Einigung auf EU-Ebene

Roaming-Gebühren ade

2. Februar 2017, 16:06 Uhr | | Kommentar(e)
Flughafen telefonieren
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Das Ende der Roaming-Gebühren scheint endlich in Sicht: EU-Parlament und Mitgliedsstaaten haben sich auf letzte Details einigen können. Die Preise für Telefonieren und Surfen im EU-Ausland sollen dadurch ab dem 15. Juni erheblich sinken.

Die europäischen Telekom-Unternehmen können sich gegenseitig Kosten für die Auslandsnutzung ihrer Kunden in Rechnung stellen. Diese seien nun gedeckelt, wie die EU-Kommission mitteilte. Den Angaben zufolge dürfen die Mobilfunkanbieter von ihren Konkurrenten ab 15. Juni höchstens 3,2 Cent pro Anrufminute sowie 1 Cent pro SMS verlangen. Beim Datenvolumen ist eine schrittweise Absenkung vorgesehen: Ab 15. Juni sollen Anbieter für die Nutzung ihrer Netze durch Mitbewerber zunächst 7,70 Euro pro Gigabyte verlangen dürfen. Ab 1. Januar 2018 beträgt die Maximalgebühr dann sechs Euro, ein Jahr später 4,50 Euro, im Januar 2020 noch 3,50 Euro, 2021 dann drei Euro. Ab 2022 wird der Preis auf 2,50 Euro pro Gigabyte gedeckelt.

Mit der Maßnahme soll verhindert werden, dass sogenannte virtuelle Anbieter, die lediglich SIM-Karten verkaufen, aber keine eigene Infrastruktur besitzen, von den großen Netzanbietern vom Markt gedrängt werden. Der Einigung müssen Parlament und Mitgliedstaaten noch formal zustimmen. "Die vereinbarten Obergrenzen sorgen dafür, dass die Anbieter überall in Europa ihre Kosten abdecken können, sind aber niedrig genug, um den Wettbewerb auf den europäischen Telekommärkten zu sichern", sagte die finnische Europaabgeordnete Miapetra Kumpula-Natri, die das Thema im Europaparlament federführend betreute.

Die Aufhebung der Gebühren ist das Ende eines zehnjährigen Prozesses. Seit 2007 sind die erlaubten Aufschläge für Telefonie, SMS-Versand und Datennutzung im EU-Ausland erheblich gesunken. Der EU-Kommission zufolge für Telefonate um mehr als 90 Prozent. Auch Daten-Roaming sei seit 2012 um 96 Prozent günstiger geworden. Zuletzt wurden die Gebühren im April auf fünf Cent pro Anrufminute, zwei Cent pro SMS und fünf Cent pro Megabyte Datenvolumen zusätzlich zu den nationalen Gebühren des eigenen Anbieters gedeckelt.

Einige Anbieter verzichten bereits seit längerem komplett auf Roaming-Gebühren und lassen ihre Kunden die monatlichen Datenpakete auch im EU-Ausland nutzen. Dies gilt aber häufig nur für neuere Mobilfunkverträge und ist zum Teil mit einer Erhöhung der Tarife verbunden. Die Deutsche Telekom kritisierte, dass die nun vereinbarte Absenkung weder erforderlich noch verhältnismäßig sei. Zwischen den Roaming-Partnern seien bereits je nach Abnahmemenge Preise für die Firmen unterhalb der Preisobergrenze gefunden worden.

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