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Industrie 4.0

Ohne den Faktor Mensch geht es nicht

08. April 2021, 10:45 Uhr   |  Autor: Markus Dohm / Redaktion: Sabine Narloch | Kommentar(e)

Ohne den Faktor Mensch geht es nicht
© Weedezign / 123rf

Das Industrial Internet of Things (IIoT) entscheidet darüber, ob der produzierende Mittelstand und Konzerne sowie der Produktionsstandort Deutschland im internationalen Wettbewerb bestehen. Welche Rolle Kompetenzen von Fach- und Führungskräften im Unternehmen dabei spielen.

Die Verheißungen des Industrial Internet of Things (IIoT) begeistern längst nicht mehr nur Internet-Enthusiasten, Cloudpropheten oder Visionäre der Künstlichen Intelligenz. Längst existieren Beispiele digitaler Produktions- und Wertschöpfungsketten, in denen Kunden ihr Produkt konfigurieren und ein Paketbote wenige Tage später ein individuelles Werk ausliefert. Mass Customizing, also die Losgröße 1 zum Preis der Massenfertigung, gelingt bei Sportschuhen, Möbeln, Kleidung bis hin zu den ersten Automobilwerken, bei denen praktisch kein einziges identisches Fahrzeug mehr das Band verlässt. Mass Customizing funktioniert bei nahezu allen Industriegütern über komplett digitale Wertschöpfungsketten ohne Medienbrüche, in denen vom Kunden über die Lieferanten sowie in der Produktion alle Daten für alle Prozessschritte bis hin zur Buchhaltung verfügbar sind. In Sekunden berechnen Algorithmen, welche Materialien eingekauft, wann sie geliefert, an welcher Maschine sie wann verarbeitet und mit welchem Paketdienst sie wann zugestellt werden. Der Kunde erhält in wenigen Minuten neben seiner Rechnung einen verbindlichen Liefertermin, ohne dass seine Bestellung auch nur von einem Menschen überprüft werden muss. Soweit die Theorie. Und in der Praxis sind Hard- und Software, neue Funkstandards wie 5G, Narrowband und Low Power Wide Area-Netzen auch schon serienreif, erschwinglich und selbst ältere Maschinen schnell physisch verkabelt. Aber solche Smarte Fabriken laufen nicht per „Plug & Play“.

Nicht nur die Produktion, sondern das gesamte Unternehmen betrachten

Erfolgreiche IIoT-Projekte entstehen nicht allein dadurch, dass IT-Experten Maschinen, Produktionsplanungs- oder Manufacturing Executions Systeme (PPS / MES) mit einer IIoT-Lösung vernetzen. Am Anfang steht eine realistische Analyse: Welche Medienbrüche, Datensilos und Datenströme bestehen nebeneinander, und wie lassen sie sich so harmonisieren, dass Daten in allen Prozessen verfügbar sind für die Wertschöpfung?
 
Viele Unternehmen schauen zunächst nur auf ihre Produktion. Sie vernachlässigen häufig, dass externe Schnittstellen zu Lieferanten und Kunden sowie die interne Vernetzung mit ERP, Warenwirtschaft, Einkauf, Finanz- und Rechnungswesen, Produktentwicklung, Marketing, After Sales sowie zur Qualitätssicherung die entscheidenden Fortschritte eröffnen.

Oftmals verkennen IIoT-Projektverantwortliche auch die Herausforderungen inkompatibler Schnittstellen – beispielsweise im bestehenden Maschinenpark, deren Daten künftig von allen vernetzten Systemen nicht nur empfangen, sondern auch verstanden werden sollen.

Die Daten entfalten dann ihren Mehrwert, wenn sie sich bedarfsgerecht verwerten lassen. Das bedeutet: Jedes digitale Gerät bis hin zu einem Werkzeug ist so einzubinden, dass es seine Ist-Daten in Echtzeit in das System einspeist und selbst darüber gesteuert werden kann.

Um dieses Ziel zu erreichen, benötigt jedes IIoT-Projekt das Commitment der Fach- und Führungskräfte, die aktive Teilhabe aller Fachabteilungen und Mitarbeiter, die nicht nur ihre (alten) Prozesse kennen, sondern auch an die Bedingungen einer IIoT-Lösung anpassen müssen. Um das zu erreichen, müssen sie ihre Datensilos öffnen, Wissen teilen, sich als ein Teil des Ganzen definieren, in dem aktive Kommunikation zu allen relevanten menschlichen und maschinellen Schnittstellen gefragt ist.
Und in dieser Planungsphase ist bereits zu bedenken, wie die neuen Schnittstellen zwischen Menschen und Maschinen aussehen sollen. Mit diesen komplexen Anforderungen an eine neue Industrie-4.0-Infrastruktur sind Einzeldisziplinen wie IT-Abteilung und Produktionsplanung oder die Fachabteilungen allein überfordert. Wichtig sind der Gesamt-Überblick und der Blick über die Unternehmensgrenzen hinaus. Kurzum: Der Erfolg von IioT-Projekten beginnt – wie seither - in der Planungsphase und ist auf die aktive Mitgestaltung aller Mitarbeiter angewiesen.

 

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1. Ohne den Faktor Mensch geht es nicht
2. Industrie 4.0-Kompetenzen der Fach- und Führungskräfte entwickeln

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