Mobilfunk-Kommunikation in Rio

Eine athletische Herausforderung

12. August 2016, 10:40 Uhr | Autor: David Vigar / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)
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Wer je auf einem Großereignis versucht hat zu telefonieren, kennt die Probleme eines überlasteten Netzes. Man stelle sich nun das Ganze mit einer 30-fachen Belastung und einer unzuverlässigen Mobilfunkinfrastruktur vor: die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro.

Das soll nicht heißen, dass die Brasilianer unvorbereitet sind – ganz im Gegenteil: In Erwartung des hohen Kommunikationsvolumens installierte die Regierung gemeinsam mit dem von ihr beauftragten Netzbetreiber Claro 180 temporäre und 40 ständige Mobilfunksendemasten. Doch auch das reicht möglicherweise nicht aus, um den Anforderungen von Hunderten von Unternehmen, Applikationen, Touristen und sozialen Gruppen gerecht zu werden, die bei den Olympischen Spielen dabei sind.

Die bevorstehenden Spiele machen die Probleme der brasilianischen Kommunikationsnetze deutlich: Sie rücken eine schwache Infrastruktur und ein Regulierungssystem in den Fokus, das für Effizienz und Innovation zuweilen ein Hindernis darstellt. Diese Kombination könnte für die Organisatoren in Rio de Janeiro katastrophal sein – wenn sich nichts ändert.

Brasilianische Telekommunikationsdienste gesetzlich kontrolliert
Jede Snapchat-Nachricht, jeder Sieges-Tweet, jedes hochgeladene Foto eines Athleten belastet die Mobilfunkinfrastruktur noch etwas mehr – und Rio sollte sich auf einiges gefasst machen, denn es wird mit 27 Millionen Anrufen und 3 Millionen SMS-Nachrichten gerechnet. Besonders problematisch sind die Olympischen Spiele deshalb, weil die Veranstaltungen an verschiedenen Orten stattfinden und die Belastungsspitzen davon abhängen, welcher Wettkampf wo ausgetragen wird.
Brasiliens Funknetz hat einen schlechten Ruf, doch es hat auch mit einzigartigen Schwierigkeiten zu kämpfen. Mit 8,5 Millionen Quadratmeter ist Brasilien das fünftgrößte Land der Welt – eine gigantische Fläche also, die abgedeckt werden muss, die außerdem ein sehr inhomogenes Territorium ist. Es gibt riesige ländliche Gebiete, die eine gewisse Netzabdeckung benötigen, doch nicht denselben Kommunikationsbedarf wie die Städte haben. Den Bedarf der urbanen Zentren abzudecken ist wegen der hohen Bevölkerungsdichte extrem schwierig (allein in São Paulo wohnen 11 Millionen Menschen).

Aufgrund solcher Hindernisse sind brasilianische Telekommunikationsdienste teuer und unzuverlässig (SMS-Nachrichten kosten 55 Mal mehr als in den USA), und die Brasilianer sind nicht besonders geneigt, dieses Missverhältnis zu tolerieren. Brasilien ist das Vorzeigeland des kostenlosen Messaging-Services WhatsApp, denn 96 Prozent der Bevölkerung nutzt ihn als Hauptkommunikationsmittel. Wer einen Tisch in einem schicken brasilianischen Restaurant reservieren will, kann das mit WhatsApp tun.

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