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EN goes ISO: "Die internationale Messlatte"

In den vergangenen Jahren ist die EN 50600 hierzulande "eingeschlagen" und hat sich als Standard für die Errichtung von Rechenzentren etabliert. Jetzt wird die Norm internationalisiert und könnte bald weltweit als Leitfaden herangezogen werden – und sich selbst gegenüber dem US-Wettbewerb behaupten.

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Die EN 50600 hat sich durchgesetzt. Das von einem hiesigen Arbeitskreis entwickelte Regelwerk gilt mittlerweile als europäischer Standard für den Bau- und Betrieb von Rechenzentren, gibt Unternehmen Richtwerte zu Energieeffizienz, Verfügbarkeit und Schutzklassen an die Hand. Laut Thomas Wawra, geschäftsführender Gesellschafter der DCE Academy, werden hierzulande bereits seit zwei Jahren alle Rechenzentren nach dieser Norm errichtet. „Die EN ist eingeschlagen“, berichtet der RZ-Experte, der selbst Seminare zur EN 50600 anbietet und die Entwicklung des Themas stets im Blick hat. „Wir haben endlich eine europäische Norm, zuvor kam alles aus dem amerikanischen Raum.“ Das wäre jedoch nicht immer die ideale Lösung gewesen, da die „Amerikaner Vorschriften haben, die für uns nicht immer relevant sind.“

Die EN 50600 wurde hingegen von einem deutschen Expertenkreis entwickelt, der unter anderem aus Herstellern, dem TÜV, aber auch aus RZ-Planern besteht. Gemeinsam legten sie 2012 den Grundstein des Regelwerks mit dem thematischen Komplex „Allgemeine Konzepte“. Es folgten in den nächsten Jahren Blöcke zu Gebäudekonstruktion, Stromversorgung, Sicherungsanlagen, Management, Betrieb und anderen Kernthemen. „Die EN verfolgt einen holistischen Ansatz. Sie ist ein gesamtheitliches und unabhängiges Werk, das von unterschiedlichen Experten erarbeitet wurde“, erklärt Wawra im Interview mit funkschau. Gerade dieser gesamtheitliche Ansatz ist enorm breit gefächert und komplex, dürfte Unternehmen oftmals vor Herausforderungen bei der Umsetzung stellen. Gleichzeitig ist er aber nicht verbindlich und gibt Verantwortlichen allem voran einen Leitfaden an die Hand, um „ein Rechenzentrum einer bestimmten Verfügbarkeit zu errichten", wie der RZ-Experte erklärt. Wawra beschreibt die Norm als Orientierungshilfe, die in einigen Fällen recht schwammig formuliert, gleichzeitig aber nicht so restriktiv wie manch amerikanischer Ansatz ist. „In den USA darf beispielsweise kein Rechenzentrum näher als fünf Meilen an einem Flughafen errichtet werden. Das kann die Möglichkeiten deutlich einschränken“, erklärt  Wawra.