Mobilfunk

5G auf (r)evolutionären Pfaden

19. Juli 2019, 14:54 Uhr | Autor: Raja Shah / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Übergang und Netzwerkaufteilung

5G Einsatzszenarien
Aufgrund seiner vielseitigen Leistungsmerkmale ist 5G Basis für sehr unterschiedliche Anwendungen.
© Qualcomm, Roland Berger


Während 5G sich noch in der Entwicklung befindet, denken Telekommunikationsunternehmen bereits über den bevorstehenden Übergang nach. Um den Übergang von 4G zu 5G erfolgreich durchzuführen, ist ein hochflexibles Netzwerk notwendig. Diese Flexibilität wird durch Network Slicing bereitgestellt, das ein physisches Netzwerk in mehrere Layer unterteilt. Dabei verfügt jeder Layer über eigene Einstellungen, die an einen spezifischen Dienst angepasst sind. Dies trägt zur Kostensenkung bei und bietet gleichzeitig Effizienz und Flexibilität. Logisch getrennte Segmente und isolierte Systeme mit unterschiedlichen Architekturen können verwendet werden (offen) oder nicht (geschlossen), während Betreiber in der Lage sind, gemeinsame Lösungen und funktionale Komponenten zu verwenden.

Network Slicing reduziert die mit der Einführung neuer Dienste verbundenen Geschäftsrisiken. Dies ist möglich, da Probleme in einem Segment die Funktion der Dienste in einem anderen Segment nicht beeinträchtigen. Darüber hinaus reduziert der Einsatz der Segmentierung Herausforderungen bei der Migration. Ein flexibles Kernnetzwerk mit integriertem Network Slicing erhöht den Wert anderer Netzwerke, die auf einer gemeinsamen Infrastruktur aufbauen.

Für ein vor Kurzem durchgeführtes Pilotprojekt nutzte Infosys beispielsweise Automatisierung im Slice-Design und -Management, überbrückte TMF- und GSMA-Standards und setzte auf die Open Network Automation Platform (ONAP) sowie das digitale OSM für V2X-Bundle für Ultra Reliable Low Latency Communications (URLLC). Dabei hat sich gezeigt, dass das Network Slicing bereits in diesem frühen Stadium funktioniert und sogar automatisiert werden kann, um Kosten zu senken, die Geschwindigkeit zu erhöhen und bestehende Standards zu erfüllen. 5G führt das Konzept des Network Slicings durch drei Dienste ein:

  1. Enhanced Mobile Broadband (eMBB): ermöglicht extreme Kapazität, verbesserte Datenraten/Spektraleffizienz, erweiterte Abdeckung
  2. Ultra Reliable Low Latency Communications (URLLC): unterstützt extrem hohe Zuverlässigkeit, niedrige Latenzzeiten, starke Sicherheit und umfassende Benutzerfreundlichkeit
  3. Massive Machine Type Communications or Massive Internet of Things (mMTC/mIoT): unterstützt sehr hohe Dichte, ultraniedrige Energie und Komplexität sowie tiefgreifende Abdeckung

Die folgenden Anwendungsfälle können zu Monetarisierungsmöglichkeiten führen:

  • V2X, autonomes Fahren, Fahrzeugwartung, Unternehmen (B2B, B2B2X-Geschäftsmodelle), Verbraucherdienstleistungen immersive Unterhaltung (Live-Streaming, AR/VR-Lösungen)
  • vernetztes Stadion (Fan-Erlebnis)
  • industrielle Automatisierung, Fernüberwachung, IoT-Plattformen, Streaming mit AR/VR zur Fernunterstützung und -führung
  • intelligente Gesundheit, Städte und Häuser
  • Drones-as-a-Service (Überwachung, 5G-Signal QoS-Bewertung)

Regierungen und die hypervernetzte Welt
Obwohl zum Beispiel Facebook mittlerweile seit fast 15 Jahren auf dem Markt ist, verstehen viele Regierungen noch immer nicht, was genau hinter dem sozialen Netzwerk steckt. Mit 5G kommt nun eine weitere Technologie auf uns zu, die Regierungen weltweit langfristig verstehen müssen. Dazu entwickeln sich Technologien und Geschäftsprozesse enorm schnell – die Entwicklung von Regulierungen hingegen benötigt viel Zeit. So gibt es beispielsweise bereits selbstfahrende Autos und Flugdrohnen – und wenn man dem Hype glauben darf, werden sie viele etablierte Technologien verdrängen. Allerdings haben die Regierungen noch immer keine geeigneten Gesetze und Richtlinien für diese Technologien entwickelt.
5G bietet Telekommunikationsunternehmen, die von einem neuen, weniger regulierten Ökosystem profitieren, einen kurzfristigen Vorteil. Regulierungen für neue Technologien können allerdings auf sich warten lassen. Die US-Regierung hat beispielsweise noch immer keine Lösung für die Regulierung von Google gefunden. Das Unternehmen sammelt Daten von Milliarden von Nutzern weltweit, teilweise merken Verbraucher nicht einmal, dass sie private Informationen mit Google teilen, die im Anschluss über Google AdWords und andere Dienstleistungen verkauft werden. Aus diesem Grund wird es einige Zeit dauern, bis Regierungen die regulatorischen und steuerlichen Aspekte von 5G und verwandter Technologien vollständig verstehen. Diese Lücke ermöglicht es den Telekommunikationsunternehmen, ihre Marktposition zu verbessern, schnell eine größere Anzahl von 5G-Masten und sich einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen.

Veränderte Netzökonomie
5G wird die vierte industrielle Revolution vorantreiben. Aber was bedeutet das für den Verbraucher? Technische Leistungssteigerungen wie 100-mal höhere Geschwindigkeit und deutlich verbesserte Latenzzeiten werden erwartet – ein guter Start. Aber die Transformation der Konsumnormen ist immer noch eine Herausforderung. Schließlich wird 5G ermöglichen, dass sich die Technologie und das Netzwerk weiterentwickeln. Technologie kann den Anreiz geben, aber Governance und der kulturelle Wandel müssen die passende Basis schaffen, um die Branchen Bildung, Gesundheitswesen und Verkehr zu revolutionieren. Drahtlose Netzwerke werden zunehmend virtualisiert – dies verändert die Ökonomie von Mobilfunknetzen. Telekommunikationsanbieter erhalten auf diese Weise ein offenes, kosteneffizientes und flexibles 5G-Netzwerk-Ökosystem.

Raja Shah ist Senior Vice President, Communications, Media and Entertainment, Infosys

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