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Frauen und Karriereplanung

„Ein Gefühl von Empowerment“

22. Juli 2021, 11:00 Uhr   |  Diana Künstler | Kommentar(e)

„Ein Gefühl von Empowerment“
© Femtec

Der Anteil von Frauen in MINT-Studienfächern steigt langsam, aber sicher. Doch das Studium ist das eine, der Berufseinstieg und weitere Weg etwas völlig anderes. Ein Unternehmen, das Frauen bei ihrer persönlichen Karriereentwicklung unterstützt, ist Femtec.

Die Förderung von Frauen in MINT-Berufen ist aktuell ein viel diskutiertes Thema – und macht Fortschritte. Projekte wie „Komm, mach MINT“ oder der „Girls' Day“ des Bildungsministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) tragen ihren Teil dazu bei. Ihr Fokus liegt vor allem darauf, Schülerinnen zunächst einmal die Unsicherheiten in Hinblick auf Technik zu nehmen und im weiteren Verlauf mögliche Ausbildungswege im MINT-Umfeld aufzuzeigen.

Studierende in MINT- und Technik-Fächern
© Studierende in MINT- und Technik-Fächern, Destatis, Stand 17. September 2020

Frauen in MINT-Berufen machten 2020 gemäß der MINT-Statistik der Bundesagentur für Arbeit etwa 16 Prozent aller Beschäftigten aus. Sie sind somit – wenngleich der prozentuale Anteil deutlich steigt – noch immer stark in der Unterzahl. Der Anteil der weiblichen Studierenden der MINT-Fächer beläuft sich dank zahlreicher Initiativen mittlerweile auf etwa 31,4 Prozent. So das Ergebnis der alljährlichen Erhebung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). In einigen Jahren, so die Hoffnung, wird sich diese Zahl auch in der Beschäftigungsquote niederschlagen.

Doch was, wenn der erste (oder gar zweite Schritt) bereits gemacht ist und man schon mittendrin ist in der Ausbildung? Wie schließt sich dann der Kreis zu einem Einstieg ins Berufsleben und der Ausübung eines sinnstiftenden Jobs? So auch geschehen bei Bianca Monzer, die am Beginn ihres Master-Studiums Maschinenbau und Management stand, als sie an der Technischen Universität München (TUM) auf das englischsprachige Femtec-Career-Building-Programm aufmerksam wurde. Als Ingenieurwissenschaftlerin und Studentin einer technischen Universität sei sie von jeher daran gewöhnt gewesen, mit Männern zu studieren. Auch habe sie fast ausschließlich männliche Freunde gehabt. „Man hat schon gemerkt, wenn vielleicht auch nicht bewusst, dass da etwas fehlt“, sagt Monzer rückblickend. „Nach Femtec wussten wir alle, was da gefehlt hat.“ Und zwar „ein Gefühl von Empowerment und Fokussierung auf das, was Frau will“. Diese Form der gegenseitigen Unterstützung habe sie so zuvor noch nie erlebt, weshalb sie das Programm jeder Frau empfehle, bekräftigt die Absolventin voller Enthusiasmus.

Networking und Grenzen ausloten

Bianca Monzer
© Heddergott/TUM

Bianca Monzer absolvierte von September 2018 an das Femtec-Programm. Sie hat 2019 ihren Master Mechanical Engineering and Managament an der TUM gemacht und ist seit Februar 2020 Trainee in der Automobilindustrie: „Kennen Sie das Impostor-Syndrom, wonach man sich bei Erfolg wie ein/e Hochstapler/in fühlt? Betroffene denken: Wann merken alle, dass ich den Erfolg nicht verdient errungen habe? Was Femtec meiner Meinung nach entfacht, ist, sich selbst zu empowern und sich – dem Impostor-Syndrom zum Trotz sozusagen – nicht selbst im Weg zu stehen. Weniger zu zweifeln und sich gewiss zu sein: Die Bestätigung von außen brauche ich nicht.“

