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Shoppen, um zu bleiben

27. August 2021, 7:00 Uhr | Diana Künstler | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Konsolidierung schreitet voran

Ebenso kristallisierte sich den Lünendonk-Erkenntnissen zufolge – vor allem im zweiten und dritten Quartal – ein gesteigertes Interesse an Digital-Workplace-Lösungen (inklusive Endpoint Security) heraus. Viele Unternehmen setzten mit Hilfe der Digitalisierung Programme zur Kosten- und Effizienzoptimierung mit möglichst schnellem ROI auf. Entscheidend bei der Auswahl der Lösungen waren dabei vor allem die Faktoren Flexibilität und Skalierbarkeit. Folglich zogen im vergangenen Jahr Transformationsprojekte stark an. Kunden forderten und fordern darüber hinaus zunehmend, dass IT-Dienstleister ein breites Know-how in der Digitalisierung der gesamten Wertschöpfungskette aufweisen, weshalb diese wiederum weiter verstärkt nach Fachkräften, Partnerschaften und Übernahmekandidaten suchen. Während sich der IT-Arbeitsmarkt in der Krise nur bedingt entspannt hat – Fachkräfte nach wie vor in wichtigen Bereichen fehlen –, schreitet die Konsolidierung also weiter voran. Dementsprechend waren die M&A-Aktivitäten (Mergers & Acquisitions) auf hohem Niveau. Beliebte Vorgehensweise ist es dabei, sich einen schlagkräftigen Finanzinvestor ins Boot zu holen, um mit dessen Hilfe in Buy-&-Build-Manier auf Shoppingtour zu gehen. Prominentes Beispiel für diese Entwicklung ist die Netgo Group: Um durch Akquisitionen wachsen zu können, hatte sich das Systemhaus Ende 2019 den finanzstarken Investor Waterland ins Haus geholt – die Gesellschaft übernahm 60 Prozent. Und die Rechnung ging auf: Mit insgesamt sieben Zukäufen seit dem Einstieg von Waterland hat Netgo seitdem sowohl sein Portfolio an IT-Leistungen für den Mittelstand verbreitert als auch deutschlandweit neue Kunden und Marktanteile gewonnen und weist nun einen Gruppenumsatz von über 280 Millionen Euro aus. Gleiches Prinzip, anderer Dienstleister: Mit dem Zukauf von Elanity erweiterte MCL im Oktober letzten Jahres sein Leistungsportfolio und seine geografische Präsenz in Norddeutschland. Auch hier hatte man sich erst Anfang 2020 durch den Einstieg von One Equity Partners einen Finanzinvestor ins Haus geholt, der den Böblinger IT-Spezialisten bei seiner Wachstumsstrategie unterstützen sollte.

Und die Akquisitionswelle reißt nicht ab – es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht eine weitere Partnerschaft, Übernahme oder Zusammenarbeit verkündet wird: So holte sich die GFC-Gruppe aus Köln mit der Übernahme von C&S aus Leverkusen im Oktober 2020 ein auf Managed Services spezialisiertes Systemhaus ins Boot. Einen Vorstoß in die Apple-Welt wagte Anfang des Jahres die Firmengruppe ATD mit der Einverleibung des Systemhauses Frederix, nachdem man Ende 2020 erst Datanaut übernommen hatte. Für ATD-Chef Holger Kämmerer ist das Wachstum auch ein Werkzeug, um dem sich zuspitzenden Fachkräftemangel Paroli bieten zu können. Die Expansion soll die Arbeitgebermarke stärken, um für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber attraktiver zu sein. Weiteres Potenzial sieht der Systemhaus-Experte vor allem im ERP-Bereich, in der Beratung rund um IT-Security sowie Datenschutz, aber auch in der Übernahme von weiteren kleineren Systemhäusern – wie Kämmerer im Gespräch mit  ICT CHANNEL verriet. Und dieser rasante Trend setzt sich auch dieses Jahr fort: Die deutsche Tochter des österreichischen IT-Dienstleisters S&T hat im April die Aachener Axino Solutions GmbH mit dem Ziel übernommen, Kompetenzbereiche um zusätzliche Service zu erweitern. Ebenfalls im April kaufte WTG Communication, Teil der WTG Gruppe, den Wettbewerber Comtel. Mit diesem Schritt wird der Dienstleister auf einen Schlag zum größten Avaya-Partner in Deutschland. Anfang Juli dann die nächste große Übernahme: Branchenschwergewicht Accenture schluckte den IT-Dienstleister Trivadis, um seine Kompetenzen im Bereich Data und KI auszubauen. So viel ist sicher: Es wird auch in Zukunft nicht langweilig im Markt für IT-Dienstleistungen. Die große Shoppingtour hat erst begonnen.

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Die Lünendonk-Studie

Für die Lünendonk-Studie „Führende IT-Beratungs- und IT-Service- Unternehmen in Deutschland“ – mit Sonderkapiteln zum IT-Mittelstand und zu den führenden internen IT-Dienstleistern – wurden neben rund 90 IT-Dienstleistern etwa 140 IT-Verantwortliche aus dem gehobenen Mittelstand sowie aus Großunternehmen und Konzernen befragt.

 


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