Abschied vom abgehalfterten Bären

Immer mehr Firmen stoppen ihr Russland-Geschäft

3. März 2022, 9:23 Uhr | dpa/Redaktion: Lars Bube | Kommentar(e)
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© Rancz Andrei - 123RF

Vom Krieg erschüttert und von Sanktionen gebremst fahren stündlich weitere deutsche und internationale Unternehmen ihr Russland-Geschäft runter. Der Rückzug ist schon länger im Gange und hinterlässt bereits deutliche Spuren in Putins Land.

Keine iPhones mehr für Russland, keine Autos von BMW und auch kein Playmobil: Immer mehr Unternehmen setzen ein Zeichen gegen den Krieg in der Ukraine. Sie stoppen ihr Russland-Geschäft oder schränken es ein. Je tiefer russische Truppen in das Nachbarland eindringen, desto deutlicher zeichnet sich ein Rückzug internationaler Firmen aus Russland ab.

„Wir verurteilen die Aggressionen gegenüber der Ukraine und verfolgen mit großer Besorgnis und Betroffenheit die Entwicklungen“, teilte etwa BMW mit. Der Chef der deutsch-russischen Auslandshandelskammer, Matthias Schepp, meint: „Auch für erfahrene und krisenerprobte Manager ist der Angriff auf die Ukraine ein Schock.“

Die Ökonomin Lisandra Flach vermutet, dass die größte Desinvestition in so kurzer Zeit zu beobachten ist. Wird die Weltkarte des Handels gerade neu gezeichnet?

Der Krieg von Russlands Präsident Wladimir Putin setzt aus Sicht des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft jedenfalls die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen aufs Spiel. „Je schneller die russische Regierung diesen Krieg stoppt, desto mehr ist von diesen Beziehungen noch zu retten.“

Täglich ziehen neue Unternehmen den Russland-Stecker, allein schon wegen der Sanktionen. Im Energiebereich dürfen bestimmte Güter nicht nach Russland gelangen. Auch in anderen Bereichen gibt es Beschränkungen, etwa für Flugzeugteile und Mikrochips.

Und einige russische Banken sind vom Zahlungsverkehr im Swift-System ausgeschlossen. Der Handel mit dem Land werde komplett zum Erliegen kommen, meint Uwe Fröhlich, der Co-Chef der DZ Bank. „Denn es gibt faktisch keine Zahlungswege mehr, die zur Verfügung stehen.“

Zehn Millionen Euro Umsatz wollte das fränkische Unternehmen Horst Brandstätter in diesem Jahr eigentlich in Russland machen. Brandstätter ist für seine Playmobil-Figuren weltbekannt und produziert auch Pflanzgefäße und Bewässerungssysteme. „Wir sind fassungslos und bestürzt über den Einmarsch der russischen Truppen in die Ukraine“, sagt Vorstandschef Steffen Höpfner und stoppt die Lieferungen nach Russland.

Mit dem russischen Partner Avtotor hatte BMW im vergangenen Jahr noch 12.000 Autos in Kaliningrad (Königsberg) gebaut und insgesamt 49.000 Autos in Russland verkauft. Damit ist bis auf Weiteres Schluss. „Wir verurteilen die Aggressionen gegenüber der Ukraine und verfolgen mit großer Besorgnis und Betroffenheit die Entwicklungen“, heißt es von BMW.


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  2. Weniger russische Produkte in deutschen Regalen
  3. Auswirkungen treffen Russland hart

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