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Cookie-Tracking

"Abwarten wäre die schlechteste Option"

03. Dezember 2019, 15:11 Uhr   |  Redaktion: Diana Künstler

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Die neue Firefox-Version 69 zieht Konsequenzen nach sich: Content-Anbieter berichten über zweistellige Umsatzeinbußen – weil User nicht mehr getrackt werden können und eine Anbindung an die immer bedeutsameren Programmatic-Plattformen damit unmöglich wird.

Für die Publisher hierzulande ist es ein herber Schlag: Die neue Firefox-Version 69 blockiert sämtliche Third Party Cookies. Welche Konsequenzen das für den Markt hat und wie sich die European NetID Foundation (EnID) hier aufstellt, erklärt der Vorstandsvorsitzende Sven Bornemannn.

funkschau: Firefox blockiert mit seiner neuen Version sämtliche Third Party Cookies. Was bedeutet das für den Markt?

Sven Bornemann: Firefox hat hierzulande einen Marktanteil von 27 Prozent, nach Chrome ist er der populärste Browser. Wenn hierüber ein Tracking nicht mehr möglich ist, zieht dies herbe Umsatzeinbußen bei Publishern nach sich, Werbungtreibende beziehungsweise deren Dienstleister können User so nicht mehr identifizieren und targeten. Und: Firefox ist kein Einzelfall, auch Apple hat bei Safari neue Features integriert, die das Tracking personalisierter Aktivitäten blockt. Nicht unwahrscheinlich also, dass weitere Browser folgen werden.

Sven Bornemann, netID
© netID

Sven Bornemann, Vorstandsvorsitzender der European NetID Foundation

funkschau: Was können Publisher jetzt tun?

Bornemann: Die schlechteste Option wäre, jetzt abzuwarten – das Cookie-Sterben wird sich fortsetzen. Eine Alternative wäre, wenn Websitebetreiber jeweils eigene Logins implementieren. Doch, wenn sich Nutzer dann bei 20 Webseiten mit 20 verschiedenen Passwort-Regeln registrieren müssten, wird es schwierig. Das ist extrem nutzerunfreundlich und bedroht letztlich die Medienvielfalt, weil eine solche Lösung die Einstiegsbarrieren für die Content-Nutzung hoch setzt. Genau deswegen bieten wir ja mit NetID einen offenen Login-Standard: Mit dem NetID Identifier ist für unsere Partner eine Login-basierte und geräteübergreifende Nutzeridentifikation möglich – auch im nicht eingeloggten Bereich. So können sie dem Problem von Cookie Blocking und Cookie-Löschern entgegenwirken. Und außerdem: Cookies, die im NetID-Kontext gesetzt werden, sind First Party Cookies.

funkschau: Wer macht schon mit?

Bornemann: Unser Single Sign-on nutzen aktuell 70 Partner – darunter Medienhäuser wie Gruner + Jahr, Süddeutsche Zeitung und Händler wie Calida und C&A. Weitere Unternehmen sind explizit eingeladen, sich NetID anzuschließen – die Initiative ist ja ganz bewusst als offener Standard angelegt. Darüber hinaus unterstützen uns 30 Supporter, die sich beispielsweise in den Fachbeiräten der European NetID Foundation engagieren.

funkschau: Können Sie die Reichweite beziffern?

Bornemann: Schon jetzt erreicht NetID hierzulande potenziell rund 38 Millionen Nutzer-Accounts, das entspricht etwa 60 Prozent der deutschen Onliner. Zum Vergleich: Facebook nutzen monatlich in Deutschland rund 32 Millionen User.

funkschau: Logins – da muss man gleich an Anbieter wie Google und Facebook denken. Sehen Sie sich als Konkurrenz?

Bornemann: Lassen Sie es mich so sagen: Wir bieten eine einfache und sichere Lösung, die die Einwilligungen zur Nutzung von Internet-Diensten (Opt-ins) datenschutzkonform und transparent organisiert. Mit unserem Single Sign-on stellen wir eine echte Alternative zu den GAFAs dar (Anm.d.Red.: Google, Apple, Facebook und Amazon).

funkschau: Welche Neuigkeiten können wir von der NetID in den nächsten Monaten erwarten?

Bornemann: Für das vierte Quartal 2019 oder das erste Quartal 2020 ist der Launch der NetID Consent-Produkte geplant. Mit diesen wird der NetID Identifier dem Markt zugänglich gemacht, das heißt, Advertiser profitieren von einer optimierten Nutzerprofilierung und einer höheren Reichweite. Publisher können mit Hilfe des NetID Identifiers die Adressierbarkeit ihrer Zielgruppe und damit ihren Umsatz erhöhen. Damit stärkt NetID die digitalen Werbemärkte, insbesondere in Hinblick auf die großen US Player. Zudem steht ab 2020 der internationale Rollout auf der Agenda, erste Gespräche mit Spanien und Italien laufen bereits.

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