Ein Aspekt, warum das Career-Building-Programm der Femtec ihr derart weitergeholfen habe, sei gewesen, dass man die Frauen darin unterstützt habe, sich der eigenen Stärken und Bedürfnisse bewusst zu werden – und auch dafür einzustehen. „Wir waren 50 Frauen auf einem Haufen und das war fantastisch. Es ist eine Freude gewesen, an Selbstreflexion, Karrierezielen und Selbstbewusstsein zu arbeiten. Zu sagen, was man will. Zu äußern: Ich will Managerin werden“, berichtet Monzer. Bis zum Masterstudium habe sie das nie mit solch einer Gewissheit aussprechen können. Einen nicht unerheblichen Anteil daran habe auch der unverkrampfte Austausch der Femtec-Teilnehmerinnen untereinander gehabt. „Männer treffen sich in Burschenschaften und gehen golfen – klar, das sind Klischees, die jedoch einen wahren Kern haben: Männer netzwerken. Und das auf natürliche Art und Weise, auf Basis eines etablierten Systems,“ sagt Monzer. Auch Frauen sollten die Möglichkeit haben, auf solch natürliche Art und Weise zum Netzwerken geführt zu werden. Für Monzer sei das mit Femtec bis dahin eine völlig neue Erfahrung gewesen. Eine Erfahrung mit Aha-Effekt.

Dass viele Teilnehmerinnen ihre Erfahrungen mit Femtec als äußerst inspirierend und wegweisend empfunden haben, kommt nicht von ungefähr. Die Kombination aus gezielter Selektion der Bewerberinnen, sinnstiftenden Coaching-Angeboten, praxisorientierten Workshops und der Realisierung von Schnittstellen zur Wirtschaft stellt den Nährboden für ein derart fruchtbares Career-Building Programme dar. An die 800 Mitglieder zählt daher auch bereits der 2008 gegründete Femtec Alumnae e.V., der zum Großteil aus Absolventinnen des Career-Building-Programms besteht. Sein Ziel ist es, ein Netzwerk für technikbegeisterte, hochqualifizierte und engagierte Frauen mit einem akademischen Hintergrund in MINT-Fächern zu bieten. Seine Vision: „Frauen.Verändern.Gesellschaft.“

50 Frauen, 12 Monate, 1 Mission

Doch zum eigentlichen Femtec-Konzept: Im Detail läuft das englischsprachige und – aus aktuellem Anlass derzeit – virtuelle Programm, das zwei Mal im Jahr angeboten wird, wie folgt ab: Adressiert werden MINT-Studentinnen, die an den mittlerweile acht Partner-Universitäten von Femtec immatrikuliert sind. Dazu gehören RWTH Aachen University, TU Dresden, Universität Stuttgart, TU München, TU Berlin, Karlsruher Institut für Technologie, TU Darmstadt und ETH Zürich. Interessentinnen können sich bei Femtec auf einen von 50 Plätzen bewerben. An die 200 Bewerbungen pro Kurs gehen dabei in der Regel ein. Ein entscheidendes Ausschlusskriterium ist also auch das Vorauswahlverfahren. „Wir suchen wohlgemerkt ganz bestimmte Frauen“, führt Femtec-Geschäftsführerin Marion Zeßner weiter aus. „Frauen, bei denen man das Gefühl hat, dass sie gestalten und etwas in ihrem Leben erreichen wollen.“ Geachtet werde dabei zum Beispiel auf gesteigertes Engagement seitens der Bewerberinnen auch abseits des gewohnten Rahmens: Hat man sich beispielsweise als Schülersprecherin hervorgetan oder bereits als Praktikantin – zusätzlich zum schon aufreibenden Studium – Erfahrungen in einem Bereich gesammelt? In der weiteren Vorauswahl, in die sowohl die Partner-Unis als auch die Partner-Unternehmen involviert sind, stellen sich die Bewerberinnen schließlich im Rahmen eines Assessment Centers verschiedenen Aufgaben und Interviews. Ein wertvoller Punkt sei dabei laut Monzer gewesen, dass man später ein sehr ausführliches professionelles Feedback-Telefonat erhalten habe – unabhängig davon, ob man  Stipendiatin wurde oder nicht. „Eine Bereicherung für die Bewerbungszeit, in der wir uns befinden.“

