Systemischer Wandel

Ein endloser Innovationsprozess


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Der Weg ist das Ziel

Der Begriff Future Architecture wurde von Sharon Chang (siehe folgender Teil) in Leben gerufen und bezeichnet einen wertebasierten, kooperativen Ansatz, um systemischen Wandel zu forcieren. Im Kern geht es um die Zusammenarbeit von Einzelnen und Organisationen, um mittels Frameworks und Plattformen die Welt von morgen für alle Menschen schöner und besser zu machen. Der Ansatz verfolgt dabei kein bestimmtes Vorgehen oder Endergebnis, sondern sieht den kollaborativen Prozess an sich als zentrales Element dafür, Veränderungen zu erzielen.

Konkret auf das Handeln von marktwirtschaftlich orientierten Unternehmen bezogen, bedeutet dies, in Zusammenarbeit mit allen Stakeholdern Geschäftsmodellinnovationen zu ersinnen und zu entwickeln, die die Zukunft positiv beeinflussen und gestalten. Und dabei die Anforderungen und Bedürfnisse von Menschen, Umwelt und marktwirtschaftlichen Interessen auszutarieren. Idealerweise sollte dies über folgende Phasen eines entsprechenden Innovationsprozesses geschehen:

  1. Dem Problem einen Rahmen geben: Zu Beginn des Prozesses, dem „Problem Framing“, wird im Rahmen eines Plannings mit allen Sponsoren und Initiatoren festgelegt, welches Problem es in Angriff zu nehmen gilt und in welchem Rahmen der Innovationsprozess ausgestaltet werden muss. Beispiel: Ein zu hoher CO2-Ausstoß ist um 50 Prozent zu reduzieren. Oder: Die Arbeitskräfte bei Zulieferern sind unterbezahlt. Ihre Arbeitsbedingungen sollten zukünftig deutlich über den Mindeststandards liegen. Eine große Rolle bei diesem ersten Schritt spielt das gegenseitige Commitment auf betriebswirtschaftliche KPIs, die erreicht werden sollen. 
  2. Interessen und Trends erkennen: Im zweiten Schritt geht es darum, die Bedürfnisse von Kunden und anderen Stakeholdern zu identifizieren und diese mit in den Planungsprozess einfließen zu lassen. Die Beobachtung aktueller Marktentwicklungen und aufkommender Trends hilft dabei, den eigenen Innovationsprozess sinnvoll auszurichten und alle Beteiligten mit ins Boot zu holen. Für ein bestmögliches Abbild unterschiedlicher gesellschaftlicher Meinungs- und Interessensbilder ist es erforderlich, die einzelnen Innovationseinheiten so vielfältig wie möglich zusammenzustellen. Dieser Punkt ist so einfach und dabei doch so schwer zu realisieren, denn echte Diversität und Inklusion sind in vielen Unternehmen und Bereichen nur schwer zu erreichen. Jedoch zahlt sich frühes Commitment zu eben diesen Werten in Form von überraschenden Ergebnissen und einer erfolgreichen gemeinsamen Zusammenarbeit aus.
  3. Der Zukunft auf die Spur kommen: Als nächstes werden anhand der in Schritt zwei konkretisierten Markt- und Trendentwicklungen mögliche Zukunftsszenarien erforscht. Die Szenarien mit den höchsten Eintrittswahrscheinlichkeiten dienen dabei als Zielkorridor, für den dann innovative Lösungen kreativ herausgearbeitet werden.
  4. Testen, Testen, Testen: Die besten Ideen bringen nichts, wenn sie nicht funktionieren. Daher kommt der Testphase von Innovationen eine große Bedeutung zu. Prototypen müssen auf Basis der erdachten Ideen entwickelt und in unterschiedlichsten Kontexten angewendet und getestet werden. So lassen sich wichtige Erkenntnisse generieren, die fortlaufend in die weitere Ausgestaltung und Optimierung der Zukunftsidee eingearbeitet werden.
  5. Skalierungspotenzial bergen: Warum sollte ein Logistikunternehmen sein für den urbanen B2C-Bereich konzipiertes, neues Lieferkonzept nicht auch auf den Cargo-Bereich übertragen, um noch größere Mengen CO2 einzusparen? Das ganze Potenzial einer guten Idee zeigt sich nicht immer gleich zu Beginn des Innovationsprozesses. Mithilfe von Skalierungsprozessen lässt sich eine Idee bis zu ihrem maximalen Impact weiterentwickeln.
  6. Die Karten auf den Tisch legen: Im sechsten und letzten Schritt werden alle Ergebnisse des bisherigen Innovationsprozesses zusammengeführt, mithilfe von Venture Design strukturiert und für den Roll-out vorbereitet. Wirklich zu Ende ist der Innovationsprozess jedoch nie, da der Status quo immer wieder überprüft, weiterentwickelt oder an sich wandelnde Rahmenbedingungen angepasst werden muss.

Julio Luis, Director Business Design & Innovation bei Triplesense Reply. Future Architecture war eines der Themen, die auf der Xchange vorgestellt und diskutiert wurden. Die Reply Xchange ist die jährliche Veranstaltung zu Innovationen und Technologien für Reply-Kunden und -Mitarbeiter und fand online Mitte Juni statt.

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