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Cloud Gaming: "Der neue Vertriebskanal für Videospiele"

28. April 2021, 14:30 Uhr | Antwortgeber: Markus Herrmann, Niclas Duchscherer, David Gohlus / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Dem Nischendasein bald entwachsen

Geht es bei Cloud Gaming nur um die Einführung einer neuen Technologie?

Die Einführung von Cloud Gaming ist sicherlich durch die beschriebenen Netzwerk-Technologien erst ermöglicht worden. Dennoch handelt es sich bei Cloud Gaming vielmehr um einen neuen Vertriebskanal für Videospiele. Dabei wird es spannend sein zu beobachten, welche Auswirkungen Cloud Gaming auf den Videospiele-Markt haben wird. Schon jetzt spielen weltweit mehr als 2,5 Milliarden Menschen Video Games. Sollte sich Cloud Gaming durchsetzen, wird die Zahl weiter steigen. Darüber hinaus wird spannend zu beobachten sein, ob und wenn ja welche neuen Spielegenres durch die Einführung von Cloud Gaming entstehen werden. Es zeichnet sich bereits eine Tendenz ab: massenkompatible Spiele, Casual Games, Spiele für die ganze Familie und Spiele, die nicht allzu schwer sind.

Welche Vorteile hat denn der Nutzer im Vergleich zur Nutzung von klassischen Video- oder Computerspielen? Und welche Nachteile sind möglicherweise mit Cloud Gaming verbunden?

Cloud Gaming bietet aus Nutzersicht mehrere Vorteile. Zunächst einmal sind da die Kosten. Bisher benötigt ein Nutzer entsprechende Hardware, um Videospiele nutzen zu können. Damit verbunden sind Investitionen in einen aktuellen Gaming-PC mit hochauflösender Grafikkarte oder eine Gaming-Konsole. Diese Kosten entfallen bei Cloud Gaming komplett. Weiterhin muss der Kunde seine Hardware künftig nicht mehr regelmäßig erneuern und beispielsweise alle fünf bis sechs Jahre die neueste Generation einer Spielekonsole zu kaufen. Die Upgrade-Kosten für die Hardware, um auch künftige Spiele in bestmöglicher Qualität darstellen zu können, übernehmen die Anbieter beiziehungsweise Netzwerkanbieter. Zudem entfallen die Kosten für Software – die eigentlichen Videospiele. Diese können je nach Titel 50 bis 60 Euro betragen.  Beim Cloud Gaming zahlt der Endnutzer oft lediglich eine überschaubare monatliche Abo-Gebühr von circa 10 Euro. Das Abo kann zudem monatlich gekündigt werden. Insgesamt kann man also sagen, dass der Endnutzer ohne hohe Investitionen Zugang zu einem ständig wachsenden beziehungsweise wechselnden Spielekatalog bekommt. Darüber hinaus stellen viele Cloud-Gaming-Anbieter das Thema Familienfreundlichkeit in den Fokus. Der Endnutzer kann beispielsweise über entsprechende Kids-Profile gewährleisten, dass nur altersentsprechende Angebote gespielt werden können. Ein weiterer Vorteil ist der Zugang zum Spieleangebot über verschiedene Endgeräte. Damit kann ein unterwegs angefangenes Spiel auf dem Mobiltelefon beispielsweise auf dem eigenen Heim-PC oder internetfähigem Fernseher weitergespielt werden.
Dem stehen allerdings auch gewissen Nachteile gegenüber. Der Nutzer erwirbt die Computerspiele nicht mehr und hat nach Beendigung des Abonnements keine weitere Nutzungsmöglichkeit. Darüber hinaus ist der Nutzer an den Anbieter gebunden. Sollte dieser ein bestimmtes Spiel beispielsweise nicht lizensiert haben, kann dieses auch nicht gespielt werden. Zudem benötigt der Nutzer eine schnelle Internetverbindung. Andernfalls ist das Spielerlebnis im Sinne von Spielbarkeit und Optik stark durch mangelnde Bandbreite oder hohe Latenz eingeschränkt.

Was können Sie uns zur Gaming-Zielgruppe im Allgemeinen und der Cloud-Gaming-Zielgruppe im Speziellen sagen?

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In Deutschland spielen laut einer aktuellen Umfrage circa 35 Millionen Menschen Videospiele. Das entspricht 41 Prozent der Bevölkerung. Dabei spielen fast genauso vielen Frauen (48 Prozent) wie Männer (52 Prozent). Der durchschnittliche Gamer ist 36 Jahre alt und immerhin fast ein Drittel der Gamer sind 50 Jahre oder älter (29 Prozent). Cloud Gaming hat das Potenzial diese Zahlen zu steigern. Dabei sind insbesondere die Gelegenheitsspieler im Fokus. Das sind Spieler, die sich womöglich gar nicht selbst als Spieler bezeichnen würden, aber eben doch einmal am Tag ein paar Minuten auf ihrem Smartphone spielen oder ein Rätsel lösen. Diese Zielgruppe erhält nun die Möglichkeit zu überschaubaren Kosten einen einfachen und unkomplizierten Zugang zum Thema Videospiele zu bekommen.

Wie groß ist der Markt und welches Marktwachstum erwarten sie im Vergleich zum Videospielmarkt im Allgemeinen?

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Getrieben durch die Coronavirus-Pandemie haben im vergangenen Jahr viele Menschen das Thema Gaming für sich entdeckt. Auch deshalb ist der weltweite Umsatz im Bereich Gaming im vergangenen Jahr auf rund 120 Milliarden Euro gestiegen und hat damit zum ersten Mal die magische Grenze von 100 Milliarden Euro überschritten. Der Teilmarkt für Cloud Gaming ist dabei noch vergleichsweise überschaubar und war nur für etwa 0,3 Milliarden Euro Umsatz verantwortlich. Doch ein Blick auf die erwarteten Wachstumsraten lässt erahnen, dass Cloud Gaming sehr bald den Status einer Nische verlassen wird. Während der Gesamtmarkt bis 2023 laut Prognosen jährlich um stattliche 12,3 Prozent wachsen wird, reichen die prognostizierten Wachstumsraten für den Bereich Cloud Gaming von 73,5 Prozent bis hin zu 137 Prozent – und das pro Jahr.


  1. Cloud Gaming: "Der neue Vertriebskanal für Videospiele"
  2. Dem Nischendasein bald entwachsen
  3. Zusätzliches Geschäftspotenzial durch Cross-Selling

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