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Nachhaltige Rechenzentren: Viel mehr als nur Energieeffizienz

Energieeffizienz ist nach dem Thema Verfügbarkeit das zweitwichtigste Managementthema bei Rechenzentren. Von einem nachhaltigen Betrieb sind Rechenzentren aber noch sehr weit entfernt.

Grafik Bildquelle: © Borderstep

Rechenzentren werden heute sehr effizient geplant und betrieben. Die Energieeffizienz der Infrastruktur neuer Rechenzentren hat sich in den letzten zehn Jahren um etwa 60 Prozent verbessert. Aber auch der Bedarf an Rechenleistung steigt stark an. Die Digitalisierung der Wirtschaft und Gesellschaft führt dazu, dass die Rechenzentrumsbranche boomt. Im Rahmen des Projekts TEMPRO – Total Energy Management for Professional Data Centers hat Borderstep die aktuelle Entwicklung des Energiebedarfs der Rechenzentren in Deutschland ermittelt.

Stromverbrauch steigt immer weiter an

Das Ergebnis ist eindeutig. Der Energiebedarf der Rechenzentren steigt immer weiter an – in den letzten Jahren sogar mit steigenden Wachstumsraten. Im Jahr 2017 benötigten die Rechenzentren in Deutschland 13,2 Milliarden kWh Strom. Das entspricht etwa dem Jahresstromverbrauch von Berlin.

Der Anstieg des Energiebedarfs ist vor allem durch den immer höheren Energiebedarf der IT-Komponenten im Rechenzentrum bedingt. Allein die Server benötigten 4,7 Milliarden kWh im Jahr 2017. Die Infrastruktursysteme wie Kühlung und Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV) werden zwar immer effizienter, benötigten im letzten Jahr aber immer noch 5,3 Milliarden kWh.

Was ist wirklich nachhaltig?

Die Energieeffizienz der Rechenzentren ist also nicht umsonst ein wichtiges Handlungsfeld für das Management. Rechenzentren haben aber noch ganz andere Umweltwirkungen, die vom Management bisher nicht berücksichtigt werden. Daher wird in TEMPRO auch die sogenannte „graue Energie“ für die Herstellung und den Transport der Geräte und Anlagen untersucht. Die Frage der seltenen und wertvollen Materialien in Rechenzentren ist ein weiteres Forschungsthema des Projektes.

Um ein Rechenzentrum wirklich nachhaltig zu betreiben, reicht allerdings der alleinige Blick auf die Umweltwirkungen noch nicht aus. Die Vereinten Nationen haben in ihrer Agenda 2030 insgesamt 17 Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs)
definiert. Diese Ziele vereinen die ökologische, die soziale und die ökonomische Ebene der Nachhaltigkeit und reichen von der Armutsbekämpfung über nachhaltige Konsum- und Produktionsweisen bis hin zur Friedenssicherung. Auch der Aufbau einer widerstandsfähigen Infrastruktur und die Förderungen einer breitenwirksamen, nachhaltigen Industrialisierung sowie von Innovationen gehören zu den SDGs.

Ein Betreiber, der sein Rechenzentrum wirklich nachhaltig betreiben will, sollte sich mit diesen SDGs beschäftigen. Fast alle der 17 Ziele haben einen deutlichen Bezug zum Rechenzentrumsbetrieb und können eine wertvolle Unterstützung auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit sein.