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Data Sharing

Data for Future

07. Dezember 2020, 09:00 Uhr   |  Autor: Jean-Michel Franco / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Mehr digitale Bildung gefordert

Wie von der EU-Kommission vorgesehen, wird ein Bildungsprogramm benötigt, das die Bürger über ihre Daten und deren Verwendung aufklärt. Sonst kann Data Sharing für Bürgerzwecke sehr schnell den gegenteiligen Effekt erzeugen: Daten könnten missverstanden oder falsch interpretiert werden. Auch die bereits vorhandene Ungleichheit in Daten würde sich verstärken. Dasselbe gilt für die Qualität und Relevanz von Daten. „Gemeinsame Nutzung von Daten zwischen Unternehmen und Behörden im öffentlichen Interesse“ ist ebenfalls Teil der Digitalstrategie der EU. Es wird notwendig sein, den Informationsaustausch aktiv zu gestalten, sowie Grenzen und ethische Regeln zu definieren, um das Beste aus dieser großen Ressource zu machen und gleichzeitig die Bürger zu schützen. Prinzipiell kann jeder Bürger von Data Sharing profitieren. Wir haben die Geburtsstunde der Datenwissenschaft in den letzten Jahren erlebt – und in den nächsten zehn Jahren wird die gemeinsame Nutzung von Daten weiter zunehmen. Die Europäische Union will dabei ein Vorreiter und Gesetzgeber sein, zum Wohle der Allgemeinheit und der Wirtschaft. Mit ihrer Digitalstrategie hat sie dafür Möglichkeiten und Wege definiert. Jetzt kommt es darauf an, dass Bürger, Unternehmen und Staaten diese gemeinsam umsetzen.

Jean-Michel Franco, Product Marketing Manager bei Talend

Gewichtige Effekte

Digitale Märkte werden zunehmend von Unternehmen dominiert, die große Mengen an Daten zusammenführen – immer mehr Macht liegt in wenigen Händen. Wie kann den starken Konzentrationen in der Plattformökonomie begegnet werden? Diese Fragestellung nahm „Der Mittelstandsverbund“ zum Anlass und beauftragte ein Expertenteam, bestehend aus Nikolas Guggenberger und dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) in Person von Vera Demary und Christian Rusche, mit der Erstellung einer Studie zum Thema Data Sharing. Im Fokus der Studie: Die Verbesserung der Rahmenbedingungen der digitalen Plattformökonomie für mittelständische Kooperationen im Einzel- und Großhandel sowie Dienstleistungssektor. „Gerade mittelständische Kooperationen und deren Mitglieder geraten durch die ungehemmte Entstehung von Daten-Monopolen ins Hintertreffen. Um mit den großen Online-Plattformen wie etwa Amazon mithalten zu können, die über ihre riesigen Mengen gesammelter Nutzerdaten eine marktbeherrschende Stellung erlangt haben, benötigen die Handelskooperationen Unterstützung durch die Politik“, appelliert Ludwig Veltmann, Hauptgeschäftsführer Der Mittelstandsverbund. Die Autoren der Studie resümieren darüber hinaus, dass die gemeinschaftliche Nutzung von Daten umfassende Vorteile birgt, sowohl für den einzelnen Datennutzer als auch gesamtwirtschaftlich. Dies liege vor allem in der Nichtrivalität von Daten im Konsum begründet, was bedeutet, dass die gleichen Daten sich simultan von mehreren Nutzern verwenden lassen. Neben dem Zugang zu Daten spiele die Kompetenz in der Analyse und Auswertung von Daten eine entscheidende Rolle für deren Nutzbarkeit. Dies gelte vor allem für KMU, wenn die Plattform, bei der die Daten anfallen, eine wesentliche Größe und damit eine entsprechende Marktmacht erreicht hat, aus der Wettbewerbsnachteile für die KMU erwachsen. Data Sharing sei laut Studie insbesondere dann geeignet die Wettbewerbsnachteile von KMU auszugleichen, wenn sie die Kompetenzen für die Auswertung und damit die Nutzung der Datengemeinsam organisieren – etwa in Form einer Genossenschaft. Dennoch könnten aus einem Data Sharing auch ökonomische Nachteile für diejenigen entstehen, die ursprünglich alleinigen Zugang zu den Daten hatten. Zwar sei die Abschottung eines Marktes, so die Autoren, auf Basis solcher Daten grundsätzlich abzulehnen. Allerdings bilden Daten und deren Auswertung oftmals den Kern digitaler Geschäftsmodelle wie etwa digitaler Plattformen. Die Effekte eines Data Sharing auf solche Geschäftsmodelle, Innovations-und Investitionsanreize sowie den Wettbewerb auf einem Markt seien damit nicht trivial. In der Praxis bedeutet dies, dass aus ökonomischer Sicht stets eine konkrete Einzelfallprüfung unabdingbar ist, um die Sinnhaftigkeit und Wirkungen eines Data Sharing zu evaluieren, bevor über dessen Umsetzung nachgedacht wird. (DK)

 

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