Wer es schließlich ins Programm geschafft hat, profitiert von mehreren logisch konzipierten Modulen, die insgesamt über ein Jahr gehen. Dabei lernen die Teilnehmerinnen aktuelle Trends der Projektarbeit kennen und können praxisnah ihre Soft Skills wie beispielsweise Kreativität, Intrapreneurship oder Kompetenzen in der interkulturellen und virtuellen Zusammenarbeit erweitern. „Das Herzstück bilden drei aufeinander aufbauende ‚Schools‘, also Workshops mit Seminaren, um die Frauen genau zu diesen Themen zu qualifizieren“, sagt Marion Zeßner. Die Teilnehmerinnen setzen sich in diesem Zusammenhang tiefgreifend mit verschiedenen Fragen auseinander: Möchte ich Teams führen, Projektleiterin werden – oder promovieren? Und warum muss ich mich überhaupt entscheiden? Wie erkenne ich meine Stärken? Welche Karriereoptionen gibt es für mich? Wie baue ich nachhaltige Netzwerke auf? Welche Werte sind mir wichtig für meine eigene Karriere? Wie kann ich mit einem Team Innovationen entwickeln? Welche aktuellen Herausforderungen haben Unternehmen beim nachhaltigen Wandel, bei der Digitalisierung? Und was kann mein Beitrag dazu sein? „Ganz wichtig ist auch das Thema Netzwerken, das im Curriculum einen hohen Anteil hat. Wie bilde ich Netzwerke und wie nutze ich sie produktiv für mich und meine weitere Karriereentwicklung?“, so die Femtec-Chefin. Ein weiterer entscheidender inhaltlicher Aspekt sei zudem das Thema Führung. „Wir nehmen aber auch wahr, dass sich der Führungsbegriff geändert hat – also nicht mehr so starke klassische hierarchische Strukturen in Unternehmen vorhanden sind.“ Aus diesem Grund habe sich mittlerweile „Gestaltungswille“ als Schlüsselwort etabliert, so Zeßner.

Über Femtec

Femtec feiert in diesem Jahr 20-jähriges Jubiläum. Gegründet wurde die GmbH 2001 von den Gesellschafterinnen EAF Berlin und TU Berlin. Ziel aller Aktivitäten des Unternehmens ist es, weibliche MINT-Nachwuchskräfte in ihrer Karriereentwicklung zu unterstützen, ihre Kompetenzen zu stärken, sie besser untereinander und mit relevanten Unternehmen und Forschungseinrichtungen zu vernetzen – um auf diese Weise gesellschaftliche Veränderungsprozesse aktiv mitzugestalten. Seit 2018 verleiht Femtec darüber hinaus den „Femtec Award“ an Personen und Initiativen in den Kategorien Leadership, Innovation und Social Impact. Das Femtec-Netzwerk qualifiziert nach eigenen Angaben mit Angeboten bereits in der Schule und ermöglicht zielstrebigen Studentinnen mit dem Career-Building-Stipendium ausgezeichnete Karriereperspektiven. Diversity-Programmentwicklung für Organisationen und Karriereberatung für Professionals sind weitere Bausteine zur Stärkung vielfältiger Organisationen. Das englischsprachige Career-Building-Programm wird von Femtec jeweils zwei Mal im Jahr – im März und September – angeboten. Die nächste Möglichkeit zur Anmeldung startet für Studentinnen der beteiligten Universitäten am
18. Oktober 2021.

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1. „Ein Gefühl von Empowerment“
2. Schnittstelle zur Wirtschaft

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