Harte Einschnitte durch Sanktionen

Deutsche Wirtschaft leidet unter Ukraine-Krieg

4. März 2022, 11:16 Uhr | dpa/Redaktion: Lars Bube | Kommentar(e)

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Lieferketten gestört

Wegen des Kriegs kommt es auch zu Produktionsunterbrechungen in deutschen Autowerken, weil Teile von Zulieferern in der Ukraine fehlen. Alexander Markus, Vorstandsvorsitzender der Deutsch-Ukrainischen Industrie- und Handelskammer, sagte, er persönlich rechne damit, dass es noch weitere Unterbrechungen der Lieferketten geben werde.

Markus schilderte eindrücklich die Lage in der Ukraine. Die Sorgen um Mitarbeiter seien sehr groß, er habe täglich Kontakt. Sie gingen nachts in Keller und stellten sich morgens oder tagsüber in die Schlange, um Essen zu kaufen oder Medikamente. Die Kammer arbeite trotzdem weiter.

In der vergangenen Woche, als der Krieg schon lief, hätten immer noch einige Unternehmen produziert, sagte Markus. Er vermute, es seien aber immer weniger. „In der Regel fahren sie dann die Produktion runter, frieren ihre Unternehmen ein. Da ist dann nur noch der Wachschutz, der die Unternehmen beschützt.“

Habeck betonte, die deutsche Wirtschaft kümmere sich mit großer persönlicher Verantwortung um ihre Mitarbeiter vor Ort, versuche, sie rauszuholen und helfe bestmöglich jenen, die sich zum Bleiben entschieden.

Der DIHK blickt nicht nur in die Ukraine, sondern auch nach Russland. Im vergangenen Jahr stieg das deutsche Handelsvolumen mit Russland um mehr als 34 Prozent auf knapp 60 Milliarden Euro. In diesem Jahr dürfte es drastisch einbrechen, sagte Treier. Die Wirtschaft unterstütze die umfangreichen westlichen Sanktionen gegen Russland. Diese kämen einem „Vollembargo“ gleich. Doch die Kosten sind hoch: Rund 250.000 Stellen bei Unternehmen in Deutschland hingen von Exporten nach Russland ab.

Immer mehr Firmen liefern gar nicht mehr nach Russland oder stellen Verkäufe dort ein. Am Donnerstag gab Volkswagen bekannt, sein Russland-Geschäft auszusetzen. „Vor dem Hintergrund des russischen Angriffs hat der Konzernvorstand entschieden, die Produktion von Fahrzeugen in Russland bis auf weiteres einzustellen“, hieß es aus Wolfsburg. VW betreibt in Kaluga südwestlich von Moskau und im weiter östlich gelegenen Nischni Nowgorod eine eigene Autofertigung. Auch Exporte der größten europäischen Autogruppe nach Russland würden „mit sofortiger Wirkung gestoppt“. Auch Mercedes-Benz hatte seine Exporte nach Russland sowie die Fertigung dort eingestellt.


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  2. Lieferketten gestört
  3. Produktionsbänder stehen still

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