DSAG-Investitionsreport 2022

Leicht optimistisch – aber unter Vorbehalt

24. März 2022, 16:30 Uhr | Sabine Narloch | Kommentar(e)
Analyse
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Der DSAG-Investitionsreport gibt alljährlich einen Einblick in die Mitglieds- beziehungsweise SAP-Anwenderunternehmen. Den diesjährigen Ergebnissen ist mit gewisser Vorsicht zu begegnen, sie wurden in einem Zeitraum vor der Eskalation in der Ukraine erhoben.

Was die Investitionsneigung in die IT betrifft, spiegeln die Ergebnisse grundsätzlich Zuversicht wider: So gaben 59 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz an, dass das IT-Gesamtbudget steige. Vor einem Jahr waren es lediglich 39 Prozent. Bei 29 Prozent soll es demnach gleichbleiben (2021: 37 Prozent) und bei fünf Prozent sinken (2021: 18 Prozent). Auch was Investitionen in SAP-Lösungen angeht, soll das Budget bei 57 Prozent der Befragten steigen (2021: 43 Prozent).

„Es lässt sich anhand dieser Werte feststellen, dass die Folgen der Corona-Krise im Jahr 2022 wohl überwunden sind oder zumindest deutlich an Einfluss verlieren. Der Investitionsstau der letzten beiden Jahre scheint sich aufzulösen. Was sich noch 2021 nur sehr verhalten entwickelt hat, wird durch die Neuauflage von Projekten bzw. die Notwendigkeit der Transformationsbemühungen Fahrt aufnehmen. Dafür spricht sowohl das Ergebnis für die IT-Gesamtbudgets als auch für die SAP-Budgets“, kommentiert Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e.V.

Die Folgen der Corona-Krise scheinen sich somit abzuschwächen; allerdings endete der Befragungszeitraum am 21. Februar und somit vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine am 24. Februar. Ob die Investitionsbereitschaft das Jahr über anhält, wird sich somit erst noch zeigen.

Neben reinen SAP-Themen galt ein Schwerpunkt der Abfrage von übergreifenden Themen für die Investitionsplanung. Mit 78 Prozent hoher und mittlerer Relevanz stand dabei die Cybersecurity an erster Stelle. Es folgen Prozessautomatisierung (66 Prozent) und Digitale Kompetenz wie auch Remote-Work (55 Prozent); auch das Thema Nachhaltigkeit spielt für 48 Prozent der Befragten eine Rolle.

 

DSAG-Investitionsreport 2022
Aktuelle Nutzung von SAP-ERP-Lösungen in den befragten Anwenderunternehmen
© DSAG

Zögerliche Haltung gegenüber S/4Hana

Bei den aktuell eingesetzten Lösungen haben SAP ERP und die Business Suite die Nase vorne im Vergleich zu S/4Hana, das sich verhalten positiv entwickelt (siehe Grafik). „Interessant am Ergebnis des diesjährigen Investitionsreports bezogen auf S/4Hana ist, dass knapp die Hälfte der Unternehmen, die S/4Hana On-Premises im Einsatz haben, auch angegeben haben, SAP ERP beziehungsweise die SAP Business Suite einzusetzen. Dies könnte darauf hindeuten, dass einige Unternehmen aufgrund der Komplexität des Umstiegs ihr bisheriges System noch eine Zeitlang parallel betreiben, ehe sie die vollständige Transformation vollziehen“, so Jens Hungershausen.

Offenbar Verständnisprobleme mit „Rise with SAP“

Eher auf der Stelle scheint „Rise with SAP“ zu treten, das vor gut einem Jahr announcte Business-Transformation-as-a-Service-Angebot auf Basis von SAP S/4Hana Cloud (funkschau berichtete). So hätten elf Prozent der Befragten noch nie von „Rise with SAP“ gehört, 60 Prozent haben bereits davon gehört, seien aber nicht damit vertraut. Nur 21 Prozent gaben an, damit vertraut zu sein.

 57 Prozent der Teilnehmenden halten es für sehr unwahrscheinlich und eher unwahrscheinlich, „Rise with SAP“ in Betracht zu ziehen. „Transformationen sind unbeständige, bewegliche Prozesse, die in den Unternehmen auf IT-Systeme in unterschiedlichsten Release-Ständen und Ausbaustufen treffen. Da braucht es noch entschieden mehr Klarheit und ein ganzheitliches Verständnis seitens SAP für die individuellen Gegebenheiten in den Unternehmen. Nicht Business-Transformation-as-a-Service, sondern Business-Transformation auf Augenhöhe muss das Ziel sein“, kommentiert Jens Hungershausen.

Zur Erhebungsgrundlage: Im Zeitraum vom 27. Januar 2022 bis 21. Februar 2022 haben laut DSAG-Angaben 198 Personen an der Umfrage teilgenommen. Pro Mitgliedsunternehmen wurde nur eine Person befragt. Dabei handelte es sich um CIO, CC-Leiter oder Ansprechpartner ausschließlich aus Anwenderunternehmen.


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