Von Breitband bis Fachkräfte

5 Gründe, warum die Digitalisierung von Schulen nicht vorankommt

12. Juli 2022, 15:05 Uhr | Lukas Steiglechner | Kommentar(e)
Digitales Klassenzimmer
© Andriy Popov - 123RF

Die Digitalisierung von Schulen verläuft nach wie vor eher schleppend in Deutschland. Zwar wurde aufgrund der Corona-Pandemie vermehrt darauf geachtet und der „Digitalpakt Schule“ weiter aufgestockt, doch ein digitales Bildungssystem liegt noch in der Ferne.

Die Corona-Pandemie hat der Schuldigitalisierung große Aufmerksamkeit beschert. Trotz so mancher Fortschritte in den vergangenen zwei Jahren geht sie flächendeckend aber immer noch kaum voran. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen.

1. Mangelnde IT-Infrastrukturen

Eine Grundvoraussetzung für die Digitalisierung von Schulen ist eine leistungsfähige lokale IT-Infrastruktur. Digitale Endgeräte und Lernplattformen funktionieren nur, wenn dafür auch die erforderlichen Server, Speichersysteme und Netzwerke vorhanden sind. Viele Schulen haben hier noch Rückstände, die sich nicht in kurzer Zeit aufholen lassen.

2. Schleppender Breitbandausbau

Noch wichtiger als die lokale Infrastruktur ist der Internetanschluss. Vom schleppenden Breitbandausbau in Deutschland sind auch die Schulen betroffen. Viele von ihnen verfügen nur über moderat leistungsfähige DSL-Anschlüsse, die sich viele Schülerinnen und Schüler teilen müssen. Ohne Breitbandanschluss ist es kaum sinnvoll, im Unterricht digitale Medien über das Internet einzusetzen.

3. Fehlende Standards

Nach wie vor gibt es keine verbindlichen Standards für die IT-Ausstattung von Schulen. Das erschwert den Aufbau von IT-Landschaften, die aufeinander abgestimmt sind und sich unkompliziert verwalten lassen. Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler haben es oft mit regelrechten Zoos an Geräten und Softwarelösungen zu tun, die erhebliche Medienbrüche verursachen. Individuelle Insellösungen, die von einzelnen Schulen oder Lehrkräften initiiert wurden, vergrößern das Chaos zusätzlich.

4. Begrenztes IT-Know-how

Die IT einer Schule ist mit der IT eines kleinen mittelständischen Unternehmens vergleichbar und ihr Aufbau und Betrieb erfordern entsprechendes Know-how. Genau das aber ist in vielen Schulen nicht oder nur unzureichend vorhanden. Wegen des Fachkräftemangels sind IT-Experten nur schwer zu finden und zudem sehr teuer. Häufig müssen Lehrkräfte einspringen und die IT nebenher betreuen.

5. Bürokratie und Kompetenzgerangel

Der Bund fördert die Schuldigitalisierung mit umfangreichen finanziellen Mitteln. Ihrer tatsächlichen Nutzung stehen aber oft ein hoher bürokratischer Aufwand und unklare Kompetenzen gegenüber. Das zeigt der Basis-DigitalPakt für den Ausbau der Infrastruktur in Schulen: Von den 2019 bereitgestellten fünf Milliarden Euro kamen bis März 2022 lediglich zehn Prozent tatsächlich bei den Schulen an.

Nach Ansicht von Joachim Rieß, Account Executive Public Sector bei Dell Technologies Deutschland, kommt es auf zwei Aspekte an: „Die Verantwortlichen auf Bundes-, Länder- und Kommunalebene müssen für bessere Rahmenbedingungen sorgen. Dazu zählt allen voran die Forcierung des Breitbandausbaus, die Entwicklung länderübergreifender Standards und der Abbau bürokratischer Hürden. Zweitens benötigen Schulen mehr externe Hilfe durch professionelle IT-Firmen, denn viele von ihnen sind mit dem Aufbau einer passenden Infrastruktur und der laufenden Betreuung der IT schlicht überfordert“.


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