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Impulse für neue Fahrdienste

"Nicht an den Bedürfnissen der Leute vorbeiplanen"

08. September 2021, 11:00 Uhr   |  Quelle: dpa / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

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Mit der Mobilität ohne Auto ist es abseits der Ballungsräume so eine Sache. In vielen Dörfern kommt ein Bus morgens für die Schulkinder – und dann lange nichts mehr. Bei der Bundestagswahl geht es auch um mehr Schub für bessere und flexiblere Verkehrsangebote. Und zwar überall.

Auf dem Land fahren Busse und Bahnen quer durch die Republik oft nur spärlich. Das lockt nicht so viele Fahrgäste, und Takte werden eher noch mehr ausgedünnt. Um aus dieser Spirale herauszukommen, soll der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) endlich flächendeckend attraktiver werden - darum geht es jetzt parteiübergreifend auch bei der Bundestagswahl. Hoffnungen machen neue Bestell-Angebote per Handy. Verbraucherschützer fordern Verbesserungen auch wegen der Wende zu mehr Klimaschutz im Verkehr.

Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), Klaus Müller, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wenn wir über eine klimagerechte Mobilität reden, dann muss sich der öffentliche Personennahverkehr wandeln.“ Kommunen müssten ein Mindest-Angebot sichern – und zwar im ländlichen Raum deutlich über dem, was heute vielerorts zu finden sei. Dafür brauche man mehr bedarfsorientierte digitale Angebote. „Das heißt, ich bestelle mir, wenn ich es brauche, ein größeres Sammeltaxi, das mich abholt und dorthin bringt, wo ich hin möchte.“ Dies gelte auch abends, am Wochenende oder in Schulferien, wenn besonders auf dem Land praktisch kein Nahverkehr mehr unterwegs sei.

Der Rechtsrahmen ist gegeben

Klaus Müller Verbraucherzentrale Vzbv
© Vzbv

Klaus Müller, Leiter der Verbraucherzentrale Bundesverband: „Bisher ist es nicht so, dass wir im ÖPNV ein Zuviel an Wettbewerb und Vielfalt haben.“

Ein frischer Rechtsrahmen für neue Fahrdienste ist inzwischen da. Ein Gesetz von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) ermöglicht reguläre Angebote, bei denen man per App von überall einen Platz in kleinen Bussen oder Vans buchen kann. Auf der Fahrt können andere einsteigen. Bisher waren Anbieter mit Ausnahmeregeln unterwegs. Zugleich sollen klassische Taxis und das öffentliche Angebot mit Bus und Bahn geschützt werden. Für Fahrdienst-Vermittler wie Uber sind dafür Vorgaben vorgesehen, die Kommunen festlegen können. Für deren Wagen bleibt es bei einer „Rückkehrpflicht“: Sie müssen nach einer Kundenfahrt erst zum Betriebssitz zurück und dürfen -– anders als Taxis – nicht an der Straße warten oder sich heranwinken lassen.

„Wir brauchen kreative digitale Angebote“, sagte Verbraucherschützer Müller. „Sie werden vielleicht am Anfang nur von einem Teil der Bevölkerung genutzt werden. Aber ich glaube, Menschen werden sich überzeugen lassen, wenn es bezahlbar, einfach und am Ende sogar viel praktischer ist als heute.“ Dabei gehe es preislich um etwas, das zwischen Taxi und Busticket liege – mit dem Mehrwert des Buchens „on demand“. Wichtig seien zugleich gute Standards bei Sicherheit und sozialer Absicherung für neue Anbieter. „Bisher ist es aber nicht so, dass wir im ÖPNV ein Zuviel an Wettbewerb und Vielfalt haben.“

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