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Corona-Krise erreicht ITK-Branche

Nach dem Hoch ein Tief

07. April 2020, 14:26 Uhr   |  Autoren: Stefan Adelmann, Martin Fryba, Michaela Wurm

Nach dem Hoch ein Tief
© Halfpoint | Shutterstock.com

Leere Lager: Viele Produkte rund um Homeoffice sind nur noch schwer erhältlich, die Preise steigen

Die Corona-Krise geht auch an der ITK-Branche nicht spurlos vorbei. Aktuell sorgt sie vor allem für Lieferengpässe und steigende Preise bei Homeoffice-Produkten, allerdings erwarten Experten ­erwarten einen baldigen Nachfrage-Einbruch. Doch es gibt auch Chancen und vor allem viel Hilfsbereitschaft.

Normalerweise pendelt der Händlereinkaufspreis der Webcam “C920” von Logitech verlässlich zwischen 40 und maximal 60 Euro. Seit vielen Jahren gibt es hier allenfalls kleine Ausschläge in die eine oder andere Richtung. Normal ist an der jetzigen Situation aber kaum mehr etwas. Innerhalb weniger Wochen ist der HEK der Webcam rasant gestiegen und hat sich von kürzlich 43 auf mittlerweile über 120 Euro knapp verdreifacht, wie sich an den Daten der Händlerplattform IT-Scope ablesen lässt, die Informationen von hunderten in Deutschland aktiven ITK-Distributoren erhält. Ein Beispiel wie aus dem volkswirtschaftlichen Lehrbuch, sagt Benjamin Mund, Geschäftsführer von IT-Scope, im Gespräch mit CRN, der Schwesternzeitschrift der funkschau. “Angebot und Nachfrage.” Dem Preissprung sind seit Januar mehrmals Peaks der Abverkäufe vorausgegangen, die Lagerbestände haben sich entsprechend zügig geleert, die C920 ist aktuell nur noch bei einigen wenigen Grossisten verfügbar.

Benjamin Mund, Geschäftsführer von IT-Scope
© IT-Scope

Benjamin Mund, Geschäftsführer von IT-Scope: “Ich sehe keine Alarmsituation in der Distribution. Im Gegenteil, IT wird immer gebraucht. Die Krise ist also auch eine Chance.”

"Reicht nicht, um Bedarf zu decken"
“Ich habe so eine Situation noch nie erlebt”, berichtet auch Marco Kuhn, Vertriebsleiter des IT-Aufbereiters bb-net, gegenüber CRN. Zwar konnten die Schweinfurter den eigenen Ausstoß an Notebooks kurzfristig deutlich steigern, das reiche aber “bei weitem nicht, um den Bedarf zu decken”. Eine Ausnahmesituation, nicht nur für die Unterfranken, sondern für den gesamten ITK-Channel. Die Nachfrage nach fast allen Produktgruppen, die mit dezentraler Arbeit und mit Homeoffice zusammenhängen, ist in den letzten Wochen aufgrund der Corona-Krise geradezu explodiert.

Marco Kuhn, Vertriebsleiter bei bb-net
© bb-net

Marco Kuhn, Vertriebsleiter bei bb-net: “Ich habe so eine Situation noch nie erlebt. Wir verkaufen nicht, wir verteilen.”

“Stay at home”, so der Leitsatz dieser Tage. Die Bundesregierung hat an alle Unternehmen appelliert, wo möglich Heimarbeit umzusetzen, um das Ansteckungsrisiko des Virus unter Mitarbeitern zu minimieren. Angela Merkel geht selbst mit gutem Beispiel voran und regiert aktuell aus den eigenen vier Wänden. Während die Bundeskanzlerin aber sicherlich bereits auf die entsprechenden Werkzeuge zurückgreifen konnte, hieß es für viele Unternehmen, in kürzester Zeit die nötige Infrastruktur aufzubauen, um alle Geschäftsprozesse auch dezentral abbilden zu können. Collaboration-Lösungen sind daher gefragter denn je, Microsoft hat innerhalb einer Woche zwölf Millionen neue Teams-Nutzer gemeldet, Zoom spricht von zwölfmal mehr Downloads und auch Anbieter wie Slack, Cisco und Google sehen sich einem ähnlichen Ansturm gegenüber. Zuletzt musste Microsoft gar den Funktionsumfang zahlreicher seiner Office-365-Dienste einschränken, um das hohe Datenaufkommen überhaupt noch bewältigen zu können – diesem Schritt gingen über einige Tage massive Störungen von Teams voraus.

Judith Öchsner, Vertriebsleiterin bei Dexxit
© DexxIT

Judith Öchsner, Vertriebsleiterin bei Dexxit: “Da in einigen Bereichen das Produk­tionsvolumen zeitweilig reduziert wurde und die Lieferwege aktuell innerhalb und außerhalb der EU erschwert sind, steigt der Preis bei der Nachschubbeschaffung besonders stark nachgefragter Produkte und Komponenten.”

Nachfrage wird bald abflauen
Die nötigen Collaboration- und Kommunikations-Werkzeuge sind die eine Seite, die entsprechende Hardware die andere. Neben Webcams sowie Headsets ist der Markt vor allem bei Notebooks im unteren und mittleren Preissegment nahezu leergefegt, die Lagerbestände vieler Modelle laut IT-Scope fast auf null. “Es gibt aktuell kaum noch Ware am Markt, was Homeoffice-Equipment betrifft”, berichtet Bernadette Jürs, Head of Sales bei Axro, Hamburger Distributor vor allem für Verbrauchsmaterialien. So war beispielsweise das “Lenovo ThinkBook” Ende Februar laut IT-Scope bei keinem einzigen von 370 Distributoren mehr verfügbar. Dabei hätten diese im ersten Quartal laut Benjamin Mund in vielen Fällen noch ihre Bestände aufgestockt – jedoch nicht immer mit den richtigen Produkten. So wurden vor allem Komponenten wie CPUs und Speicher beschafft, deren Produktion in China teils ins Stocken geriet. Die dann jedoch plötzlich eintretende Nachfrage nach Homeoffice-Lösungen sowie die daraus resultierenden Lieferengpässe hätten wohl nur die wenigsten Branchenkenner vorhersagen können.

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1. Nach dem Hoch ein Tief
2. "Wenn ein Kunde jetzt 500 Notebooks morgen braucht, wird er keine kriegen"

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