Künstliche Intelligenz

Change for a Running System

22. September 2020, 12:00 Uhr | | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Build or buy?

Ein Trend, der sich bereits in der vorhergehenden Umfrage gezeigt hat, setzt sich fort: Der Zukauf von externen AI-Kompetenzen und -Technologien ist für die Unternehmen wichtig. In Deutschland scheint dies besonders ausgeprägt. So geben 55 Prozent der Befragten hierzulande an, AI überwiegend oder sogar vollständig extern zu kaufen. Nur acht Prozent der Unternehmen entwickeln sie komplett selbst. Die Zahlen bestätigen auch den globalen Trend zu „AI as a Service“ und die zunehmende Bedeutung von externen Anbietern bei entsprechenden Anwendungen. Ein Grund dafür ist der Fachkräftemangel im Bereich AI. Für 27 Prozent der deutschen Experten ist die schwierige Suche nach ausreichend qualifizierten Fachkräften eine wesentliche Herausforderung beim Thema Künstliche Intelligenz. Zwar fehlt es auch im Ausland an AI-Spezialisten, jedoch stehen dort andere Problemthemen, beispielsweise Kosten, stärker im Vordergrund. „Die Nachfrage nach AI-Fachkräften bleibt in Deutschland ungebrochen hoch“, erklärt Milan Sallaba, Partner und Leiter des Technology-Sektors bei Deloitte. „Schauen wir uns die gesuchten Jobprofile genauer an, zeigt sich, dass Data Scientists, AI Researcher und erfahrene Projektmanager noch genauso dringend gesucht werden wie im Vorjahr. Lediglich im Bereich Change Management ist der Bedarf um doch recht deutliche sieben Prozentpunkte zurückgegangen. Auch diese Entwicklung ist ein Indiz dafür, dass Künstliche Intelligenz mittlerweile zum Business as usual für viele Unternehmen wird.“

Kurze Amortisationzeiträume
Das Engagement im Bereich AI scheint sich für die Unternehmen auszuzahlen: Laut Einschätzung der befragten Experten amortisiert sich der überwiegende Teil der AI-Projekte in weniger als zwei Jahren. Deutsche Unternehmen gehen im globalen Vergleich sogar von einer kürzeren Dauer aus. Die Zeitspanne, innerhalb der sich AI-Projekte bezahlt machen, hängt auch vom digitalen Reifegrad ab. Während Unternehmen, die gerade erste Erfahrungen mit AI sammeln, vielfach noch nach dem Prinzip „Trial & Error“ agieren, rechnen 42 Prozent der Befragten aus deutschen Unternehmen, in denen bereits umfassende AI-Kompetenzen vorhanden sind, sogar von Amortisationszeiträumen von weniger als einem Jahr. „Zu dieser Gruppe gehören nicht nur die großen Unternehmen, sondern auch der zukunftsorientierte Mittelstand“, sagt Sallaba. „Im internationalen Vergleich ist der deutsche Mittelstand hier besonders gut aufgestellt und weiß meist genau, wie AI im Unternehmen gezielt Mehrwert bringen kann.“

Tina Klüwer,  Parlamind
Tina Klüwer ist CEO und Gründerin von Parlamind, einem Unternehmen für den effizienten Kundenservice mittels KI. Vor der Gründung von Parlamind arbeitete sie über zehn Jahre als Wissenschaftlerin am Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), der Universität Bonn und der FU in Berlin. Im September 2018 wurde sie als Sachverständige in die Enquete-Kommission des Bundestages für Künstliche Intelligenz berufen. Zudem ist Klüwer seit Mai 2019 im Vorstand des KI-Bundesverbandes. 
© Parlamind

Statement Tina Klüwer: Wider die Monotonie
“KI wird meiner Meinung nach in Zukunft eher zur positiven Work Life Balance der Menschen beitragen, als ihre Arbeitsplätze zu gefährden. Die Einsatzgebiete von KI sind vielfältig, aber mich hat früh interessiert wie Computer Sprache verstehen lernen. Und im Bereich Natural Language Processing hat sich in den letzten zehn Jahren einfach unglaublich viel getan: Mittlerweile ist eine KI in der Lage, einfache Dialoge völlig eigenständig zu führen. Vor dem Hintergrund bietet sich der Einsatz einer KI vor allen Dingen im Bereich des Kundenservices an - eben dort, wo sich Standardfragen wiederholen und diese einen Großteil der täglichen Anfragen ausmachen. Diese fast 60% beantwortet eine KI heutzutage vollautomatisch und sehr zu Gunsten eines positiven Kundenerlebnisses: rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Eine KI kann den Menschen vor allen Dingen monotone Arbeiten abnehmen. Das gilt für viele Bereiche und besonders in der Kundenkommunikation. Übernimmt eine Kl die standardmäßig anfallenden Fragen im Kundenservice, kann diese neu gewonnene Arbeitszeit für anspruchsvollere Aufgaben genutzt werden. Mit steigendem Anspruch steigt nachweislich auch die Motivation eines Mitarbeiters für seinen Aufgabenbereich. So kann ich mir konkret vorstellen, dass es in Zukunft für Menschen, die im Büro arbeiten, genauso selbstverständlich sein wird, eine KI als Assistenz zu nutzen wie wir heute auf den Computer und Telefonie zugreifen.“


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