Cloud-Computing

In der Cloud Ressourcen einsparen

22. Juni 2022, 14:50 Uhr | Autor: Michael Rambold / Redaktion: Sabine Narloch | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Funktionalitäten hinterfragen

Wichtig für den schonenden Umgang mit Ressourcen sind zudem funktionale Beschränkungen. Das beginnt schon bei der Architektur der Anwendung und deren Entwicklung: Softwarepakete sind heute häufig umfangreicher als sie sein müssten. Angesichts der hohen Bandbreiten wird bei der Paketierung nicht mehr darauf geachtet, ob nur die wirklich notwendigen Funktionen enthalten sind. Für die Website-Gestaltung gibt es ebenfalls unzählige Tools und Möglichkeiten, die aber Bandbreite, Energie und Ressourcen beanspruchen. Die Frage ist, ob all diese Funktionen wirklich benötigt werden. In vielen Fällen ist weniger mehr: Eine schlanke Website, die sich auf die wesentlichen Funktionen beschränkt, ist übersichtlicher und lädt schneller. Es kommt daher darauf an abzuwägen, wo Einsparpotenzial liegt. Beispiel Verfügbarkeit: 24/7 unterbrechungsfrei ist mittlerweile Standard. Aber das bedeutet auch mehr Redundanzen in der Infrastruktur, die wiederum mehr Ressourcen verbrauchen. Bei einer Nachrichtenseite, die jede Minute teure Werbezeit kostet, ist eine hohe Verfügbarkeit essenziell. Bei einem Newsfeed spielt es dagegen keine große Rolle, ob er um zehn Uhr oder erst eine Stunde später online geht. Auch hier sollten Unternehmen definieren, was im speziellen Fall wichtiger ist – Ausfallsicherheit oder Nachhaltigkeit.

Anpassungen der IT-Architektur

Auch architektonische Anpassungen in der Cloud können zu einem Ressourcen-schonenden Umgang und weniger CO2-Emissionen führen. Dazu zählt unter anderem der energieeffiziente Aufbau von Speicher-Workloads – etwa bestimmte Storage-Typen und -größen, die Art und Weise der Datenspeicherung oder der Zugriff auf gespeicherte Daten je nach Lebenszyklus. Hier wird unterschieden zwischen „Hot Storage“, also Daten, die einen schnellen Zugriff erfordern, sowie „Cold Storage“, also Informationen, die bestimmten regulatorischen Aufbewahrungsfristen genügen müssen, aber keinen häufigen Zugriff erfordern. Sie lassen sich kostengünstiger und energieeffizienter speichern.

Auch bei der Rechenleistung lohnt die Überlegung, welche Instanzen wann gebraucht werden und wie sich Energieverbrauch eindämmen lässt. Denn bestimmte Ressourcen werden nicht ständig benötigt. Unternehmen, die sich etwa im Rahmen eines Managed-Service-Vertrags Instanzen mit anderen Firmen teilen, lasten damit einen Teil ihrer Infrastruktur aus und sparen Ressourcen. Der Anbieter verwaltet die Energieeffizienz mithilfe spezieller Anwendungen, und alle Kunden profitieren von den dadurch erzielten Synergieeffekten.

Michael Rambold ist Senior Manager Solutions Architecture & Sustainability bei Amazon Web Services (AWS)

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Net Zero Cloud von Salesforce

Um als Unternehmen nachhaltiger agieren zu können, ist die Analyse des Ist-Zustands beziehungsweise der Emissionsdaten des Unternehmens eine wichtige Entscheidungsgrundlage. Ein dabei unterstützendes Tool ist die im Herbst 2021 vorgestellte neue Generation der „Net Zero Cloud“ (vormals „Sustainability Cloud“) von Salesforce. Diese basiert auf der Salesforce-Plattform und soll es laut Unternehmensangaben Firmen ermöglichen, Umweltdaten zu erfassen, zu analysieren und zu reporten. So erhalten Unternehmen Einblick in ihren CO2-Fußabdruck und können Prognosen sowie Zieldefinitionen erstellen. Für die Eingabe seien demnach Datensatz-Vorlagen von Umweltschutzorganisationen, des Weltklimarates IPCC und anderer Organisationen hinterlegt. Die Bilanzierung der Emissionen ist sowohl für Scope-1- als auch Scope-2-Emissionen möglich, mit dem Update vom Herbst 2021 sollen sich auch Scope-3-Emissionen tracken lassen. Diese Standards gehen auf das Greenhouse Gas Protocol (GHG Protocol) zurück. Mit Scope 1 werden alle direkten Emissionen im eigenen Unternehmen gefasst. Scope 2 beinhaltet indirekte Emissionen, beispielsweise aus eingekauftem Strom. Scope 3 bündelt alle sonstigen Emissionen, zum Beispiel bei Geschäftsreisen oder solche entlang der Wertschöpfungskette; dazu zählen Emissionsdaten von Zulieferern. Diese Daten ließen sich durch ihre Entstehung bei externen Partnern bislang nur schwer erfassen.                                                                                             (SN)

 


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