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Googles Such-Index im Griff

Aus Mobile First wird Mobile Only

05. März 2021, 12:30 Uhr   |  Autoren: Patrick Benner und Jürgen Telkmann / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Aus Mobile First wird Mobile Only
© wdnet-123rf

Google bewertet Websites ausschließlich anhand derjenigen Informationen, die auf der mobilen Version zu finden sind. Die bloße Existenz einer mobilen Website allein aber ist noch kein Index-Erfolgsgarant.

Wer jetzt noch nicht auf "Mobile First" umgestellt hat, fällt bei Google künftig durchs Raster. Denn seit diesem Monat crawlt die weltweit erfolgreichste Suchmaschine nur noch mobil. Was Unternehmen in Sachen User Experience und dem User Interface Design mobiler Inhalte beachten sollten.

Wird meine Website nun nicht mehr bei Google gelistet? Reicht die mobile Version, um weiterhin erfolgreich vom Suchmaschinenbot gecrawlt zu werden? Was muss ich tun, um meine Inhalte bestmöglich auffindbar zu machen? Das sind Fragen, mit denen sich Website-Betreiber und Unternehmen durch die endgültige Umstellung des Google-Indexes konfrontiert sehen.

Die mobile Nutzung von Endgeräten nimmt stetig zu. Allein in Deutschland kletterte der Anteil mobiler Nutzer im vergangenen Jahr auf 80 Prozent. Google hat diesen Trend schon lange im Fokus und bereits vor über vier Jahren angekündigt, seinen Such-Index sukzessive auf Mobile First umzustellen. Für ganz neue Seiten oder Domains ist der mobile Standard seit Juli 2019 Vorgabe und ab sofort werden auch die bestehenden Websites ausschließlich über den Smartphone-Googlebot indexiert. Ohne mobile Website – Google empfiehlt seit jeher ein responsives Design – geht also nichts mehr. Der Grund: Alles, was Google nicht auf der mobilen Version findet, landet auch nicht im Index. Folglich ist auch der Begriff "Mobile First-Indexing" an sich von Google unglücklich gewählt, es müsste viel eher "Mobile Only-Indexing" heißen.

Die fünf wichtigsten UX/UI-Tipps für die neue Google-Indexierung

Doch was bedeutet der neue Index-Standard ganz konkret für alle Websites-Anbieter und -Betreiber? Im Großen und Ganzen gilt: Wer dafür sorgt, dass auf der mobilen Seite dieselben Informationen verfügbar sind wie auf dem Desktop, ist im Hinblick auf die neue Art der Indizierung auf einem guten Weg. Dennoch sollten auch Unternehmen, die ihren Webauftritt bereits responsiv gestaltet und aufgesetzt haben, Grundsätzliches beachten, damit es mit der Mobile First-Indizierung klappt. Google bietet dazu mit dem Mobile-Friendly-Test ein Tool für Unternehmen, um ihre Seiten zu testen und listet konkrete Vorgaben, an denen sich Website-Anbieter orientieren können:

1. Hauptinhalte synchronisieren

Manchmal beinhaltet die mobile Website absichtlich weniger Infos und Content als die Desktop-Variante. Kritisch wird es, wenn etwa eine "H1" mobil nur verkürzt dargestellt wird, um zum Beispiel mehr Content "above the fold" zu rücken. Kann Google jedoch bei der Mobile First-Indexierung weniger Informationen abrufen, führt dies mitunter zu einem Rückgang der Zugriffe. Der gesamte Hauptinhalt sollte demnach auf der mobilen Website verfügbar sein, da Desktop nicht mehr ins Gewicht fällt.

2. Alle Inhalte für den Googlebot verfügbar machen

Auch technisch gesehen gilt die Faustregel, dem Smartphone Googlebot dasselbe wie seinem Desktop-Pendant zu bieten. Das betrifft unter anderem den Meta Robots Tag aber auch die Implementierung von Structured Data. Haben Websites-Betreiber diese bislang nur auf der Desktop Website eingerichtet, gilt es, diese zügig auf der mobilen Version nachzurüsten. Priorisieren sollte man laut Google dabei die Markups für Breadcrumb, Product und VideoObject. Zudem ist darauf zu achten, dass Inhalte, die erst durch User Interaktionen wie Wischen, Touch oder auch Lazy Load geladen werden, auch technisch für den Googlebot gut crawlbar implementiert sind.

