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Interview mit MariaDB: Open Source für kritische Anwendungen

Fortsetzung des Artikels von Teil 1.

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Kaj Arnö ist Chief Evangelist bei MariaDB Bildquelle: © MariaDB

Kaj Arnö ist Chief Evangelist bei MariaDB: „Es ist mittlerweile sogar so, dass kritische Workloads unter Open Source besser und sicherer laufen, weil die Anwendungen intensiv erprobt und in verschiedenen Situationen getestet worden sind.“

funkschau: Sind das die spezifischen Vorteile von Open Source beim Einsatz von Datenbanken, dass Entwickler Bestandteile entwickeln, die ihnen fehlen, und dann der Community zur Verfügung stellen?

Arnö: Ja, wenn wir uns dabei Unternehmen wie Tencent, Microsoft oder IBM vorstellen. Diese Unternehmen habe speziellere Bedürfnisse, die über die eines normalen Datenbankanwenders hinausgehen. Und sie beeinflussen auch die Roadmap einer Datenbank wie MariaDB. Das ist der Unterschied zu Datenbanken eines kommerziellen Anbieters. Wenn dieser aus monetären oder anderen Gründen kein Interesse an bestimmten Weiterentwicklungen hat, finden sie nicht statt. Der große Vorteil bei Open-Source-Datenbanken ist also, dass Anwender überhaupt die Möglichkeit haben, benötigte Funktionen selbst entwickeln zu können und in die Roadmap einfließen zu lassen.

funkschau: In Ihrem Vortrag auf den IT-Tagen in Frankfurt vergangenen Dezember präsentierten Sie Zahlen von Gartner, nach denen Oracle über einen Zeitraum von drei Jahren 40-mal mehr kostet als MariaDB. Ist das realistisch?

Arnö: Je größer die Installation der Datenbankanwendung ist, desto größer ist auch der Unterschied bei den Kosten zwischen Oracle und MariaDB. Ein exakter Vergleich ist  schwierig, weil auch Oracle bei großen Projekten Rabatte von seiner Preisliste gewährt, das aber natürlich nicht publik macht.

Gartner hat sicher den Faktor 40 - das sage ich bewusst so - “gewählt”, um zu veranschaulichen, dass es sich dabei nicht nur ein paar Prozent, sondern um mehr als eine Größenordnung handelt.  

funkschau: Obwohl es in jüngster Vergangenheit große Fortschritte bei Open-Source-Datenbanken gegeben hat, wird der Markt auch heute noch von wenigen Anbietern dominiert. Wo ist der Bereich in der Unternehmens-IT, in der Produkte wie MariaDB ihren Platz finden?

Arnö: Ich stimme zu, dass der Funktionsumfang der führenden kommerziellen Datenbanken auch heute noch größer ist im Vergleich zu MariaDB. Viele dieser Funktionen werden aber kaum genutzt. Man muss dabei spezifische von allgemeinen Datenbanken unterscheiden. Auch wenn der Funktionsumfang von MariaDB kleiner ist als der von Oracle, sind wir dennoch eine Generalisten-Datenbank, die man für die allermeisten Einsatzszenarien nutzen kann.

Und damit sind wir recht erfolgreich, unter anderem auch, weil MariaDB aus zwei Datenbankschichten besteht: Die obere Schicht spricht SQL, darunter liegt die Datenbank-Speicher-Engine. Und davon gibt es mehrere, die auf verschiedene Anwendungsfälle zugeschnitten sind. Der Vorteil ist dann, dass man nicht unterschiedliche Datenbanken für unterschiedliche Fälle einsetzen muss.

funkschau: Gibt es überhaupt noch Anwendungsfälle, bei denen Kunden auf andere Datenbank-Systeme setzen müssen?

Arnö: Es gibt Spezialfälle, ja. Aber MariaDB eignet sich auch hervorragend für allgemeine, große und komplexe Projekte. Ein gutes Beispiel ist die DBS Bank, eine der größten asiatischen Banken. Vor vier Jahren wollten sie sich aus der Abhängigkeit von Oracle lösen und 400 interne Anwendungen auf Open Source umstellen. Die Anforderungen waren hoch, insbesondere weil zu der Zeit MariaDB noch keine Stored Procedures der PL/SQL-Sprachvariante kannte. DBS hat letztlich dazu beigetragen, dass es diese Oracle-Variante jetzt in MariaDB gibt.
 
DBS hat in einem Jahr mehr als die Hälfte aller Anwendungen auf MariaDB migriert – was ein enormer Aufwand ist. Das Besondere daran: Sie haben mit den schwierigsten Anwendungen begonnen und diese erfolgreich umgesetzt.

funkschau: Das Jahr 2019 ist ja noch ganz frisch: Was sind technisch und produktmäßig die nächsten Schritte von MariaDB für das laufenden Jahr? Wohin geht die Reise bei Open-Source-Datenbanken?

Arnö: Vor wenigen Tagen haben wir ja erst die MariaDB Platform X3 vorgestellt, die transaktionale und analytische Datenverarbeitung vereint und damit einen Meilenstein für Open-Source-Datenbanken legt. Dann werden wir in 2019 die neue Version 10.4 herausbringen, die neue Funktionen unserer MItwirkenden beinhalten wird. Dabei wird es auch um eine besondere Form der Hochverfügbarkeit gehen: Gemeint sind „Instant“-Änderungen an der Datenbankstruktur wie etwa das Hinzufügen eines Feldes zu einer Tabelle, die zu keinen - wenn auch kurzen - Auszeiten in der Datenbank mehr führen.

Außerdem werden wir unsere Produkte unter Business Source Licence weiterentwickeln und aktualisieren. Das betrifft zum Beispiel MaxScale. Und letztlich werden wir die Handhabung und Bedienung von MariaDB in Cloud- und Hybrid-Cloud-Umgebungen vereinfachen und somit auch die Migration und Einbindung von On-Premise-Installationen erleichtern.