Barrierefreies App Development

Mobil drauf statt Hürdenlauf

25. August 2017, 14:10 Uhr | | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Entwicklung und Herausforderungen

Wie entwickelt man barrierefreie Apps?
Dr. App: Je mehr sich das Leben vieler Menschen auch im Internet und auf dem Smartphone abspielt, desto mehr müssen sich App-Entwickler mit Herausforderungen beschäftigen, die vielleicht nicht sofort zu erkennen sind. Im App-Bereich bezieht sich Barrierefreiheit nämlich nicht nur auf die Überwindung physikalischer Hindernisse. Hier gilt es auch abstraktere Aspekte zu berücksichtigen, schließlich geht es um die uneingeschränkte Zugänglichkeit und Nutzbarkeit von digitalen Inhalten und Diensten.

Die Barrierefreiheit bei Apps beginnt mit simplen Dingen wie dem Vorlesen von integrierten Texten oder dem klaren Beschreiben und Erklären von Bildinhalten. Es erfordert aber beispielsweise auch die Einbindung von plattformspezifischen Hilfsmitteln wie UIAccessibility im Bereich iOS. UIAccessibility bietet Werkzeuge, mit denen beeinträchtigte Nutzer alle Funktionen einer App dank einer speziell für sie aufbereiteten Benutzeroberfläche eigenständig nutzen können. So erleichtert eine komplexere Gestensteuerung in Kombination mit dem Hinterlegen von diversen, leicht auslesbaren Metadaten beispielweise die App-Nutzung für Menschen mit einer Sehbehinderung. Bei der Umsetzung von barrierefreien Apps gilt außerdem zu beachten: Elemente sollten stets so einfach wie möglich strukturiert sein!

Die präziseste Voice-Over-Funktion hilft nichts, wenn die Elemente innerhalb einer App unstrukturiert und überladen sind. Ist es nicht schwierig, sich in die Anforderungen eingeschränkter Nutzer hineinzuversetzen?
Dr. App: Bei der Entwicklung barrierefreier Apps müssen sich die Entwickler optimalerweise in die Rolle der Nutzer mit Handicap einfühlen und aus ihrer  Perspektive heraus handeln. Es empfiehlt sich deshalb, von Beginn an einge schränkte Nutzer an der Entwicklung der Software teilhaben und die App im Vorfeld testen zu lassen. Nur so könnenderen Bedürfnisse umfassend berücksichtigt werden. Das fängt zum Beispiel schon bei der Farbwahl an, damit auch Menschen mit Farberkennungsschwäche Hervorhebungen sehen können. Auch die Größe von Icons und  Schriften ist ein wesentlicher Faktor bei der Gestaltung, ebenso die Strichstärke. Außerdem sollte auf eine einfache und intuitive Benutzung, angemessene Kontraste sowie sensorisch wahrnehmbare Informationen geachtet werden. Auch sollten die Apps Rechts- und Linkshändigkeit  unterstützen. Wenn man einmal anfängt, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, fallen einem auf einmal ganz viele relevante Punkte ein.

Lassen sich bereits bestehende Apps in Richtung Barrierefreiheit umrüsten?
Dr. App: Grundsätzlich ja, aber der Aufwand ist in der Regel sehr groß. Einfacher und effizienter ist es da zumeist, ein Produkt von Anfang an barrierefrei zu konzeptionieren und umzusetzen.

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  1. Mobil drauf statt Hürdenlauf
  2. Entwicklung und Herausforderungen
  3. Unterschiede bei den Betriebssystemen
  4. Checkliste: Barrierefreie App-Entwicklung

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