Rettungsdienste im Einsatz

„Digitalisierung rettet Leben“

Stephan Heuer, Vomatec
Ein Interview mit Stephan Heuer, Geschäftsführer von Vomatec Innovations, Anbieter von Sicherheits- und Gefahrenmanagement-Systemen made in Germany.
© Vomatec

Die Flutkatastrophe hat deutlich gemacht, wie wichtig funktionierende Gefahrenmanagement-Systeme sind. Für viele Einsatzkräfte stellt sich vor diesem Hintergrund die Frage, mit welchen Tools sich wirklich Mehrwerte für die Rettungskräfte vor Ort generieren lassen. Ein Interview mit Vomatec.

funkschau: Laut Atlas-Studie der zu den UN gehörenden Weltwetterorganisation (WMO) tritt Extremwetter heute vier bis fünf Mal so häufig auf wie noch in den 1970er-Jahren und richtet sieben Mal so hohe Schäden an. Rettungsdienste und Krankenhäuser werden zukünftig immer stärker gefordert sein. Welche Bedeutung kommt vor diesem Hintergrund Gefahrenmanagement-Systemen zu?

Stephan Heuer: Um auf diese Ereignisse effizienter reagieren zu können, müssen Einsatzmanagement-Systeme Verantwortliche bestmöglich darin unterstützen, zügig qualitative Entscheidungen zu treffen und so Reaktionszeiten aller Beteiligten drastisch zu verkürzen. Hierfür ist eine auf Echtzeitinformationen basierende Fakten- und Datenlage entscheidend. Datengetriebene Entscheidungen müssen auch in komplexen Einsatzlagen zum Standard werden – und das nicht nur bei einem Einsatz, sondern auch bei nachgelagerten Prozessen, wie der Datenübergabe für die Aufnahme eines Betroffenen in Kliniken. Durch den Einsatz von digitalen Lösungen kann kostbare Prähospitalzeit eingespart werden.

funkschau: Wie kann Digitalisierung Ihrer Meinung nach konkret dabei helfen, Rettungsdienste bei ihren Einsätzen zu unterstützen?

Heuer: Bereits zu Beginn eines Einsatzes sollten Verantwortliche möglichst viele Informationen über die Lage vor Ort erhalten. So können sie zielgerichteter vorgehen, etwa bei der Verteilung von Personen nach Verletzungsmustern auf entsprechend spezialisierte Kliniken. Digitale Sichtungssysteme ersetzen Papierkarten und erlauben Verletzte einfacher zu kategorisieren. Ebenso verbessert eine umfassende Datenlage die bei überregionalen Ereignissen notwendige Koordination mehrerer Einsatzzentralen. Das Gleiche gilt für die Zusammenarbeit zwischen mehreren Hilfsorganisationen wie DRK, Malteser oder auch Johannitern. Die Digitalisierung erlaubt also zuverlässigere Entscheidungen in der Lagekommunikation und Einsatzbewältigung – Effektivität und Effizienz steigen somit. Schlussendlich kann Digitalisierung Leben retten.

funkschau: Welche Tools beziehungsweise Technologien werden in diesem Zusammenhang eingesetzt? Und wie lassen sie sich in bestehende Systeme integrieren?

Heuer: Digitale Systeme wie „Rescue Wave“ liefern so schnell wie möglich Antworten auf die wichtigsten Fragen von Führungskräften in einem Großeinsatz: Wie viele Betroffene gibt es und wo befinden sie sich? Wer muss priorisiert versorgt werden? Wie führen Verantwortliche Lagebesprechungen? Wo sammeln und speichern sie Informationen? Das System können Verantwortliche über entsprechende Schnittstellen in einen Rettungseinsatzwagen integrieren und es zum Beispiel bei kleinen Lagen und Suchaktionen verwenden.

funkschau: Und welche Aspekte gilt es bei der Entwicklung und Herstellung solcher Lösungen zu bedenken?

Heuer: Hersteller müssen die noch immer unzureichende Mobilfunkabdeckung bei der Entwicklung beachten. Grundsätzlich muss Einsatztauglichkeit, Funktionalität und Robustheit kombiniert werden. Vomatec hat daher bei der Entwicklung von Rescue Wave großen Wert auf Resilienz und autarke Kommunikation gelegt. Das System bringt sein eigenes Netzwerk mit und funktioniert unabhängig von Online-Services.


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  2. Datenschutz: Nicht nur in der digitalen Welt ein Thema

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