Schwerpunkte

Die Deutschen und die Digitalisierung

Setzen, Sechs!

21. Februar 2020, 08:28 Uhr   |  Cornelia Meier

Setzen, Sechs!
© Andriy Popv - 123RF

Böhmische Dörfer sind Big Data, Blockchain oder Augmented Reality für einen Großteil der deutschen Bevölkerung. Das zeigt eine repräsentative Maisberger-Studie, die das Wissen der Deutschen über zehn zukunftsweisende Technologien und deren Nutzung untersucht hat.

Wer eine Technologie dem Namen nach kennt, hat zumindest zur Kenntnis genommen, dass es sie gibt. Doch davon kann in Deutschland kaum die Rede sein. Laut der aktuellen Maisberger-Umfrage "Die Skepsis der Deutschen gegenüber neuen Technologien“ haben die Befragten im Schnitt zu 70 Prozent noch nicht von Machine Vision, Social Bots und Co. gehört. Angefragt wurden folgende Technologien:

  • Augmented Reality
  • Big Data
  • Blockchain
  • Cloud Computing
  • Immersive Media
  • Internet of Things
  • Machine Vision
  • Semantic Web
  • Social Bots
  • Software-defined Manufacturing

“Bei den einzelnen Technologien schwankt der Anteil derer, die sie vom Hörensagen kennen, zwischen 6 und 36 Prozent. Doch der hohe Mittelwert für »Noch nicht gehört« zeigt, dass generell wenig Bewusstsein und Interesse für Technologien der Zukunft vorhanden ist“, erklärt Dr. Alexander Pschera, Geschäftsführer der Kommunikationsagentur Maisberger.

Bei Cloud und Big Data klingelt es

Am bekanntesten sind laut Umfrage Cloud Computing und Big Data, von denen mehr als ein Drittel der Befragten schon einmal etwas gehört hat. “Bedenkt man, dass Cloud Computing – ob man nun Fotos in der Cloud speichert, E-Mails schreibt oder Internetbrowser nutzt – auch im privaten Alltag längst Einzug gehalten hat, ist das Ergebnis unbefriedigend“, sagt Pschera. Ähnlich verhält es sich mit Big Data. Schließlich ist es erst durch die Erfassung, Verarbeitung, Speicherung und Analyse großer Datenmengen möglich, auf Shopping-Portalen Kaufempfehlungen zu erhalten oder im Straßenverkehr von modifizierten Ampelphasen zu profitieren.

Ganz finster sieht es bei drei Hightech-Technologien aus: Nur rund jeder Zwanzigste kennt Machine Vision (7 %), Immersive Media (6 %) und Semantic Web (6 %). “Gerade bei Semantic Web hätten wir mehr erwartet“, ergänzt Pschera. „Die Technologie macht Bedeutungszusammenhänge im Web 3.0 sichtbar, indem Begriffen eine eindeutige explizite Bedeutung zugewiesen wird. Nur so können wir beispielsweise beim Googlen überhaupt relevante Treffer erzielen.“

Kaum Berührungspunkte

Grafik: Die Skepsis der Deutschen gegenüber neuen Technologien 2020
© Maisberger | YouGov

Cloud Computing und Big Data sind immerhin mehr als einem Drittel der Befragten bekannt.

Auch was die Anwendung der Technologien angeht, gibt es noch Nachholbedarf bei den Deutschen. Aktuell werden die zehn abgefragten Technologien im Schnitt zu 56 Prozent nicht angewendet. Wissentliche Berührungspunkte im Beruf und/oder Privatleben gab es bisher lediglich zu 38 Prozent. Auf Platz eins bei den angewendeten Technologien liegt erneut Cloud Computing mit 48 Prozent. Auf Platz zwei und drei folgen Immersive Media (45 %) und Semantic Web (44 %). Am wenigsten zu tun hatten die Befragten bislang mit Blockchain (63 %) und Social Bots (62 %).

Ernüchternde Zahlen, die sich aber ändern sollen – auch das zeigt die Studie. So gehen die Befragten davon aus, dass sie die angefragten Technologien künftig häufiger nutzen werden. Im Schnitt kommt die Umfrage hier auf einen Wert von 45 Prozent. Das bedeutet immerhin eine Steigerung um 7 Prozentpunkte im Vergleich zum Ist-Zustand. Den größten Anstieg erwarten die Befragten, die bereits von Internet of Things gehört haben: Hier wird eine Steigerung um zwölf Prozentpunkte erwartet – von aktuell 38 Prozent auf künftig 49 Prozent.

Die Neugier fehlt

Grafik: Die Skepsis der Deutschen gegenüber neuen Technologien 2020
© Maisberger | YouGov

Nur wenige Deutsche sind bisher mit den zehn angefragten Technologien in Berührung gekommen.

Der Großteil der Bevölkerung kennt die abgefragten Technologien nicht einmal vom Namen her. Entsprechend klein ist der Anteil derjenigen, die bewusst wissen, ob sie diese beruflich oder privat nutzen. Dies zeuge von einer geringen Motivation, sich mit digitalen Technologien auseinanderzusetzen. Eine mögliche Erklärung: In den digitalen und realen Räumen, in denen sich die Befragten bewegen, werden diese Technologien an sich wenig thematisiert oder sie gehen in der Flut der Informationen unter.

Pschera resümiert: “Da wir jedoch mit Smartphone, Internet und Co. tagtäglich von digitalen Technologien umgeben sind, besteht bei den Befragten offensichtlich auch wenig Interesse, einen Blick hinter die technologischen Kulissen zu werfen. Dabei werden bei einer zunehmenden Digitalisierung die Neugierde und Bereitschaft, sich zu informieren und auf Neues einzulassen immer wichtiger.“

Über die Umfrage
Die Befragung wurde von YouGov unter Teilnehmern des YouGov Panel Deutschland durchgeführt. An der Online-Befragung haben zwischen dem 19.06.2019 und 21.06.2019 insgesamt 2.049 Personen teilgenommen. Die Ergebnisse wurden gewichtet und sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Verwandte Artikel

funkschau