Cloud-PBX-Test

Business-Telefonie aus der Cloud

15. Juli 2022, 12:00 Uhr | Autoren: Diana Künstler und Stefan Adelmann | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

So haben wir getestet

Erstmals hat funkschau im Rahmen des Cloud-PBX-Tests mit zafaco zusammengearbeitet. Ihre Expertise konnten die Benchmarking-Profis aber bereits in zahlreichen Netztests gemeinsam mit der Schwesterzeitschrift connect unter Beweis stellen. Getestet wurden die sieben Cloud-PBX-Produkte technisch zwischen dem 16. Mai und 5. Juni 2022, wobei insgesamt 103.916 Messungen bewertet wurden. Die Erfassung der Produktinformationen sowie die Planung des Testszenarios erfolgte jedoch vorab über mehrere Monate. Die Anbieter stellten zafaco und funkschau für diesen Test die entsprechenden Cloud-PBX-Produkte zur Verfügung.

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Sprachqualitätsmessungen

Prozentuale Verteilung Punkte_OffNet
Prozentuale Verteilung der Punkte für die technischen Parameter und Verbindungen von und zu anderen Cloud-PBX-Anbietern (OffNet) 
© zafaco

Um realistische Bedingungen nachzustellen, setzte zafaco auf verschiedene Standorttypen mit Breitbandanschluss: ein Office in einer Stadt (Köln) und mehrere über Deutschland verteilte Homeoffices (Bonn, Bremen, Dresden und Ismaning). An allen Standorten führte zafaco parallel mehrere Ende-zu-Ende-Sprachqualitätsmessungen durch. Dabei wurden Verbindungen sowohl vom Office in die Homeoffices als auch zwischen den Homeoffices gemessen. Zudem untersuchte zafaco Verbindungen innerhalb der Cloud-PBX-Anlage („OnNet“) und  zu anderen Cloud-PBX-Anbietern („OffNet“) . Bei den OffNet-Calls wurden sowohl für die „A“- als auch die „B“-Seite, also für Anrufer und Angerufenen, Messwerte erhoben. Unaufschiebbare Wartungen der Anbieter wurden bei der Auswertung berücksichtigt, die Ergebnisse aus den entsprechenden Zeiträumen rausgenommen.

Prozentuale Verteilung Punkte_OffNet Fehlerraten
Prozentuale Verteilung der Punkte für die technischen Parameter und Fehlerraten von und zu anderen Cloud-PBX-Anbietern (OffNet)
© zafaco

Bewertet hat zafaco die Messungen vor allem in Hinblick auf drei übergeordnete Kriterien: allem voran die Fehlerrate (wie Anruf- und Registrierungs-Fehlerrate), gefolgt von den Sprachqualitätsparametern (Sprachqualität und -laufzeit) und den Laufzeiten (Rufaufbau-, Verbindungsaufbau- und Registrierungszeit). Die Festlegung der Schwellenwerte erfolgte einerseits auf Basis von vorhanden Standards, anderseits durch Analysen der bestehenden Datenbasis. Zur Ermittlung der Ende-zu-Ende-Sprachqualität der jeweiligen Verbindungen wurde mittels HD-Voice (Codec: G.722) gemessen. Als Rückfalloption auf SD-Voice wurde auch der Codec G.711 durch die Messsoftware unterstützt. zafaco hat Standard-ITU-T Sprachproben männlicher und weiblicher Stimmen mehrfach in beide Kommunikationsrichtungen übertragen und im anschließenden automatisierten Bewertungsverfahren mit den Originalen verglichen. Diese Bewertung der Sprachqualität erfolgte nach dem ITU-T Standard P.863 (POLQA), dessen Algorithmus einen Sprachqualitätswert ermittelt, der letztlich auf der MOS-Skala abgebildet und als MOS LQO-Wert ausgegeben wird. Um im Homeoffice das gleichzeitige Telefonieren und Übertragen von Daten – also die Priorisierung der Sprachdaten bei voller Auslastung der Bandbreite – zu simulieren, haben die Tester an diesen entsprechenden Standorten Sprachqualitätsmessungen mit parallelem Up- und Download berücksichtigt. Für die Office-Standorte gilt dies nicht, denn in der Regel verfügen Bürostandorte über eine separate Voice-Leitung ohne Datenfluss.

Besonderheiten

Die Tester mussten vor dem Start einige Herausforderungen bewältigen. So stellte beispielsweise Ringcentral nach Auffälligkeiten bei der Interoperabilität von Messoftware und SIP-Server einen separaten Server zur Verfügung. Auf Nachfrage erklärte der Anbieter, dass es sich zwar nicht um einen offiziell in der Dokumentation verwendeten Server handelt, dieser aber für spezielle Szenarien auch beim Kunden zum Einsatz kommt. Auch hinsichtlich des Rufaufbaus stach Ringcentrals Lösung heraus: Phone unterschied sich insofern, dass bei Verbindungen zu Nebenstellen erst eine Ansage „Ich versuche zu verbinden“ erfolgte. Erst wenn die Nebenstelle annahm, wurde durchgeschaltet. Der Anruf wird auf Ebene der SIP-Kommunikation am Punkt des Rufaufbaus, also bei der Ansage, bereits als „vollständig verbunden“ signalisiert. Der Standard sieht für ein solches Szenario laut zafaco aber eigentlich das üblicherweise genutzte „Early-Media“-Verfahren vor. Hintergrund könnte laut den Testern die Herkunft aus dem US-amerikanische Markt sein, wo sogenannte „Robocalls“ stärker verbreitet sind. Anrufe können so technisch vorab abgefangen werden, bevor es überhaupt auf der B-Seite klingelt. Die Rufaufbauzeit erwies sich in dem Fall allerdings als nicht erheblich mit Blick auf die gewonnenen Messwerte.

Placetel Profi unterstützt für verschlüsselte Sprachtelefonie zudem nur zertifizierte Endgeräte, weshalb zafaco im Messclient ein solches „vorspielen“ musste. Das kann bei der Auswahl von Endgeräten relevant sein, da ansonsten nur unverschlüsselte Kommunikation möglich ist.

Bei der Telekom-Löung muss zudem an Nicht-Telekom-Anschlüssen – also im Test an drei Homeoffice-Standorten – zwingend verschlüsselte Sprachtelefonie genutzt werden. Mit Blick auf den Datenschutz bringt dies sicherlich Vorteile mit sich, alle anderen Anbieter machen dies nur optional in ihren Settings fest. Zusätzlich muss das Endgerät bei Cloud PBX 2.0 aber das wenig verbreitete und noch nicht abschließend standardisierte Verfahren „Mediasec“ unterstützen. Die Auswahl an Endgeräten und Softphones wird hier also stark eingeschränkt.

Preis-/Leistungsbetrachtung

Den nicht-messtechnischen Part des Tests übernahm die funkschau-Redaktion: Informationen zu den Preis- und Leistungsumfängen der einzelnen Lösungen wurden tabellarisch bei den Anbietern erfragt und anschließend ausgewertet, um darauf aufbauend sowie auf bekannten Standards das Bewertungsspektrum zu definieren. Dabei wurde durch die Redaktion eine Vorauswahl an für den Einsatz besonders relevanten Leistungsmerkmalen der Cloud-Telefonanlagen getroffen, um letztlich eine für Unternehmen gewinnbringende Vergleichbarkeit der sieben Produkte zu gewährleisten.  


  1. Business-Telefonie aus der Cloud
  2. Die sieben Cloud-Telefonanlagen
  3. So haben wir getestet

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