Interview mit Raycap

Das Skelett des Netzwerkkörpers

23. Mai 2019, 16:02 Uhr | | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Das Netzwerk als Blutkreislauf für die Daten

funkschau: Mit der Übernahme von Stealth Concealment Mitte vergangenen Jahres hat Raycap sein Portfolio um Verkleidungslösungen im Kontext Netzwerkinfrastruktur erweitert. Wie sieht diese Erweiterung genau aus? Und was sind die besonderen Herausforderungen bei der Entwicklung und Produktion solcher Lösungen für den kommenden Mobilfunkstandard 5G?

Lange: Zunächst einmal ist es natürlich ein Irrglaube, dass mit 5G alle Funklöcher geschlossen werden können. Dafür ist die Zellgröße zu gering und es werden deutlich mehr Basisstationen benötigt. Die Rede ist von bis zu einigen hunderttausend Basisstationen, je nachdem welche Flächenabdeckung angestrebt wird. Wer nun glaubt, dass die Menschen so viele Antennen klaglos akzeptieren, den würde ich auf die Diskussion um die Verspargelung der Landschaft bei der Windkraft hinweisen wollen. Aus diesem Grund haben wir unser Portfolio entsprechend um Verkleidungslösungen erweitert. Mit dem Know-how unserer letzten Akquisition in den USA, Stealth Concealment, sind wir in der Lage, Antennentechnologie zu verbergen. Das reicht von Lichtmasten bis hin zu gebäudeintegrierten Einzelanfertigungen. In den USA hat etwa ein Auftraggeber zusätzliche Gauben für ein Hausdach beauftragt, die wie gewöhnliche Gauben mit Fenstern aussehen, in Wahrheit aber eine Sende- und Empfangseinrichtung enthalten. Eine besondere Herausforderung ist dabei, dass die Optik und das Design stimmen muss, gleichzeitig aber auch die Durchlässigkeit für die Funkwellen keinesfalls beeinträchtigt werden darf. Mit unserem neuen Verkleidungsmaterial “InvisiWave” sind wir in der Lage, auch im 5G mm Wellenbereich Verkleidungslösungen anzubieten, die keine Beeinträchtigung des Radiosignals bewirken.

funkschau: Zu den Verkleidungslösungen von Raycap gehören auch sogenannte „Stadtmöbel“. Was ist darunter zu verstehen?

Lange: Stadtmöbel sind sämtliche Einrichtungsgegenstände für den Außenbereich, die dort einen gewissen Zweck erfüllen, nicht aber für einen funktionierenden Straßenverkehr nötig sind. Das klingt recht abstrakt, anhand einiger Beispiele ist es aber sehr greifbar. Denken Sie an Straßenlaternen. Sie sind besonders gut geeignet, da sie bereits Stromanschluss haben und eine gewisse Bauhöhe aufweisen, die ja im Kontext der Strahlung wichtig ist. Aber auch Blumenkübel oder selbst Müllbehälter können aktive Mobilfunktechnologie aufnehmen. Ähnlich wie in den USA spielen Designaspekte in den Innenstädten eine große Rolle. Small-Cell-Technologie muss zum Beispiel nicht nur verdeckt werden, die Verkleidungslösung muss auch zum Beispiel den streng geregelten ästhetischen Ansprüchen historischer Kulissen entsprechen.

funkschau: Inwiefern können Stadtmöbel dazu beitragen, Smart-City-Initiativen zu unterstützen?

Lange: Um Smart-City-Konzepte zu realisieren, müssen Daten und Datenverkehr optimal organisiert werden, und zwar recht kleinzellig. Die Verwertung vieler granularer Informationen hin zu einem werthaltigen Ergebnis bedeutet, dass die Informationen erst einmal gesammelt werden müssen. Dafür ist Netzabdeckung erforderlich, wie sie über Stadtmöbelgut realisierbar ist. Wenn die Daten vorhanden sind, müssen diese natürlich zu entsprechenden Recheninstanzen übermittelt, dort verarbeitet und wieder zurückgespielt werden. Hier kommt die Bandbreite wieder ins Spiel, und im letzten Schritt natürlich wieder die kleinzelligen Komponenten im Netz. Damit ist übrigens schon ein wichtiges Stichwort gefallen, kleinzellig. Small Cells werden unser künftiges Mobilfunknetz und die dahinter liegenden Geschäftsmodelle entscheidend prägen.

funkschau: Der Digitalverband Bitkom hat im Rahmen seines Smart-City-Atlas die Themen Verwaltung, Mobilität, Energie und Umwelt als wichtigste Treiber deutscher Smart-City-Projekte benannt. Was macht Ihrer Meinung nach eine „Smart City“ aus?

Lange: Die Bausteine des Bitkom sind schon sinnvoll gewählt. Wichtig ist, das große Ganze dabei nicht zu vergessen: die Gesellschaft. Wir wollen ja einen Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger erreichen, und nicht bloße Technikoptimierungen um ihrer selbst willen. Darum ist ein möglichst integrativer Ansatz wichtig. Wer Mobilität etwa isoliert von Energie oder Verwaltung betrachtet, bildet Inseln. Es war immer der bessere Weg, möglichst übergreifend zu handeln. Ich bin davon überzeugt, dass hier wieder die Netzwerke ins Spiel kommen, als Blutkreislauf für die Daten aus den Inseln und das sie verknüpfende Band. Dieses Band wird letztlich erst die eigentliche Smart City sein, oder der Körper, um im medizinischen Bild zu bleiben.

funkschau: Raycaps Ziel ist es nach eigener Aussage, „kombinierte Lösungen zu bieten, die den Telekommunikationsbedarf decken und zusätzliche Services ermöglichen“. Können Sie dafür konkrete Beispiele nennen?

Lange: Der Ausbau der 5G-Netzinfrastruktur hierzulande ist ja nur noch eine Frage der Zeit, kommen wird die Technologie auf jeden Fall. In Bad Honnef hat die Deutsche Telekom etwa bereits ein 5G-Pilotprojekt mit unseren Straßenmöbeln aufgebaut. In Projekte in Frankfurt und Berlin senden mehr als 50 Antennen mit 5G-Technologie. Die so mögliche und angesprochene Smart City ist für viele Kommunen ein Ziel. Wir unterstützen hier mit kombinierten Lösungen wie interaktiven Informationsterminals, die gleichzeitig Notruf- und Ladestation sind. Natürlich ließe sich das wieder mit einer Laterne kombinieren, usw. Hier werden wir also auch kurzfristig und bedarfsgerecht neue Lösungen erarbeiten, die maßgeschneidert den Anforderungen der jeweiligen Anwender entsprechen. Wir arbeiten da wirklich eng mit Kunden zusammen. Durch solche spezifischen Lösungen werden wir Produkte entwickeln und anbieten können, die dann anderen Kommunen zu Gute kommen.


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