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Gefahr fürs Klima

Wie man die CO2-Bilanz im Netz verbessern kann

18. Februar 2021, 15:29 Uhr   |  dpa/Redaktion: Stephanie Jarnig | Kommentar(e)


Fortsetzung des Artikels von Teil 1 .

Forschungsprojekt "Green Cloud-Computing"

Wichtig ist, dass es sich dabei um einen globalen Mittelwert handelt. Davon auf einzelne Länder wie Deutschland zu schließen, sei jedoch schwierig, sagt die an der Studie beteiligte Umweltingenieurin Renee Obringer. “Es kann sein, dass Sie mit einem Server in China oder den USA verbunden sind, wenn Sie in Berlin ein Video online ansehen.” Es mache jedoch einen Unterschied, wie der Strommix in einzelnen Ländern zusammengestellt sei und wie modern die Übertragungssysteme seien.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes (UBA) sind insbesondere die Übertragungswege zentral. Ein Videostream in HD-Qualität per Glasfaserkabel sei mit knapp zwei Gramm CO2-Ausstoß pro Stunde etwa 50 mal effizienter als eine Übertragung per UMTS, also dem G3-Datennetz. “Bei Glasfaser hat man unterwegs kaum Verluste”, erklärt Marina Köhn. Sie leitet das Forschungsvorhaben “Green Cloud-Computing” des UBA in Kooperation mit dem Fraunhofer IZM. Das liege daran, dass größere Datenmengen per Glasfaser über eine größere Distanz ohne Verstärkung übertragen werden können. Der Anteil der Rechenzentren an der CO2-Bilanz des Videostreaming sei im Vergleich zur Übertragung “überraschend gering”.

“Im Vergleich zu vielen modellbasierten Studien basiert unsere Berechnungsmethode auf realen Daten aus einem Rechenzentrum”, erklärt Köhn das Vorgehen der UBA-Studie. Bislang sei das nur bei Videostreaming-Anbietern möglich gewesen, Ergebnisse sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Auch zum Thema Videokonferenzen laufe eine Studie - hier müssten aber noch Daten erhoben werden. Generell könne man aber sagen: Um CO2 einzusparen sei es immer eine gute Idee, die Videoqualität herunterzustellen.

Doch trotz der Zahlen zum Energieverbrauch von Videostreaming: Klimafreundlicher als lange Anreisen sind die Konferenzen allemal. Schon ab fünf Kilometer Anfahrtsweg mit dem Auto sind Videokonferenzen klimafreundlicher, rechnet eine am Donnerstag vorgestellte Studie vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) und dem Borderstep Institut vor.

Und eine Dienstreise von zwei Personen per Bahn - dem klimafreundlichsten der betrachteten Verkehrsmittel - von Berlin nach Stuttgart verursache rund 65 Kilogramm CO2, erklärt Studienautor Jens Clausen. Würden sich hingegen vier Personen für vier Stunden per Video treffen, fielen für Rechenzentrum, Kommunikationswege und Endgeräte rund ein Kilogramm an.

Sollten nach Ende der Corona-Pandemie wie von der Studie erwartet rund ein Drittel der Dienstreisen in Deutschland wegfallen und durch Videokonferenzen ersetzt werden, wäre der Effekt fürs Klima enorm: Auf rund drei Millionen Tonnen CO2 pro Jahr schätzt das Borderstep Institut die möglichen Einsparungen. Damit wären wir wieder bei dem jährlichen Ausstoß von Montenegro.

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