Infrastruktur und Betrieb

IT-Wegweiser für ESG

14. Juli 2022, 9:00 Uhr | Autor: Autumn Stanish / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)
Nachhaltigkeit, Digitalisierung
© Bild: Norbert Preiß, funkschau

Vielen Organisationen fällt es schwer, ihre IT-Infrastruktur und den IT-Betrieb an die Nachhaltigkeitsziele des Unternehmens anzupassen. Doch es gibt Wege, den Einstieg zu erleichtern.

  • Wo kann man grundsätzlich ansetzen, um Nachhaltigkeitsziele zu identifizieren und zu messen?
  • Wie lässt sich die Ausgangsbasis erstellen?
  • Wie lassen sich Ziele setzen und zur Messung verpflichten?
  • Wie lässt sich langfristig der Betrieb optimieren?
  • Wie hat sich die unternehmerische Nachhaltigkeit im Lauf der Zeit gewandelt?

Der Druck, den ökologischen Fußabdruck der IT zu reduzieren, kommt aus allen Richtungen: von Kunden, Investoren, Regulierungsbehörden, Mitarbeitern und der öffentlichen Meinung. Die Identifizierung von Nachhaltigkeitszielen und die Berichterstattung darüber können komplex sein. Es gibt Stand heute keine allgemeingültigen Standards oder Messrahmen für die Berichterstattung über Fortschritte bei den Nachhaltigkeitszielen in der IT. IT-Führungskräfte brauchen jedoch Pläne für eine nachhaltige Infrastruktur und einen nachhaltigen Betrieb (I&O, IT Infrastructure & Operations).

Der Start einer nachhaltigen I&O-Strategie ist oft eine Herausforderung, da es an Anhaltspunkten dafür fehlt, wo man ansetzen oder welche Kennzahlen man messen sollte. Die Unklarheit über die geltenden Vorschriften und die Berichterstattung kann I&O-Teams beim Versuch, einen Anfang zu machen oder Fortschritte zu erzielen, lähmen. Der erforderliche Aufwand scheint größer zu sein als der Ertrag. Räumen Unternehmen dem Thema allerdings keine Priorität ein, führt dies zu höheren Kosten aufgrund von Altlasten oder Vorschriften zur CO2-Bilanzierung, zu einem Innovationsrückstand und zu einer Ruf-Schädigung der Marke.

Mit ein paar grundlegenden Schritten können I&O-Führungskräfte sicherstellen, dass ihre Betriebsabläufe mit den übergeordneten Bemühungen und Prioritäten ihres Unternehmens in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) übereinstimmen. Das Gartner I&O Sustainability Model identifiziert drei wichtige kurz-, mittel- und langfristige Schritte zur Entwicklung einer umfassenden I&O-Strategie.

Kurzfristig: Ausgangsbasis erstellen

Als erstes gilt es, eine aktuelle CO2-Bilanz der IT zu erfassen. Die wichtigsten Messgrößen bei I&O sind Scope 1 (direkte) Emissionen, der Energieverbrauch des Rechenzentrums und der Elektroschrott. Hierbei sind die Grundsätze der Kreislaufwirtschaft und das Greenhouse Gas (GHG) Protocol zu beachten.

Ziel dieser Basiserhebung ist es zu erkennen, ob, wo und wie I&O zur Kreislaufwirtschaft von Produkten oder zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen beiträgt und/oder diese weiter unterstützen kann. Sind die Rahmenbedingungen festgelegt, wird sichtbar, wo sich die Effizienz der Energie- und Anlagennutzung am effektivsten steigern lässt. Organisationen können dann spezifische und messbare IT-Nachhaltigkeitsziele festlegen, die sich an realistischen Zielen zur Emissionsreduzierung oder zur Abfallvermeidung orientieren. Diese basieren dann auf Unternehmensdaten anstatt auf allgemeinen Branchenvorgaben.

Mittelfristig: Ziele setzen, Messung forcieren

Gut aufgesetzte Steuerungsprozesse ermöglichen es jeder Organisation, die Fortschritte auf dem Weg zu ihren langfristigen Zielen kontinuierlich und ohne große Reibungsverluste zu verwalten. Dies gilt auch für Nachhaltigkeitsziele. Der Schlüssel liegt darin, herauszufinden, was für den Nachhaltigkeitsfahrplan der Organisation wesentlich ist. Entscheidend ist, die spezifischen Themen zu identifizieren und zu formulieren, die für das Unternehmen und die Prozessbeteiligten wichtig sind. Auf diese sollten Organisationen sich konzentrieren, Ressourcen bereitstellen und ihnen Priorität einräumen.

Die Skizzierung der Technologien, die erforderlich sind, um die identifizierten wesentlichen Themen voranzubringen gehört ebenfalls dazu. I&O-Führungskräfte können die wichtigsten Maßnahmen in kleinen Schritten umsetzen und ihre Nachhaltigkeitsstrategie im Laufe der Zeit auf zuverlässigere, vorhersehbare und finanziell machbare Weise verbessern.

Langfristig: den Betrieb optimieren

In dem Maße, in dem die I&O-Abteilung ihren Zielen näherkommt und Best Practices entwickelt, sollte sie Prozesse, Rahmenwerke und Erfahrungen mit anderen teilen. Das fördert die Transparenz, den Wissenstand und erzielt eine breitere Wirkung im gesamten Unternehmen.

Um die Nachhaltigkeitsstrategie langfristig erfolgreich umzusetzen, sind die Ziele mit messbaren Fortschritten und einer strukturierten Steuerung festzuschreiben. Dies erfordert etablierte, nachhaltig denkende IT-Teams sowie weitere an den Prozessen beteiligte Interessengruppen. Außerdem ist es notwendig, die Prozesse für die Verwaltung von Elektroschrott, Energieeffizienz und Bildungsmaßnahmen zum Thema Nachhaltigkeit vollständig zu operationalisieren.

Mit einer Checkliste, die Aktionen und Schlüsselmaßnahmen für verschiedenen Bereiche enthält, stellen Führungskräfte sicher, dass sie eine angemessene Governance für Menschen, Prozesse, Technologie und Unternehmen einsetzen, um die Ziele zu erreichen. Hier können sie beispielsweise in der Kategorie „Menschen“ die Rollen und Verantwortlichkeiten im Zusammenhang mit nachhaltiger IT festlegen oder Kampagnen zur Sensibilisierung für nachhaltige IT als Teil der Unternehmenskultur und der allgemeinen Werte etablieren. In der Kategorie „Technologie“ sollten Richtlinien für die Wiederverwendung und das Recycling von Abfallströmen stehen.

Um diese Prozesse und Schritte zu rationalisieren, können eine Reihe von Tools eingesetzt werden. Ein Beispiel ist Software für die Mitarbeitenden, um eine breitere Beteiligung zu ermöglichen und Bildung und Initiativen voranzutreiben. Oder andere Management-Tools, um die Energienutzung von Technologien am digitalen Arbeitsplatz in Echtzeit zu verfolgen.

Autumn Stanish, Associate Principal Analyst bei Gartner


  1. IT-Wegweiser für ESG
  2. Exkurs: Unternehmerische Nachhaltigkeit im Wandel

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