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Verhandlungen über "National Roaming"

1&1 Drillisch prüft neues Angebot von Telefónica

08. Februar 2021, 07:02 Uhr   |  Quelle: dpa / Redaktion: Diana Künstler | Kommentar(e)

1&1 Drillisch prüft neues Angebot von Telefónica
© 1&1 Drillisch

Der 1&1 Drillisch-Firmensitz in Maintal

Drei Mobilfunk-Netze gibt es in Deutschland. Noch. Bald könnte ein viertes hinzukommen. Ob es soweit kommt, hängt davon ab, dass der Neueinsteiger 1&1 Drillisch gewissermaßen Schützenhilfe von einem Wettbewerber bekommt. Danach sah es lange nicht aus.

Die für Deutschlands Mobilfunkbranche möglicherweise wegweisenden Verhandlungen zwischen Telefónica und 1&1 Drillisch sind auf der Zielgeraden. Telefónica (O2) legte seinem Wettbewerber ein Angebot zur Nutzung seines Mobilfunk-Netzes vor, wie das Münchner Unternehmen am Freitag mitteilte. Man habe lange über das “National Roaming” verhandelt und der 1&1 Drillisch nun “ein wettbewerbsfähiges, für beide Parteien angemessenes finales Angebot unterbreitet”. Bei einem “National Roaming” können sich Handynutzer dort, wo ihr eigener Netzbetreiber keine eigenen Antennen hat, mit dem Netz eines Drittanbieters verbinden.

Zweischneidigies Schwert "National Roaming"

Ralph Dommermuth, 1&1 Drillisch, Mobilfunk
© 1&1 Drillisch

Ralph Dommermuth, Vorstandsvorsitzender der 1&1 Drillisch AG, über die Absichten, parallel ein eigenes Netz aufzubauen: “Ein eigenes Mobilfunknetz bietet für uns wesentliche Vorteile: Wir sind langfristig unabhängiger vom Zugang zu Fremdnetzen, sparen Netzmieten und können neue Geschäftsfelder erschließen. Für dieses neue Kapitel unserer Unternehmensgeschichte sind wir sehr gut aufgestellt: Wir verfügen über einen großen Kundenstamm, bekannte und beliebte Marken sowie eine starke Vertriebskraft. Außerdem können wir im Verbund mit der United Internet Gruppe eines der größten Glasfasernetze Deutschlands nutzen und bekommen Zugang zu innovativen Cloud-Applikationen.” 

1&1 Drillisch hatte 2019 eigenes Mobilfunk-Spektrum für den neuen Standard 5G ersteigert, die Frequenzen bisher aber im Gegensatz zur Konkurrenz noch nicht genutzt. Bevor er mit dem teuren Bau eigener Mobilfunkmasten beginnt, will der Neueinsteiger Gewissheit darüber haben, dass er in einem Übergangszeitraum auch Zugang zu einem anderen Netz hat.

Ohne das Roaming-Angebot würden sich vermutlich kaum Kunden für Drillisch entscheiden, denn sie würden nur über die anfangs noch wenigen Drillisch-Antennen Empfang haben und sonst im Funkloch sitzen. Das war auch der Bundesnetzagentur bewusst, daher verpflichtete der Frequenz-Auktionator die drei alteingesessenen Netzbetreiber Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica, mit 1&1 Drillisch über eine Öffnung ihrer Netze zu verhandeln.

Für die Öffnung bekäme der Netzbetreiber Miete und er könnte sein teures Netz besser auslasten, allerdings würde er mit der Zusammenarbeit dem aufstrebenden Neueinsteiger beim Markteintritt helfen und damit einen Konkurrenten wohl stark machen – für die alteingesessenen Netzbetreiber ist die Einwilligung zum “National Roaming” also ein zweischneidiges Schwert.

Die Gespräche von 1&1 Drillisch mit der Telekom und mit Vodafone waren bisher nicht erfolgreich, die Verhandlungen mit Telefónica liefen dagegen besser. 1&1 Drillisch ist ohnehin schon mit Telefónica eng verwoben, weil der Konzern bereits jetzt 2G-, 3G- und 4G-Netzkapazitäten von O2 nutzt. Drillisch ist bisher als sogenannter virtueller Netzbetreiber am Markt, der keine eigenen Netze betreibt. Für 5G hat die Firma aus dem hessischen Maintal dies bisher nicht. Das könnte sich durch das “National Roaming” ändern, Drillisch könnte auch für diesen Mobilfunkstandard Telefónica-Mieter werden. Parallel würde die Firma ihr eigenes Netz aufbauen.

Vorangegangener Preisstreit

Separat zu den Gesprächen zum “National Roaming” gab es Streit zwischen beiden Konzernen über die Preise für die aktuell genutzten Netzkapazitäten, die Telefónica als Folge der E-Plus-Übernahme 2014 an den Wettbewerber vermieten musste. Wie aus einer Mitteilung von 1&1 Drillisch hervorgeht, beinhaltet der National-Roaming-Vertrag auch eine rückwirkende Preisanpassung für Kapazitäten, die in der zweiten Jahreshälfte 2020 genutzt wurden. Der Teil des Preiskampfes für diesen Zeitraum wäre mit Vertragsunterschrift vom Tisch. “1&1 Drillisch wird prüfen, ob es im Interesse der Gesellschaft ist, das neue Angebot von Telefónica anzunehmen”, teilte das Unternehmen mit.

Die EU-Kommission, die wegen der Telefónica-E-Plus-Fusion von 2014 mit im Boot ist bei diesem Thema, hat das Angebot des Münchner Unternehmens nach dessen Angaben positiv bewertet. 1&1 Drillisch wiederum teilte mit, dass ein Vertragsabschluss einen positiven Ergebniseffekt von 30 Millionen Euro für das Geschäftsjahr 2020 hätte. Das liegt daran, dass die Mietpreise rückwirkend für 2020 niedriger ausfielen als bislang vorgesehen. “Außerdem würde eine wesentliche Voraussetzung für den von 1&1 Drillisch geplanten Aufbau eines leistungsfähigen 5G-Netzes eintreten”, so die Firma.

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