Studie von McKinsey

140.000 IT-Fachkräfte könnten im Public Sector bis 2030 fehlen

25. Januar 2023, 17:10 Uhr | Sabine Narloch | Kommentar(e)
Würfel Ausrufezeichen, Wichtig
© sergign / 123rf

Massiver Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst und das besonders im IT-Bereich – zu diesem Ergebnis kommt eine gestern veröffentlichte Studie von McKinsey.

„Action, bitte! Wie der öffentliche Sektor den Mangel an digitalen Fachkräften meistern kann“, so lautet der Titel einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung McKinsey & Company. Für die Studie wurden aktuelle Daten, Berichte und Publikationen von Bund und Ländern ausgewertet.

Demnach fehlen schon heutzutage auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene 39.000 Fachkräfte in Informatik- und IT-Berufen. Bis zum Jahr 2030 werde sich diese Personallücke jedoch noch verschärfen. Die StudienautorInnen gehen davon aus, dass dann 140.000 IT-Fachkräfte fehlen werden. Die Lücke an benötigten Vollzeitkräften im öffentlichen Dienst insgesamt wird mit 840.000 beziffert.

Hauptgrund für diese großen Lücken: Bis 2030 wird laut Studie mit 1,5 Millionen Personen gerechnet, die aus Altersgründen aus dem öffentlichen Dienst ausscheiden.

„Der Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst verschärft sich. Dass vor allem in den digitalen Berufen Personal fehlt, ist insbesondere mit Blick auf die so wichtige Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung eine große Herausforderung“, sagt Björn Münstermann, Senior Partner und Leiter der Beratung des Öffentlichen Sektors bei McKinsey sowie einer der Autoren der Studie. „Indem sie Neueinstellungen beschleunigen, Weiterbildungsangebote ausbauen und flexiblere Arbeitsmodelle ermöglichen, können Arbeitgeber im öffentlichen Dienst aber viel tun, um digitale Fachkräfte zu gewinnen, zu entwickeln sowie zu binden und so die Personallücke verringern.“

Allerdings bringen die spezialisierten IT-Studiengänge nur rund 26.000 AbsolventInnen jährlich hervor. Aktuell arbeiten lediglich 3 Prozent der sozialversicherungspflichtigen IT-Fachkräfte im öffentlichen Sektor. Bleibt es bei dieser Quote, so rechnen die StudienautorInnen vor, würde der öffentliche Sektor pro Jahr lediglich rund 800 Personen hinzugewinnen.

Klassische Karrierepfade verlassen

Einzelne Behörden haben der Studie zufolge jedoch Best Practices etabliert. Auf diese Weise sollen digitale Fachkräfte gewonnen und an sich gebunden werden. So hätten einige Behörden  gute Erfahrungen mit dem Ermöglichen von Fachkarrieren in Ergänzung zu den klassischen Karrierepfaden gemacht.

„Es gibt einige Best Practices wie ressortübergreifende Innovations- und Flexi-Teams, die vielversprechend sind, um mehr IT-Talente anzuziehen. Um den Fachkräftemangel wirklich zu lösen, muss sich aber auch das Thema strategische Personalplanung im öffentlichen Sektor stärker etablieren”, sagt Julian Kirchherr, Partner bei McKinsey und ebenfalls Co-Autorin der Studie. „Wenn der Fachkräftemangel im öffentlichen Dienst in
Deutschland nicht entschieden angegangen wird, wird Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit weiter abnehmen. Ein starker öffentlicher Sektor ist ein echter Standortvorteil im internationalen Wettbewerb.”

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