Schwerpunkte

Die Angst vor der digitalen Transformation

Die Revolution steht und fällt mit der Sicherheit

04. Dezember 2015, 09:11 Uhr   |  Timo Scheibe | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 5 .

Segmentierte Netze sind wichtig

Herwig Jahn ist CTO Collaboration, Industrie 4.0, Funklösungen bei Scaltel
© Scaltel

Herwig Jahn ist CTO Collaboration, Industrie 4.0, Funklösungen bei Scaltel

Scaltel setzt bei seinem Industrie 4.0-Konzept auf eine strikte Trennung von Büro- und Produktionsnetzen über Next-Generation-Firewalls und Intrusion-Prevention-Systeme (IPS). Erst danach werden die für die Kommunikation zwischen Beiden minimal notwendigen Ports kontrolliert geöffnet. »Zuerst muss man die Umgebungen von Office und Produktion trennen, um sie dann sicher wieder zu verbinden«, erklärt Jahn die Prozedur. Durch die segmentierten Netzwerke können nur autorisierte Benutzer auf die Systeme in der Fertigung zugreifen. Ebenso wichtig ist das Monitoring des Datenverkehrs im Produktionsnetz auf Exploits, Malware, Botnets und gezielte Bedrohungen.

Eine weitere Option, um vernetzte Fertigungsanlagen abzuschirmen, besteht im Härten und Einfrieren von Systemen. »Dazu muss die Anlage so aufgebaut werden, dass sie auch ohne Verbindung nach außen funktioniert«, sagt Haas. So werde es Angreifern unmöglich gemacht, Änderungen an den Systemen vorzunehmen.

Für den Intel-Spezialisten ist es für die Zukunft unabdingbar, dass einheitliche Standards gesetzt werden, »damit auch in 20 Jahren solche Anlagen noch zu warten sind«. Nur mit einheitlichen Standards und Normen wird in seinen Augen eine Absicherung von Industrie 4.0 branchenübergreifend optimal genutzt. Allein über solche Schnittstellen ist eine Kommunikation bei der Vielzahl von Anlagen, Herstellern, »Manufacturing Execution«- und ERP-Systemen untereinander möglich. »Aktuell gibt es nur sehr wenige einheitliche Standards, die auch nicht auf alle Lösungen anwendbar sind«, stellt Gross hierzu fest. Zwar gebe es mit dem 104-Protokoll bereits ein weit verbreitetes Beispiel, dies sei aber nicht mit allen Lösungen kompatibel. Als möglichen Antreiber für die Einführung solcher Standards bringt Herwig Jahn das »Industrial Internet Consortium« mit Herstellern wie Cisco, GE, IBM und Bosch ins Spiel. Bis sich jedoch einheitliche Normen etabliert haben, wird es noch eine Weile dauern, vermutet Gross von Clavister.

So lange sollten Industriebetriebe und IT-Dienstleister jedoch nicht warten. Bereits jetzt gibt es zahlreiche Möglichkeiten – auch für den Mittelstand – die ersten, kleinen Schritte beim Thema Industrie 4.0 zu wagen und dabei auch die notwendigen Sicherheitsanforderungen nicht außer Acht zu lassen. Dazu ist sowohl bei OT und IT ein Wissensaustausch notwendig, sodass beiden Welten die Möglichkeiten, Herausforderungen und nötigen Maßnahmen der Technologie klar werden. Vor allem auf Seiten der IT erfordert dies eine tiefgreifende Expertise.

Der Aufwand könnte sich am Ende jedoch für den Channel lohnen. So gehen die Marktforscher von IDC von steigenden Budgets für die Umsetzung von Industrie 4.0 aus. Anbieter, die es schaffen, zügig Partnerschaften aufzubauen und Sicherheitslösungen und -konzepte für die Industrie zu entwickeln, können sich nachhaltig am Markt positionieren und die digitale Revolution federführend mitgestalten.

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1. Die Revolution steht und fällt mit der Sicherheit
2. Kostenreduzierung durch Digitalisierung
3. Alte Systeme – neuzeitliche Bedrohungen
4. Bewusstsein für Sicherheit schaffen
5. Vorteil für kleinere ­Systemhäuser
6. Segmentierte Netze sind wichtig

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