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Data Sharing

Data for Future

07. Dezember 2020, 09:00 Uhr   |  Autor: Jean-Michel Franco / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Data for Future
© Bild: fs Quelle: 123rf

Ziel der Digitalstrategie ist es unter anderem, den Austausch von Informationen zwischen privaten und öffentlichen Organisationen zu erleichtern.

"Die EU zum Vorbild für eine digitale Gesellschaft machen" lautet das Ziel der im Februar vorgestellten Digitalstrategie der EU. Darin wird formuliert, wie Europa seine digitale Souveränität festigt. Daten spielen dabei eine zentrale Rolle und sollen zum Motor der europäischen Wirtschaft werden.

Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) war ein erster Schritt der EU, um die Rechte des Einzelnen an seinen Daten sowie das Datenbewusstsein in der Gesellschaft zu stärken. Mit der Digitalstrategie setzt die EU-Kommission den eingeschlagenen Weg fort und denkt weitere Regeln zur Datennutzung innerhalb und außerhalb der Europäischen Union an. Geplant sind „Data Spaces“, die eine gemeinsame Nutzung von Daten in Bereichen wie Produktion, Gesundheit oder Umwelt ermöglichen. Dabei stellt sich die Frage, wie dieses „Data Sharing“ zwischen Organisationen erleichtert werden kann, ohne das Vertrauen der Öffentlichkeit zu verletzen und gleichzeitig die ordnungsgemäße Nutzung der Daten sicherzustellen. Darüber hinaus müssen viele Organisationen noch davon überzeugt werden, Daten von öffentlichem Interesse mit anderen Marktteilnehmern zu teilen.

Teilen oder nicht teilen?

Heute erzeugen beinahe alle Tätigkeiten große Datenmengen, die von privaten, halbstaatlichen oder öffentlichen Organisationen gesammelt werden. Damit steht die Frage im Raum, welche dieser Daten öffentlich sind und sich gemeinsam nutzen lassen. Auf Basis von Daten können Unternehmen heute innovative Dienstleistungen und neue Produkte entwickeln oder zur Verbesserung öffentlicher Dienstleistungen beitragen. Einige Branchen sind schon weit fortgeschritten in der Auswertung und dem Austausch von Daten, wie beispielsweise der Bankensektor. Hier wurde zum Beispiel die Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 (Payment Services Directive 2) implementiert, um auch Drittanbietern den Zugang zum Markt für Zahlungsdienste zu ermöglichen. Damit entsteht ein größerer Wettbewerb durch eine steigende Anbieteranzahl. Andere Sektoren wie Landwirtschaft, Handel oder Verkehr sollten ebenfalls ihre Daten verstärkt miteinander teilen, um Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu fördern. Allerdings glauben viele Unternehmen, dass die gemeinsame Datennutzung vor allem bedeutet, ihre Geschäftsgeheimnisse preiszugeben. Das Teilen von Daten kann jedoch dazu beitragen, Unternehmen als führend im eigenen Sektor zu positionieren. Durch die gemeinsame Nutzung von Datenbeständen wird die Innovationskraft einer Branche gefördert, da neue Dienstleistungen entstehen. Daher ist Data Sharing ein wichtiger Schritt für die Digitale Transformation der gesamten Gesellschaft, die die EU-Kommission ja mit ihrer Digitalstrategie anstrebt.

Erfolgsmodell Data Sharing

Wie Data Sharing funktionieren kann, zeigen Branchen, in denen bereits Datenplattformen existieren. Im Luftfahrtsektor haben sowohl die Lufthansa mit „Aviatar“ als auch Flugzeugbauer Airbus mit „Skywise“ solche industriespezifischen Plattformen aufgebaut. Fluggesellschaften, Hersteller und andere Unternehmen können hier ihre Daten teilen, um dazu beizutragen, die Leistungsfähigkeit von Flugzeugen zu verbessern oder Prozesse zu optimieren und zu digitalisieren. Auch im Gesundheitswesen kann der Austausch von Daten Vorteile bringen. Schon seit einigen Jahren wird in Deutschland über die elektronische Patientenakte diskutiert, in der alle Gesundheitsdaten eines Patienten gespeichert werden. Damit würden Ärzte leichter und schneller Zugang zu der Patientenhistorie erhalten. Mit den gespeicherten Daten können aber auch – in anonymisierter Form – Rückschlüsse über Krankheitsmuster gezogen werden, beispielsweise, wenn sich in einer bestimmten Region das Auftreten von spezifischen Symptomen häuft. Die Corona-Krise hat außerdem gezeigt, wie Data Sharing beim Kampf gegen ein solches Virus helfen kann: So hat die Deutsche Telekom dem Robert Koch-Institut anonymisierte Bewegungsdaten von Teilnehmern aus ihrem Mobilfunknetz zur Verfügung gestellt. Dadurch konnten Bewegungsmuster genauer untersucht werden, um so mögliche Verbreitungswege des Virus besser nachvollziehen zu können.

Eine Situation wie die aktuelle Pandemie verleiht Daten einen gemeinnützigen Charakter. Richtig eingesetzt und reguliert, können sie  eine Triebkraft im Risikomanagement sein; der Austausch schafft Transparenz in Märkten. Zudem wird eine neue Datensolidarität benötigt, um die Digitale Transformation voranzutreiben. Zum einen ermöglicht der Zugang zu Daten durch Data Sharing ein größeres Verständnis über Ereignisse, die für eine nachhaltige Veränderung unserer Welt sorgen könnten. Ein gesellschaftlich wichtiges Thema ist zum Beispiel der Klimawandel. Der Zugang zu Klima-Daten kann helfen, Hintergründe und Ursachen des Klimawandels besser zu verstehen und so neue Lösungen zu entwickeln. Zum anderen würde dieser Datenzugang gemeinnützigen Initiativen zusätzliche Stärke verleihen, Stichwort „data for good“. Data Sharing kann zum Aufbau einer neuer Wohlfahrtsgesellschaft beitragen, in der die Regierung dank der zur Verfügung gestellten privaten Daten neue Hilfsmöglichkeiten schaffen können. Die Nutzung von Daten hilft, das Bewusstsein und das Verständnis der Bürger für die Welt zu schärfen oder ermöglicht durch Data Sharing einen breiteren Blick auf Phänomene in sozialen Netzwerken. Verschiedene solcher Initiativen haben bereits zu gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Verbesserungen geführt. Auf der Webseite Datacollaboratives.org wird deutlich, dass die Zusammenarbeit mithilfe von Daten bereits umfassend ist. Das Unternehmen BBVA Data & Analytics hat zum Beispiel Banktransaktionen untersucht, die während dem Hurrikan Odile im Jahr 2014 erfolgten, um so die Widerstandsfähigkeit von Gemeinschaften nach Naturkatastrophen zu ermitteln. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt „Data2x Financial Inclusion for Women“, für das mehrere Finanzorganisationen planen, Bankdaten zu sammeln, um Frauen einen besseren Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen.

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