3. Werbung nutzerfreundlich platzieren

Gerade Unternehmen, die ihre Website durch Werbeanzeigen monetarisieren, sollte darauf achten, dass sich die Katze nicht in den Schwanz beißt. Denn Werbeanzeigen können die mobile Usability massiv beeinflussen, was wiederum zu einer schlechteren Bewertung seitens Google führt und so weniger User auf die Seite bringt, die dann auch weniger klicken. Beispielsweise sollten Anzeigen im Header-Bereich nicht zu viel Platz einnehmen, damit der eigentliche Inhalt ersichtlich bleibt. Generell ist es ratsam, bei Ads nicht mehr als 30 Prozent der vertikalen Höhe zu beanspruchen. Im Allgemeinen empfiehlt Google das Einhalten der Better Ads Standards.

4. Mit visuellen Inhalten punkten

Selbstverständlich nutzen auch die besten Bilder und Videos nichts, wenn sie nicht entsprechend optimiert wurden. Konkret gibt Google Webmastern hierfür die Images best practices und die Video best practices an die Hand, mit deren Hilfe man das Optimum aus Bild- und Video-Content herausholen kann. Diese beinhalten Tipps und Tricks rund um folgende Themen und Fragestellungen: Wie lassen sich visuelle Inhalte korrekt einbetten? Wie nutzt man Alt Attribute und wie optimiert man für Google Safe Search? Oder auch: Wie implementiere ich Structured Data für das ideale Ausspielen von Bildern und Videos auf der Suchergebnis-Seite?

5. Seiten für Nutzer, nicht nur für Suchmaschinen erstellen

Letztlich wird eine Website nicht für Suchmaschinen entwickelt, sondern für Menschen. Bei der Erstellung von Inhalten geraten Website-Betreiber und -Entwickler nicht selten in den Konflikt, zwischen der Optimierung auf Bot oder User wählen zu müssen. In diesem Fall sollte das Nutzererlebnis weiterhin im Mittelpunkt stehen. Auch Google möchte seinen Nutzern nicht nur die bestmögliche User Experience bei seiner Suche bieten, sondern auch, dass sie auf den von Google indexierten Seiten fündig werden. Gerüchten zufolge straft Google Websites ab, wenn User kurz nach dem Anklicken zurückkommen und die Suche verfeinern, also beim vorherigen Suchergebnis nicht fündig geworden sind. Daher sollte die Devise neben "Mobile Only" vor allem auch "User First" lauten.

Das Aus für Desktop-Optimierung?

Benner und Telkmann, Artus Interactive
© Artus Interactive

Das Autorenduo: Patrick Benner (links) und Jürgen Telkmann. Benner führt seit über 20 Jahren die Digital-Agentur Artus interactive in Frankfurt als Inhaber. Als Experte für Digitale Markenführung betreut er dabei internationale Kunden wie Procter & Gamble, Merck, De'Longhi und Henkell. Telkmann ist Account Director bei Artus und betreut internationale Marken wie Braun und Head&Shoulders. Für Google Analytics und Excel kann er fast dieselbe Leidenschaft aufbringen wie für Werder Bremen.

Heute werden viele Marken-Websites, Onlineshops und Webportale – insbesondere von jüngeren Nutzern – vorrangig Mobile Only angesurft. Das stellt viele Unternehmen und Website-Betreiber vor die Frage, ob und inwiefern Desktop-Varianten künftig überhaupt noch eine Rolle spielen: Muss tatsächlich jede Art von Website und jedes digitale Angebot für unterschiedliche Desktop-Browser optimiert werden? Oder reicht es, wenn die aktuellsten Versionen der gängigen Browser bedacht werden? Gibt es heute schon Unternehmen und Marken, die ganz auf Desktop optimierte Seiten verzichten können?

Blickt man hin zu Social Media-Plattformen wie Instagram und TikTok, wird schnell klar: Nahezu kein User schaut sich Reals oder TikToks auf dem Desktop an. Dieser Trend wird sich fortsetzen und früher oder später sogar den B2B-Bereich erreichen. Gewinnen werden künftig also diejenigen Unternehmen, die konsequent auf Mobile Only setzen und ihre User Experience und ihr User Interface Design darauf auslegen.

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