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Bitkom Policy Paper: Standortnachteile machen es deutschen Rechenzentren schwer

In Deutschland müssen Rechenzentren mit hohen Stromkosten, ungenutzten Wärmepotenzialen sowie sinkenden Weltmarktanteilen kämpfen. Deshalb hat Bitkom nun ein Positionspapier zu Rechenzentren vorgelegt.

Stop Bildquelle: © Rancz Andrei - 123RF

Die Energiewende brachte nicht nur Gutes, zumindest nicht für die Rechenzentren. Sie hat im internationalen Vergleich für horrende finanzielle Zusatzbelastungen gesorgt. Mehr als 50 Prozent der Betriebskosten werden für Strom aufgewendet. Ebenso ist die Frage der Abwärmenutzung weiterhin ungelöst. Trotz stetig steigender Investitionen am Standort Deutschland schrumpfen die Anteile gegenüber konkurrierenden Märkten in Europa, USA und Asien. In Anbetracht der genannten Herausforderungen hat Bitkom ein neues Positionspaper zu Rechenzentren veröffentlicht, das Policy Paper „Rechenzentren – ein Grundpfeiler der Digitalisierung“. Es thematisiert unter anderem die Befreiung der Rechenzentren von der Ökostrom-Umlage. Ein weiteres darin enthaltenes Ziel ist das Schaffen von günstigeren Rahmenbedingungen zur Einspeisung von Abwärme in die Fernwärmenetze. Deutsche Rechenzentren werden von der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) verabredeten Umlage hart getroffen, da sie hierdurch im internationalen Vergleich ein Vielfaches der Stromkosten aufkommen müssen. „Rechenzentren sind das Rückgrat der Digitalisierung und ein Grundpfeiler digitaler Souveränität. Um international faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen, sollten Rechenzentren in die Liste der stromkosten- oder handelsintensiven Branchen aufgenommen werden. Stromkosten machen oft mehr als 50 Prozent der Betriebskosten aus“, kommentiert Roman Bansen, Experte für IT-Infrastrukturen beim Bitkom.

Außerdem ist das Einräumen besserer Rahmenbedingungen zugunsten einer klimafreundlichen Energienutzung seitens der Politik unerlässlich. Der Betrieb von Rechenzentren ist äußerst stromintensiv. Pro Jahr verbrauchen deutsche Rechenzentren gut zwölf Milliarden Kilowattstunden. Diese Menge entspricht in etwa dem jährlichen Strombedarf Berlins. Darüber hinaus wird die durch den Betrieb entstandene Abwärme bislang ungenutzt freigesetzt. „Die Neufassung der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der Europäischen Union fordert eine bessere Abwärmenutzung. Für Betreiber von Fernwärmenetzen sollten regulatorische Anreize geschaffen werden, um die Wärme aus Rechenzentren abzunehmen, sofern dies wirtschaftlich und technisch sinnvoll ist“, bemerkt Bansen. „Für große Abnehmer wie Hotels oder Schwimmbäder sollte es günstiger sein, Abwärme aus Rechenzentren zu beziehen, statt wie bisher teure Primärenergie für Heizung und Warmwasser einzukaufen. Das würde einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der CO2-Bilanz bei der Wärmeversorgung leisten.“

Rechenzentren sind ein entscheidender Wirtschaftsfaktor und Treiber für die digitale Transformation in Deutschland. An den deutschen Standorten arbeiten 130.000 Beschäftigte, weitere 80.000 Jobs hängen indirekt an der Branche. Die auf funktionierende Rechenzentren angewiesene Internetwirtschaft erzielt allein in Deutschland einen Umsatz von mehr als 100 Milliarden Euro jährlich.