung 1871 hat sich das Osnabrücker Unternehmen zu einem der großen internationalen Logistikanbieter entwickelt. Die Dienstleistungspalette umfasst die klassischen Speditionsleistungen per LKW, Schiene, Luft- und Seefracht genauso wie ein umfangreiches Angebot für KEP-Dienste (Kurier-, Express-, Paket-Dienste), Kontraktlogistik, Branchen- und IT-Lösungen. 2019 erzielte der Konzern mit rund 10.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen Umsatz von rund 2,4 Millarden Euro.
© Hellmann

Welchen Einfluss hatte oder hat immer noch die Corona-Pandemie auf Digitalisierungsprojekte oder -langzeitziele in Ihrem Unternehmen?

Borggreve: Dank der Umstellung auf Digital Office kurz vor Ausbruch der Pandemie waren wir glücklicherweise sehr gut gerüstet und konnten quasi von heute auf morgen 9.000 kaufmännische KollegInnen weltweit ins Homeoffice schicken. So hat die Corona-Krise bei Hellmann einen Kulturwandel angestoßen und die Digitalisierung unserer Arbeitsweise enorm beschleunigt. Denn eine der zentralen Erkenntnisse der letzten Monate ist, dass virtuelle Zusammenarbeit tatsächlich funktioniert – global und abteilungsübergreifend. Sie ist nicht nur effizient, sondern auch kosten- und CO2-sparend. Somit hat die Pandemie bei Hellmann ein neues Verständnis für digitales Denken und Handeln herbeigeführt, was auch „nach Corona“ unsere Firmenkultur prägen und mobiles Arbeiten deutlich mehr in den Fokus rücken wird.

Was raten Sie jemandem, der vor der Herausforderung steht, die Digitalisierung in seinem Unternehmen voranzutreiben?

Borggreve: Der digitale Wandel im Unternehmen gelingt nur, wenn alle in einem Boot in die gleiche Richtung rudern. Zudem ist es absolut essenziell, die nötigen Skills dafür aufzubauen. Setzen Sie auf die Power ihrer MitarbeiterInnen und brechen sie klassischen Denkmuster auf, fangen Sie dabei im Kleinen an und schaffen Sie Leuchtturmprojekte! Dabei ist eine offene Fehlerkultur genauso entscheidend wie ein inspirierendes Umfeld, in dem der Blick über den Tellerrand gewagt wird. Außerdem können auch bereits existierende Ideen analysiert werden, um diese weiterzuentwickeln und gegebenenfalls auf eigene Geschäftsfelder zu übertragen.

Gibt es eventuell für Sie persönlich eine Technologie oder Digitalstrategie am Markt, die Sie beeindruckt und/oder inspiriert?

Borggreve: Ich bin schon sehr früh mit Künstlicher Intelligenz – kurz KI – in Berührung gekommen und habe eine große Faszination dafür. Es inspiriert mich immer wieder, welche Kreativität Start-ups und Unternehmen an den Tag legen, sinnvolle Use Cases und Geschäftsmodelle auf Basis der KI- Möglichkeiten zu entwickeln. Auch bei Hellmann sind wir immer auf der Suche nach neuen Ideen und Ansätzen, um – gern auch in Zusammenarbeit mit jungen ForscherInnen, Start-ups oder auch etablierten Partnern – neue Ansätze zu erproben und gemeinsam weiterzuentwickeln.


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