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Infrastructure as a Service: Virtuelles Rechenzentrum für Jedermann

Wie lässt sich ein virtuelles Rechenzentrum schaffen, das auch unerfahrenere Nutzer verwalten können? Henrik Hasenkamp beschreibt im funkschau-Interview, welche Rolle hier ein durchdachtes UI/UX-Design und weitgehende Automatisierung des Betriebs durch Machine Learning spielen.

Rechenzentrum Bildquelle: © everythingpossible / 123RF

funkschau: Herr Hasenkamp, ein großer Teil der Entwicklungsprojekte in Unternehmen wird mit agilen Methoden umgesetzt. Wie sieht das bei Gridscale aus?
Henrik Hasenkamp: Das ist bei einem Infrastrukturservice nicht anders als bei jeder anderen Software. Kern ist dabei nicht die iterative Vorgehensweise, sondern die starke Nutzerzentrierung. Die Anforderungen und Bedürfnisse der Anwender einer Software sind entscheidend. Und genau deshalb wird sie in kleinen Schritten und unter steter Berücksichtigung der Rückmeldungen von Nutzern entwickelt. Zwar muss jedes Mal neu ermittelt werden, welche Probleme die Nutzer bewältigen müssen, welche Aufgaben sie erledigen wollen und wie sie dies am besten machen. Doch einige grundlegende Aussagen gelten für jedes Entwicklungsprojekt: So ist die Benutzeroberfläche stets das Erste, was die Anwender sehen. Deshalb haben sie ein vitales Interesse daran, die Oberfläche möglichst schnell zu verstehen und intuitiv nutzen zu können. Die Entwickler sollten also keine künstliche Hürde zwischen Kunden und ihren Aufgaben aufbauen – das kostet alle Beteiligten nur wertvolle Zeit.

funkschau: Wie gehen Sie dabei vor? Welche Kriterien sind wichtig?
Hasenkamp: Eine Benutzeroberfläche überzeugt durch Einfachheit und Reduktion. Einfachheit umfasst folgende Kriterien: Das Design der Benutzeroberfläche muss übersichtlich, klar gegliedert und grafisch sauber gestaltet sein. Bei der Reduktion geht es darum, dass der Anwender nur Funktionen sieht, die er aktuell braucht. Alles Weitere sollte erst dann erscheinen, wenn es für die Bedienung notwendig ist. Entsprechend sieht die Oberfläche von Gridscale aus: Sie ist klar gestaltet und überfordert nicht durch „Featuritis“ (siehe Kasten). Zusätzlich gibt es einen Expertenmodus, der erfahrene Nutzer mit hohen Anforderungen unterstützt.
In die Entwicklung der Oberfläche sind viele Jahre praktischer Erfahrung bei der Bereitstellung von Cloud-Infrastrukturen eingeflossen und es wurden weniger gelungene Beispiele anderer Anbieter berücksichtigt. Denn bei vielen der bekannten Anbieter wird die Bedienung durch unübersichtliche und überladene Konfigurationsseiten erschwert. Doch Cloud kann auch so einfach gehen, dass beispielsweise Agenturen, kleine oder mittelgroße Unternehmen schnell die gewünschten Server konfigurieren können, ohne tiefgehendes Know-how zu besitzen. Diese sind dann jederzeit an den tatsächlichen Bedarf anpassbar, beispielsweise mit mehr Prozessorkernen und weiterem Speicherplatz. Zusätzliche Ressourcen stehen den Anwendern unmittelbar im Produktivsystem zur Verfügung. Dazu ist die Benutzeroberfläche selbsterklärend nutzbar. Selbst Anwender ohne tiefes Detailverständnis finden sich intuitiv auf ihr zurecht und können Server sowie Storage innerhalb weniger Minuten in Betrieb nehmen.

funkschau: IaaS ist ja ein virtuelles Rechenzentrum und Rechenzentren sind als komplex bekannt. Wie verhindern Sie, dass Anwender an dieser Komplexität scheitern?
Hasenkamp: Mit der für ein Rechenzentrum typischen Komplexität muss sich der Nutzer zu keinem Zeitpunkt befassen, wenn er nicht möchte. Das ist in dieser Art nur möglich, wenn auch beim Rechenzentrumsbetrieb neue Ansätze verwirklicht werden und größtmögliche Effizienz im Vordergrund steht – durch Automatisierung und Machine Learning. Dies geschieht bei Gridscale auf zwei Weisen: durch Datenerhebung im Rechenzentrum und Analyse des tatsächlichen Nutzerverhaltens.