funkschau Serie Digitalpioniere

Digitalisierung von Stadtwerken

19. September 2022, 15:02 Uhr | Redaktion: Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
Datenautobahn
© Jamesteohart / 123rf

Wichtige Schlüsseltechnologien, erste Schritte der Digitalisierung und auch Herausforderungen – ein Digitalpionier berichtet von der Digitalisierung in Stadtwerken.

Stadtwerke München, Jörg Ochs
Jörg Ochs ist seit 2019 Leiter der IT bei den Stadtwerken München (SWM). Damit verantwortet er die Digitalisierung der öffentlichen Infrastruktur der Stadt. Darunter fällt die Energie- und Trinkwasserversorgung sowie das Netzmanagement, aber auch der Betrieb von städtischen Hallen- und Freibädern.
© Stadtwerke München

funkschau: Wie sieht die Digitalisierung in Ihrem Unternehmen konkret aus?

Jörg Ochs: Wir als SWM verstehen die Digitalisierung als Chance, den technologischen Wandel aktiv selbst zu gestalten, anstatt nur daran teilzuhaben. Dabei sind die Handlungsfelder so breit gefächert wie unsere Aufgaben – von Energie (Strom, Erdgas, Fernwärme, Fernkälte) über Infrastruktur, Trinkwasser, Bäder und Mobilität. Wir beobachten Trends, erproben neue Technologien im Rahmen von Pilotversuchen und setzen erfolgreiche Ansätze um. Konkret heißt das: Wir richten uns nach dem Mehrwert für KundInnen aus, gestalten unsere Prozesse wo nötig neu und bringen dies in Einklang mit den Unternehmenswerten wie Ökologie und Verlässlichkeit.

funkschau: Welche Schlüsseltechnologien sind für Sie dabei besonders wichtig?

Ochs: Das Kernstück für das Gelingen der Digitalisierung im Unternehmen ist, dass diese nicht ausschließlich zentral vorangetrieben wird. Viel wichtiger ist, dass Unternehmensbereiche dezentral das notwendige Bewusstsein und die Kompetenzen sowie Freiräume haben, digitale Lösungen gemeinsam oder für den eigenen Arbeitsbereich zu erarbeiten. Wir als SWM setzen dabei unter anderem auf Citizen Development mit Low Code zum Beispiel für Prozessautomatisierung, auf Cloud-Technologie für Skalierbarkeit und Flexibilität, auf Tools wie Microsoft 365 für bessere Zusammenarbeit und das Internet der Dinge, mit dem wir München als Smart City weiterentwickeln.

funkschau: Was sind die ersten Schritte für ein Unternehmen, um die eigene Digitalisierung voranzutreiben?

Ochs: Die Digitalisierung durchdringt viele Bereiche, bewusst oder unbewusst. Steht man hier ganz am Anfang seiner Überlegungen, würde ich bei den Unternehmenszielen und der zugehörigen Strategie beginnen. Wie sind diese von der Digitalisierung betroffen? Eine klassische SWOT-Analyse kann hier beispielsweise schon eine erste Perspektive bieten. Danach kann man sich auf seine Kernprozesse und Werttreiber fokussieren und davon ausgehend Handlungsfelder identifizieren. Darüber hinaus lohnt sich auch der Austausch in Verbänden, um zum Beispiel Impulse aus der Branche aufzunehmen.

funkschau: Worin sehen Sie die größten Herausforderungen der Digitalisierung in Ihrem Unternehmen?

Ochs: Die Herausforderung sehe ich bei der hohen und weiter steigenden Komplexität für Unternehmen. Von Daten bis hin zu Technologien, Trends und Anforderungen, alles wird immer umfangreicher. Hier braucht es Weitblick und strategische Planung. Bei den vielfältigen Tätigkeitsfeldern der SWM ergeben sich natürlich dadurch auch viele Schnittstellen und Abhängigkeiten. Daher ist die größte Herausforderung zugleich eine der größten Chancen: die Digitalisierung so zu orchestrieren und die MitarbeiterInnen so zu befähigen, dass konzernübergreifend Mehrwerte geschaffen werden. Dazu gehört auch viel Mut, Veränderungsbereitschaft und Eigenverantwortung bei allen MitarbeiterInnen und Führungskräften.


Anbieterkompass